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Verbotene Vierbeiner : Wann man Tiere in der Wohnung halten darf

Gut gebrüllt, Hauskatze: Vermieter dürfen das Halten von Hunden und Katzen nicht generell verbieten. Bild: dpa

Hund, Katze, Wellensittich - wenn Haustiere Lärm und Dreck machen oder unangenehm riechen, ärgern sich Nachbarn und Vermieter. Wann dürfen Mieter Tiere in ihren vier Wänden halten? Und was müssen sie dabei beachten?

          Ob Hundehaufen vorm Haus oder lautstarkes Vogelgezwitscher vom Balkon nebenan: Wenn Mieter sich ein Haustier anschaffen, kommt es oft zu Streit mit Nachbarn und Vermietern. Häufig landen die Konfliktparteien vor Gericht. Doch welche Vierbeiner dürfen in den eigenen vier Wänden leben, und wann kann der Vermieter einen Riegel vorschieben?

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Kleintiere dürfen Bewohner ganz ohne Erlaubnis halten, dazu gehören etwa Wellensittiche, Goldfische, Meerschweinchen, Hamster oder kleine ungiftige Schlangen. Das gilt selbst dann, wenn im Mietvertrag jegliche Tierhaltung verboten wird - denn eine solche Klausel ist ungültig. Da die Tiere in Käfigen, Terrarien oder Aquarien leben, beschädigen sie in der Regel weder die Räume, noch belästigen sie die Nachbarn. Wer allerdings zehn Hamster im Wohnzimmer beherbergt, überspannt das Maß. Außerdem sind gefährliche kleine Tiere wie Würgeschlangen und giftige Spinnen oder der kreischende Papagei von dieser Regel ausgenommen. Auch für Kampfhunde oder ekelerregende Tiere wie Kakerlaken oder Ratten muss die Erlaubnis des Vermieters eingeholt werden.

          Wer plant, sich ein größeres Tier zuzulegen, sollte den Mietvertrag genau lesen. Steht zum Thema Haustiere nichts darin, kommt es darauf an, ob die Tierhaltung zum vertragsgemäßen Gebrauch der Wohnung gehört - das entscheiden die Gerichte je nach Einzelfall. Es ist daher sinnvoll, vorher mit seinem Vermieter zu reden. Hat dieser schon bei Vertragsabschluss mit dem Mieter individuell vereinbart, dass er keine großen Tiere duldet, muss der Mieter dem nachkommen.

          Vermieter darf seine Erlaubnis wieder zurücknehmen

          Zwar sind Klauseln ungültig, die grundsätzlich das Halten von Katzen und Hunden untersagen. Das hat der Bundesgerichtshof in einem Urteil vom März 2013 entschieden (Az.: VIII ZR 168/12): „Sie benachteiligt den Mieter unangemessen, weil sie ihm eine Hunde- und Katzenhaltung ausnahmslos und ohne Rücksicht auf besondere Fallgestaltungen und Interessenlagen verbietet“, schreiben die obersten Richter in ihrer Begründung. Das heiße aber nicht, dass der Mieter Vierbeiner ohne Rücksicht auf andere besitzen dürfe. Vielmehr müsse der Vermieter im Einzelfall seine Interessen, die der Mieter und der anderen Hausbewohner gegeneinander abwägen und begründen, warum er das Tier verbieten möchte.

          Der Vermieter kann dazu im Mietvertrag festlegen, dass der Mieter ihn erst fragen muss, ob er ein bestimmtes Tier beherbergen darf - das nennt sich Erlaubnisvorbehalt. Ist die Wohnung zu klein für das Tier, hat ein Nachbar eine Katzenhaarallergie oder möchte der Mieter gleich fünf Hunde aufnehmen, können das Gründe sein, die Haltung zu verbieten. Dem einen Mieter den Dackel zu erlauben und ihn dem anderen zu verwehren, geht aber nicht. Will sich der eine Mieter einen Kampfhund zulegen und der andere einen Pudel, sieht die Sache schon anders aus. Dienen Tiere therapeutischen Zwecken, stehen die Chancen für die Halter gut: Wenn Blinde auf einen Blindenhund angewiesen sind, muss der Vermieter diesen dulden. Ebenso durfte ein zwölfjähriges Mädchen laut eines Urteils des Berliner Landgerichts ihre Katze behalten, weil diese half, ihre Verhaltensauffälligkeiten zu mildern.

          Der Vermieter kann seine Erlaubnis allerdings auch wieder zurücknehmen, zum Beispiel wenn sich der kleine, liebe Terrier als ganz großer Kläffer herausstellt und ständig die Nachbarn anfällt. Denn die anderen Mieter könnten im schlimmsten Fall ihre Miete kürzen, wenn sie sich von Lärm, Gestank oder Dreck der Tiere belästigt fühlen - und das bliebe am Vermieter hängen. Fordert der Vermieter den Mieter aus guten Gründen auf, das Tier wieder abzuschaffen, und der Mieter kommt dem nicht nach, kann er auf Unterlassung klagen und danach wegen vertragswidrigen Gebrauchs die Wohnung kündigen. Nicht selten hinterlassen die Tiere dreckigen Teppich, zerkratztes Parkett oder angefressene Kabel in der Mietwohnung. In diesem Fall haftet der Mieter für die Schäden, wenn sie über die normale Abnutzung hinausgehen.

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