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Vermögensbildung : Zum Sparen verdammt

Wohneigentümer haben ein höheres Nettoeinkommen

Der entscheidende Unterschied zwischen Mietern und Käufern ist jedoch, dass die Miete dem Konsum zuzurechnen ist, während der Käufer beim Abstottern seines Kredits jeden Monat ein wenig Vermögen bildet und irgendwann vollends Eigentümer der Immobilie ist. „In der Praxis zeigt sich ein fundamental anderes Sparverhalten“, sagt Jürgen Michael Schick, der in Berlin ein Maklerbüro betreibt und Vizepräsident des Immobilienverband Deutschland (IVD) ist. „Der Hausbesitzer zahlt jeden Monat seine Raten ab, ein Mieter hingegen kauft sich viel eher ein neues Auto und macht mehr Urlaub.“ Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft bestätigt dies: „Dass eine Immobilie zum Sparen erzieht, lässt sich nicht von der Hand weisen.“ Die Zeit, in der Geld für die Anfangsinvestition zurückgelegt wird, bezeichnet er als „Einüben des Sparens“. Sei das Haus dann gekauft, müssten die Raten bedient werden. „Selbst wer seine Immobilie fast abbezahlt hat, konsumiert mit Ende 50 nicht plötzlich wild drauf los“, sagt der Immobilienfachmann. Untersuchungen des IVD zeigten, dass die Sparquote der Hausbesitzer über den gesamten Zeitraum nahezu unverändert hoch bleibe.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes beträgt die Sparquote von Mietern nur 6,8 Prozent, von Wohneigentümern deren Tilgungsleistung in der Statistik zum Sparen gezählt wird, jedoch 12,9 Prozent. Neben der Disziplinierung durch den Immobilienerwerb dürfte für den Unterschied aber auch die unterschiedlich hohen Einkommen eine Rolle spielen. Das Haushaltsnettoeinkommen liegt bei Wohneigentümern im Durchschnitt doppelt so hoch.

Auch an anderer Stelle kann sich der Hauskauf positiv auf die Einkommens- und Vermögenssituation auswirken, behauptet Makler Schick: „Wer sein Geld auf dem Sparbuch hat, wird es im Zweifel auflösen, wenn die Tochter studiert. Am Häuschen aber wird festgehalten - auch wenn die Ehefrau dann mehr mitverdienen muss.“ Hochgerechnet auf eine ganze Nation kommen durch beide Effekte beachtliche Vermögen zusammen. Selbstverständlich sollte dennoch nicht jeder eine eigene Immobilie anstreben. „Wer zu wenig verdient, mobil sein muss oder stark schwankende Einkünfte hat, träumt besser nicht von den eigenen vier Wänden“, empfiehlt der Makler.

Immobilienfonds sind eine gute Alternative

Zudem sind Immobilien für den Vermögensaufbau nicht risikolos. Der Wert bestehender Wohnimmobilien in Deutschland ist seit dem Jahr 2000 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um gerade einmal 3 Prozent gestiegen, im Jahr 2012 gab es nach Angaben des Analysehauses Investment Property Databank (IPD) sogar einen Rückgang um 0,8 Prozent. Dabei wiesen einige Regionen hohe Preissteigerungen auf, andere seit Jahren Preisrückgänge. „Deutschland ist ein sehr heterogener Markt“, sagt Christian Jasperneite, Anlagestratege der Privatbank M.M.Warburg. „Für den finanziellen Erfolg ist es daher von entscheidender Bedeutung, wo ich kaufe oder baue.“ Jedes Objekt unterscheidet sich zudem nach Baujahr, Bausubstanz, Ausstattung und Zustand. Auch der Kaufpreis und die Kreditkonditionen können für gleichwertige Objekte spürbar unterschiedlich ausfallen.

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