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Baut drauf

„Living Roof“: Miniwohnzelle, die wie ein Ufo aussieht. Foto: NAU2

Kein Platz mehr in der überfüllten Stadt? Irrtum! Wir müssen nur nach oben schauen: Die Zukunft der Metropolen liegt auf den Dächern.

14.03.2019
Text: KATHARINA RUDOLPH

Simon Becker und Andreas Rauch, beide Architekten, beide in den Dreißigern, sitzen in der Küche eines Hinterhofbüros in Berlin. Auf dem Esstisch vor ihnen steht eine Art Schachtel aus Holz, kleiner als ein Schuhkarton. Ein winziges Modell einer Einraumwohnkabine, in der Stadtmenschen den Himmel erobern können. Denn das Minihaus soll draufgepackt werden auf Häuser, die schon stehen. Becker und Rauch, Gründer des Start-ups Cabin Spacey, haben eine Vision: Die Zukunft liegt auf den Dächern.

Eine Geschichte aus der aktuellen Ausgabe des Magazins der F.A.Z. „Frankfurter Allgemeine Quarterly“

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Bis 2050 wird die Weltbevölkerung von siebeneinhalb auf fast zehn Milliarden steigen, der Anteil der Menschen, die in Städten leben, wird noch stärker wachsen, von heute 55 auf 68 Prozent. In Europa ist das Bevölkerungswachstum zwar niedriger, doch der Anteil der Stadtbewohner mit mehr als 70 Prozent erheblich höher. In Deutschland müssten jährlich 400.000 Wohnungen neu gebaut werden, um den Bedarf zu decken. Wo aber sollen sie entstehen?

Wer in Berlin auf dem Funkturm steht, in Paris auf dem Hügel von Sacré-Coeur oder in Barcelona auf der Anhöhe des Bunkers del Carmel, macht eine erstaunliche Entdeckung: Es gibt große freie Flächen in unseren Städten, man muss nur die Perspektive wechseln, um sie zu sehen: Hunderttausende Quadratmeter Bauland, und zwar auf den Dächern. Bauland, das nicht teuer gekauft und erschlossen werden muss, die komplette Infrastruktur ist schon da: Wege, Straßen, Bushaltestellen, Supermärkte, Schulen, Kindergärten. Bauland, dessen Nutzung die Umwelt schont, weil es keine neuen Straßen braucht, mit neuen Pendlern, noch mehr Autos, noch mehr Feinstaub und Kohlendioxid.

Perfekte Tarnung: Diese „Klimaanlage“ ist ein Minihaus Foto: Jim Stephenson

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