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Wer tanzt hier aus der Reihe? : Warum Sie das Reihenhaus nicht unterschätzen sollten

Reihenhäuser gelten als langweilig. Dass Wohnen in der Reihe aber keineswegs öde sein muss, zeigt eine neue Ausstellung und beweist: Aus diesem Haustyp lässt sich richtig viel herausholen!

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          Reihenhäuser haben in Deutschland ein Imageproblem. Immer noch. Es gibt nicht wenige, die diesen Gebäudetyp nach wie vor gar nicht für ein Einfamilienhaus halten. Jedenfalls kein echtes. Zu dessen Definition gehört für diese Mitmenschen der Garten – und zwar rundherum. Viele Reihenhausbesitzer selbst geben sich zurückhaltend. Obwohl Eigentümer einer Immobilie, schränken sie beinahe schon entschuldigend ein: „Es ist ja nur ein Reihenhaus.“

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Warum so bescheiden? Die Herabsetzung der in Reihe gebauten Häuser ist unangemessen. Reihen- und Doppelhäuser sind schließlich keine Exoten, sondern gehören seit mehr als hundert Jahren zum Bestand unsere Städte – und sind teils ausgesprochen interessante Zeugnisse der Architekturgeschichte: In den sozialreformerischen Konzepten der Gartenstadtarchitekten um die vorletzte Jahrhundertwende spielten sie die zentrale Rolle. Einige Jahre später experimentierten Siedlungsplaner wie Ernst May in Frankfurt in der Zeit des Neuen Bauens mit der seriellen Herstellung der Reihenbauten. Es gibt prächtige, ja luxuriöse Exemplare und sehr, sehr einfache. Sorgsam geplante und lieblos entworfene. Das Reihenhaus sei wahrscheinlich der meistgebaute Haustyp der alten Bundesrepublik, sagt Ute Maasberg von der Architektenkammer Niedersachsen, für die sie die Ausstellung „Wachgeküsst – Umbauen in der Reihe“ konzipiert hat. Die Schau ist seit vergangenem Freitag zu sehen – und zwar als erste von weiteren Stationen in der Galeria Kaufhof in der Innenstadt von Hannover. Es ist ein ungewöhnlicher Ausstellungsort für eine Architekturausstellung, aber es sind auch ungewöhnliche Zeiten. Unpassend ist das Warenhaus als Umfeld keineswegs, eben weil dem Reihenhaus jeder exklusive Charakter fehlt.

          Knapp 9000 neue Reihenhäuser im vergangenen Jahr

          Wie viele Reihenhäuser es in Deutschland gibt, hat allerdings nicht einmal das Statistische Bundesamt gezählt. Entsprechend bleibt der Anteil am Gebäudebestand nebulös. Im Neubau immerhin herrschen klare Verhältnisse: Im vergangenen Jahr sind in Deutschland laut Destatis knapp 9000 Reihenhäuser gebaut worden, gegenüber mehr als 83.000 frei stehenden Einfamilienhäusern. Von diesen Zahlen sollte man sich nicht täuschen lassen, ebensowenig vom Image. Am Häusermarkt ist dieser Immobilientyp nämlich längst keine zweite Wahl mehr. Er ist begehrt, weil er zum – halbwegs – erschwinglichen Preis bietet, was sehr viele Menschen wollen: ein Haus mit Garten in Stadtnähe.

          Landschaftsarchitektin Karin Schelcher hat den Garten eines Reihenhauses in Wilhelmshaven gestaltet.
          Landschaftsarchitektin Karin Schelcher hat den Garten eines Reihenhauses in Wilhelmshaven gestaltet. : Bild: Foto: Martin Henze.

          Die Ausstellungsmacher halten das Reihenhaus jedoch nicht nur für die günstigere Lösung, um sich diesen Wunsch zu erfüllen. Auch was Nachhaltigkeit und Klimaschutz angeht, sehen sie es im Vergleich zum frei stehenden Einfamilienhaus im Vorteil. „Schließlich verbraucht es deutlich weniger Platz und schont entsprechend die knappen Baulandressourcen“, sagt Ute Maasberg.

          Die Ausstellung rückt nun aber nicht den Neubau in den Blick, sondern den Bestand. Der Eigentümerwechsel bei Reihenbauten ist schließlich in vollem Gang. In vielerlei Hinsicht passen die zwischen den zwanziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstandenen Häuser nicht mehr zu den heutigen Ansprüchen. Was sich aber durch eine Modernisierung aus Reihen-, aber auch Doppel- und Kettenhaus machen lässt, zeigt „Wachgeküsst“ an sieben jüngeren Beispielen aus Niedersachsen und Bremen.

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