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Betrugsverdacht : Ermittler durchsuchen Vonovia-Zentrale

Vonovia-Zentrale in Bochum Bild: dpa

Vonovia ist der größte deutsche Wohnungskonzern. In der Zentrale in Bochum hat es eine Razzia gegeben. Dabei geht es unter anderem um den Vorwurf der Bestechung.

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          In einer groß angelegten Razzia haben Ermittler am Dienstag unter anderem die Zentrale des größten deutschen Wohnungskonzerns Vonovia durchsucht. Dabei geht es um den Verdacht der „Bestechlichkeit und Bestechung im geschäftlichen Verkehr, der Untreue, des Betruges und anderer Straftaten“, wie die Staatsanwaltschaft Bochum mitteilte. Die Ermittlungen richten sich gegen mehrere Mitarbeiter von Vonovia, auch ehemalige, sowie anderer Unternehmen, die für den Immobilienkonzern Aufträge ausgeführt haben. Konzernchef Rolf Buch zeigte sich laut einer Mitteilung des Unternehmens vom Dienstagabend erschüttert. Vonovia werde Anzeige gegen die Beschuldigten erstatten und habe die Wirtschaftsprüfung Deloitte mit einer unabhängigen Untersuchung beauftragt.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Die Mitarbeiter sollen mehrere für Vonovia tätige Unternehmen bei der Auftragsvergabe bevorzugt und dafür als Gegenleistung Geld oder Sachleistungen erhalten haben. Außerdem sollen sie dann auch Leistungsverzeichnisse manipuliert haben, um in der Folge überhöhte Abrechnungen stellen zu können und etwa Handwerkertätigkeiten abzurechnen, die gar nicht stattgefunden haben. Das Geld sollen die Beschuldigten untereinander aufgeteilt haben, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

          Insgesamt wurden in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hamburg und Sachsen mehr als 40 Privat- und Geschäftsräume durchsucht und dabei vier Haftbefehle vollstreckt. „Aufgrund der laufenden Ermittlungen können derzeit keine näheren Details mitgeteilt werden“, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

          Vonovia bestätigte die Razzia auf Anfrage. „Heute haben die Ermittlungsbehörden bei uns Unterlagen eingesehen, da zum Schaden von Vonovia offenbar der Verdacht von mutmaßlich problematischen Vorgängen bei der Vergabe von Aufträgen an Nachunternehmer besteht“, teilte das Unternehmen mit. Gegen einzelne Mitarbeiter im technischen Bereich werde ermittelt. „Vonovia kooperiert als Geschädigte vollumfänglich mit den Behörden und gewährt ihnen Zugang zu den notwendigen Unterlagen.“ Das Unternehmen sei sehr „an einer schnellen und umfassenden Klärung der Vorwürfe interessiert“, sagte der Dax-Konzern. Nachdem die Razzia bekannt wurde, über die zuerst die „Süddeutsche Zeitung“ und der WDR berichtet hatten, sank der Aktienkurs des Konzerns zunächst um fast 3 Prozent.

          Beteiligt an der Durchsuchung waren neben der Staatsanwaltschaft Bochum auch das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen und die Finanzämter für Steuerstrafsachen und Steuerfahndung in Düsseldorf, Bochum und Münster. Neben Vonovia sei auch ein in Süddeutschland ansässiges Wohnungsunternehmen von dem Betrug betroffen. So soll einer der Beschuldigten nach seinem Weggang von Vonovia auch bei dem Konkurrenten in Süddeutschland Auftragsausschreibungen manipuliert haben mit erhöhten Abrechnungen. Um welches Unternehmen es sich dabei handelt, wurde von der Staatsanwaltschaft auf Nachfrage nicht mitgeteilt.

          Nach Informationen der F.A.Z. handelt es sich dabei jedoch um die in Stuttgart ansässige GWG-Gruppe. Auf Anfrage bestätigte das Wohnungsunternehmen der R+V-Versicherungen die Durchsuchungen auch in ihren Büros, mit etwa 15.000 bewirtschafteten Wohnungen ist das Unternehmen deutlich kleiner als Vonovia. “Als möglicherweise geschädigtes Unternehmen kooperieren wir selbstverständlich vollumfänglich mit den Behörden und sind an einer umfassenden Klärung des Sachverhalts interessiert“, teilte die GWG-Gruppe mit. „Aufgrund der laufenden Ermittlungen können wir jedoch bisher noch keine Angaben zur potenziellen Schadenshöhe machen.“

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