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Vermögensbildung : Zum Sparen verdammt

Für den Vermögensaufbau rät Jasperneite seinen Kunden jedoch auch zu Immobilien. „Wer allerdings mit dem Erwerb an den Rand dessen geht, was finanziell zu verantworten ist, sollte wissen, dass dies das Gesamtrisiko für sein Vermögen erhöht.“ Zur Risikodiversifizierung seien offene Immobilienfonds oder auch geschlossene Immobilienfonds eine gute Alternative, da sich der Anleger dann nicht mit seinem gesamten Vermögen und einem Gutteil seines Einkommens auf nur ein einziges Objekt fokussiert und damit ein immenses Klumpenrisiko eingeht. „Gerade für den Vermögensaufbau über Generationen sind Immobilien jedoch von hoher Bedeutung“, sagt Jasperneite. Schließlich haben auch die Nachfahren noch etwas vom Vermögenswert der Immobilie. Immobilien sollten aber immer nur einen Teil des Vermögens ausmachen. „Niemand von uns weiß, wie die Welt in zehn oder 15 Jahren aussieht“, sagt Jasperneite. „Das Geld sollte daher auf verschiedene Anlageklassen verteilt werden.“ Selbst für sehr risikoscheue Anleger gehören dabei für Jasperneite wenigstens zehn Prozent Aktien in jedes Depot.

Der beste Weg zu Vermögen ist erfolgreiches Unternehmertum

Der Vermögensaufbau in Deutschland hapert nämlich nicht nur an der mangelnden Bereitschaft, sich dem Spardiktat der Immobilienfinanzierung zu unterwerfen, sondern auch an der Bereitschaft, sich über den Kauf von Aktien am Produktivkapital zu beteiligen. Die meisten Aktien der auf den Weltmärkten höchst erfolgreichen deutschen Unternehmen befinden sich in der Hand von Ausländern. An den Rekordgewinnen vieler Unternehmen partizipieren daher deutsche Anleger kaum. Der Blick des Fondsbranchenverbands BVI auf die Renditen von Fonds zeigt für fast alle denkbaren Zeiträume für Aktienfonds die höchsten Renditen. In der langfristigen Geldanlage über 30 Jahre - einem für die Vermögensbildung nicht untypischen Zeitraum - erbrachten Aktienfonds durchschnittlich im Jahr eine Rendite von 8,6 Prozent. Anleihefonds kamen auf 5 bis 6 Prozent, offene Immobilienfonds (die ihren Schwerpunkt klassischerweise auf Gewerbeimmobilien haben) auf rund 5 Prozent. Die Geldanlage in Aktien, Anleihen oder Immobilien ist dem Sparbuch oder Tagesgeldkonto damit weit überlegen und wirft auch meist eine höhere Rendite ab als eine selbstgenutzte Immobilie.

Wer sich daher jenseits der Immobilienfinanzierung zum Sparen disziplinieren kann, wird durch Zinseszinseffekte auch mit kleineren Beiträgen nicht unerhebliche Vermögenswerte aufbauen können. Das weit verbreitete Vorurteil, dass Sparen nur etwas für Reiche sei, kann dabei leicht entkräftet werden. Wer sich zum Beispiel vor 30 Jahren dazu gezwungen hätte, jeden Monat umgerechnet 100 Euro in einem Aktiensparplan anzulegen, käme heute ohne Berücksichtigung steuerlicher Aspekte auf ein Vermögen von 159.000 Euro. Bei einem Anleihefonds wären es etwa 90.000 Euro und bei einem offenen Immobilienfonds immerhin noch 86.000 Euro. Selbst das Sparbuch mit einem unterstellten Durchschnittszins von 1 Prozent wiese ein Guthaben von mehr als 40.000 Euro auf. Renditen aus der Vergangenheit sind zwar keine Gewähr für die Zukunft, aber gerade im langfristigen Vergleich doch ein starkes Indiz.

Gleichwohl scheuen die meisten Anleger hierzulande weiterhin den Aktienkauf. „Die Kunden kommen mit der Volatilität nicht klar“, sagt Jörg Rahn, Anlagestratege bei Marcard, Stein & Co, die vermögende Familien in ihren Anlageentscheidungen beraten. „Zwar schwanken auch die Preise von Immobilien, das ist für den Kunden aber nicht so sichtbar wie bei einer Aktie.“ Die meisten Anleger agierten deshalb zu konservativ. Er rät auch Kunden mit geringer Risikobereitschaft zu einem Engagement in Anleihen von Unternehmen guter Bonität und zum Kauf von Aktien von Unternehmen wie Nestlé, deren Geschäftsmodell sich über Jahrzehnte als solide erwiesen hat. Zu ihren hohen Vermögen sind Rahns Kunden, die in der Regel über zwei- oder dreistelligen Millionenbeträge verfügen, jedoch nur selten allein durch erfolgreiche Geldanlage gekommen. Der beste Weg, um zu wirklich großem Vermögen zu kommen, sei erfolgreiches Unternehmertum. Dann ist auch die Luxusvilla mit Park drin.

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