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Was Reykjavík lebenswert macht : „Die Leute wollen mehr Bänke“

Bunt, aber nicht planlos:Reykjavík hat einen Weg gefunden, wie Bewohner gezielt an der Stadtverschönerung mitwirken können. Bild: � Jürgen Busse/HUBER IMAGES

Was eine Stadt lebenswerter macht, wissen meist die Bewohner am besten. Man muss sie nur fragen. Die isländische Hauptstadt Reykjavík zeigt, wie das erfolgreich geht.

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          In Reykjavík soll Schluss sein mit tristen Spielplätzen und vertrockneten Parkanlagen. Anwohner nehmen die Verschönerung ihrer Stadt dort selbst in die Hand – und das mit reichlich Geld aus der Stadtkasse. Als Island vor zehn Jahren in die Finanzkrise stürzte, suchten Politiker nach Wegen, das Vertrauen ihrer Bürger zurückzugewinnen. Die Lösung: mehr Beteiligung und echte Entscheidungsmacht anbieten. Und wo ginge das besser als im eigenen Stadtviertel? Über die digitale Abstimmungsplattform „My Neighbourhood“ verteilen Reykjavíks Bürger nun jedes Jahr drei Millionen Euro auf Projekte, mit denen sie ihre Stadt lebenswerter machen wollen. Wir haben mit dem Erfinder des Projektes, Robert Bjarnason, darüber gesprochen, wie sich die Stadtkultur verändert hat, ob Stadtplaner nun ausgedient haben und worin der zeitlose Charme einer Parkbank liegt.

          Herr Bjarnason, über die Plattform „My Neighbourhood“ können die Bürger von Reykjavík Projekte vorschlagen und über sie abstimmen. Im Laufe der Jahre wurden so etwa 700 Ideen umgesetzt. Was haben Sie davon eigentlich selbst zuletzt genutzt?

          Mein Büro liegt ganz in der Nähe eines Parks, und ich benutze die Outdoor-Sportgeräte dort. Auch wenn ich das häufiger tun sollte.

          Gibt es bestimmte Projekte, die besonders beliebt sind?

          Wir können mit Hilfe Künstlicher Intelligenz kalkulieren, wie sehr sich bestimmte Ideen ähneln. Die größte dieser Ideengruppen betrifft Dinge, mit denen man draußen Spaß haben kann: Spiele, Basketballkörbe oder so etwas. Als wir uns das vergangene Jahr angesehen haben, drehte sich da alles um die „Smart City“, und die Leute brachten lauter Hightech-Projekte ein. Wonach die Nutzer aber immer fragen, sind Bänke. Und auch wenn es wie eine Kleinigkeit wirkt, nach einer Bank zu fragen – wir haben gesehen, wie es die Leute in manchen Nachbarschaften auf einmal zusammengebracht und glücklich gemacht hat.

          Das sagt viel darüber aus, was Anwohner eigentlich von ihrem Stadtraum wollen.

          Absolut, und ich denke, von all den verschiedenen Beteiligungsprojekten ist es beim „partizipativen Budget“, beim Bürgerbudget, am einfachsten, die Ergebnisse dessen zu sehen. Manchmal sind sie ja buchstäblich aus Beton gebaut. Das setzt einen Kreislauf des Vertrauens in Gange. Denn was bei so vielen Menschen tief festsitzt, ist doch die Annahme, dass die Regierung das eine sagt und etwas ganz anderes macht. Ich weiß, dass das zynisch klingt und nicht stimmt. Die meisten Politiker, die ich getroffen habe, wollen für ihre Gemeinden etwas Gutes tun. Der Öffentlichkeit wiederum die Komplexität dieser politischen Entscheidungsfindung bewusst zu machen kann beiden Seiten helfen, sich besser zu verstehen.

          Robert Bjarnason ist Gründer von „My Neighbourhood“.

          Jedes Jahr stellt die Stadt Reykjavík dafür sechs Prozent ihres Infrastrukturbudgets, also rund drei Millionen Euro, zur Verfügung. Wie wird entschieden, was mit dem Geld passiert?

          Die Leute haben drei Wochen Zeit, um ihre Ideen einzureichen. Die Stadt hat dann sechs Monate, um die Projekte zu prüfen, und stellt letztlich 200 von ihnen zur Wahl. Was gewählt ist, wird dann auch verbindlich umgesetzt! Das ist ein großartiger Mechanismus, denn das Geld wird besser eingesetzt, und die Nachbarschaften sind zufriedener. In diesem Jahr haben wir mit 1100 eingereichten Ideen einen neuen Rekord erreicht, 6000 haben sich eingeloggt und an den Debatten beteiligt, und 36000 Isländer haben die Website besucht. Nach inzwischen acht Jahren ist das ein echter Teil der Stadtkultur geworden.

          Was ist, wenn die Stadt eine Idee ablehnt, die bei den Nutzern sehr beliebt war?

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