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Besonderer Zauber : Der ruinöse Charme verlassener Orte

Wohnen unter freiem Himmel: Wie hat sich wohl gelebt unter diesem eindrucksvollen Deckenbild? Bild: Romain Veillon

Der französische Fotograf Romain Veillon hat sich ganz einem Thema verschrieben: Mit seiner Kamera hält er die Schönheit verlassener Orte fest. Warum fasziniert uns das?

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          Von Ruinen und verlassenen Gebäuden geht eine eigenwillige Anziehungskraft aus. Vielleicht weil sie mehr noch als belebte und bewohnte Orte den kulissenhaften Charakter unserer gebauten Umwelt offenbaren. Vor allem aber auch, weil sie den Betrachter mit der Vergänglichkeit von Epochen, Moden, Herrschaft und des Lebens selbst konfrontieren. Größe hat keinen Bestand, wirtschaftliche Macht schwindet ebenso wie Reichtum. Was hat sich nicht alles in diesen Gemäuern abgespielt. Nichts ist erhalten.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der französische Fotograf Romain Veillon, Jahrgang 1982, ist dem Charme der Ruinen erlegen, seit er als Kind Sommer für Sommer die alte Lastenwagen-Fabrik seiner Großmutter als Spielplatz für sich entdeckte. Vermutlich tragen die meisten Erwachsenen aus Kindertagen die Erinnerung an ein aufgegebenes Gebäude in sich, vermutet Veillon. Vermutlich hat er recht. Vielleicht war es eine alte Villa in der Nachbarschaft, die einst jenes eigentümlich-gemischte Gefühl aus Faszination, Furcht und Neugier auslöste, oder eine verlassene Gewerbehalle am Rand der Stadt?

          „Die Menschen gehen in ihre eigene Erinnerungswelt“

          Auf seinen Reisen spürt Veillon verlassene Orte auf, von denen ein besonderer Zauber ausgeht, und hält seine Eindrücke mit der Kamera fest. Seine Fotografien sieht er als eine neue Art des mittelalterlichen „Memento mori“ (Gedenke des Todes). Die Bilder sollen den Betrachter daran erinnern, dass alles ein Ende hat und es gilt, das Schöne zu genießen, solange es währt.

          Imaginäres Museum: Was mag sich in diesen Räumen einst abgespielt haben? Romain Veillon hat die hier gezeigten Motive in Italien und Frankreich aufgespürt.

          Das ist das Hauptziel von Veillons Fotoserie „Le Musee Imaginaire“ (Das imaginäre Museum), die er in den vergangenen vier Jahren gesammelt hat und aus der die hier gezeigten Motive stammen. Entdeckt hat er die verlassenen Gebäude mit den opulenten Wandmalereien vor allem in Italien, aber unter anderem auch in seinem Heimatland Frankreich, in Portugal, Kroatien und Irland.

          Die bunten Wände erzählen vom früheren Leben dieses alten Gebäudes.

          In der Regel bedarf es einer aufwendigen Recherche, die einst vornehmen und vormals für ihre aufwendigen Fresken bekannten Häuser aufzuspüren. Oft liegt im Dunkeln, warum sie verlassen sind – war es der Tod des letzten Bewohners, eine Naturkatastrophe wie ein Erdbeben oder ein eher banaler Umstand wie der Bau eines neuen, modernen und komfortableren Hauses?

          Wo früher Menschen wohnten, hat sich die Natur wieder eingenistet.

          Beim Anblick der Fotografien finde jeder eine eigene Antwort, warum die einstigen Bewohner diesen Ort aufgegeben haben, hofft Veillon. „Die Menschen gehen in ihre eigene Erinnerungswelt, wo sie zum Helden ihres eigenen Abenteuers werden, wo sie der Detektiv sind. Jede Geschichte wird anders sein, und das ist es, was ich liebe“, erläutert er seinen Antrieb.

          Mit den Fotografien hält er die Schönheit von Orten fest, die nach und nach ganz verschwinden werden. „Es ist nicht leicht, sich vorzustellen, wie diese Wände vorher aussahen, aber ich glaube, das ist ein Teil der Gedankenreise“, schreibt Veillon in einer E-Mail an die Redaktion. Und wünscht den Betrachtern: Gute Reise!

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