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Volle Kanäle, tote Fische : In der Unterwelt wird es eng

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Regen schafft Probleme, über und unter der Erde. Bild: dpa

Starker Regen ist eine Folge des Klimawandels. Wachsende Städte wappnen sich dagegen mit unterirdischen Riesenspeichern, Wasserspielplätzen und einem Supercomputer.

          6 Min.

          In Berlin regnet’s, und zwar stark. Am Hermannplatz läuft das Wasser in Strömen die Stufen zur U-Bahn hinunter. Auf der Schönhauser Allee haben Menschen ihre Schuhe ausgezogen und stehen knöcheltief im Strom. In der Senke an der Gleimstraße hat das Wasser die parkenden Autos angehoben und ineinandergeschoben. Und in der Spree schwimmen am nächsten Tag die Fische mit dem Bauch nach oben.

          „Hochwasser-Chaos“, „Monsun“, „Sturzflut“ - so titeln am Tag nach diesem Unwetter im Juni die Zeitungen. Die Stadt, die weder Küste noch einen ernstzunehmenden Fluss vorzuweisen hat, wirkt von so viel Wasser völlig überrumpelt. Doch so kalt erwischt, wie es scheint, hat es sie nicht.

          Schon seit Jahren bereiten sich die Berliner Wasserbetriebe (BWB) auf solche Starkregenereignisse vor. Schließlich sollen diese infolge des Klimawandels auch in unseren gemäßigten Breiten zunehmen. Hinzu kommt, dass in der wachsenden Stadt Berlin immer mehr Flächen bebaut und damit versiegelt werden, so dass der Regen nicht länger seinen natürlichen Weg in den Untergrund nehmen kann. Das verursacht Probleme - und zwar an der Oberfläche wie unten im Kanal.

          „Bis 2020 wollen wir 300.000 Kubikmeter unterirdischen Speicherplatz schaffen“, sagt BWB-Sprecher Stephan Natz. Mehr als zwei Drittel davon sind schon fertig; für die noch ausstehenden Arbeiten sind 150 Millionen Euro eingeplant. Gebaut werden davon Hallen und Rohre sowie Stauschwellen in bestehenden Kanälen, in denen das Wasser bei starkem Regen zwischengespeichert werden kann. Später kann es von dort kontrolliert Richtung Klärwerk gepumpt werden.

          Fische ersticken an Wasser-Kloake-Gemisch

          Dass das nötig ist, liegt an der Mischwasserkanalisation, die laut Natz zu Zeiten der Industrialisierung in Europas wachsenden Städten große Mode war. Sie sieht vor, dass Ab- und Regenwasser sich auf dem Weg zum Klärwerk einen Kanal teilen. Bei besonders starkem Regen wird es dort unten jedoch eng. Damit nicht in der ganzen Stadt Wasser und Kloake aus den Gullis sprudeln, sind in dem System Überläufe in das jeweils nächstgelegene Gewässer vorgesehen. Mehr als 190 von diesen gibt es im Berliner Zentrum.

          Bevor die BWB ihre unterirdischen Speicher zu bauen begannen, flossen darüber jedes Jahr sieben Millionen Kubikmeter Wasser-Kloake-Gemisch in Spree, Panke und Landwehrkanal. Das ist nicht nur eklig, sondern auch für die Fische lebensbedrohlich, die aufgrund des Sauerstoffmangels infolge des Zulaufs ersticken. Mit dem zunehmenden Starkregen hat sich das Problem verschärft. Den politischen Druck, dagegen vorzugehen, liefert die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union, die die Schadstoffkonzentration in Europas Gewässern bis 2027 unter bestimmte Schwellenwerte gedrückt sehen will.

          „Mit unserem Programm soll die Menge um 40 und die Fracht um 50 Prozent reduziert werden“, erklärt Natz. Aktuell planen die BWB unter anderem in der Nähe des Neubaus des Bundesnachrichtendienstes eine Halle mit 17.000 Kubikmeter Fassungsvermögen - das ist siebenmal der Inhalt des olympischen Schwimmbeckens in Rio de Janeiro. Da eine solche technische Anlage nicht mit Gebäuden überbaut werden darf, soll auf ihrem Deckel ein Spielplatz entstehen.

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