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Urban Gardening : Des Großstadtmenschen Garten

Gemeinsam statt einsam: Schul- und Internationaler Garten in Rüsselsheim Bild: Sick, Cornelia

Privates Grün ist in der Stadt rar - Nachbarschaftsgärten wachsen. An die 250 Gemeinschaftsgärten sind in den vergangenen Jahren entstanden. Die Akteure lockt mehr als nur das Säen und Ernten.

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          Der Befund irritiert: Gemeinschaftsgärten finden unter den Großstadtbewohnern fast keine Zustimmung. Das behauptet eine neue Studie zu den Gartenvorlieben der Deutschen. Der zufolge soll ausgerechnet dieser besonders städtische Gartentyp bei nur knapp einem Prozent beliebt sein. Wer das behauptet? Das Forschungsinstitut Emnid, das im Auftrag der BHW Bausparkasse die grünen Neigungen der Städter auszuloten versuchte.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          “Der Trend zum Teilen lockt nur wenige Bewohner aus Städten ab 500 000 Einwohnern in Außenanlagen“, lautet das Urteil. Stattdessen liebt der hiesige Großstadtmensch angeblich „wildes Grün“, großzügige Obstgärten und bunte Blumenwiesen im eigenen Garten. Schön und gut. Nur welcher Städter besitzt so etwas schon?

          Stadtraum wird zum Experimentierfeld

          Vielleicht haben die Emnid-Forscher ausschließlich Manufactum-Kunden befragt, Vorstadtbewohner oder eine Auswahl der geschätzt 5 Millionen Kleingartenfreunde, dass sie zu diesem Ergebnis gekommen sind. „Die Antwort ist stark abhängig vom Milieu“, kommentiert die Soziologin Christa Müller, Fachfrau für das Phänomen des „urban Gardening“, das Ergebnis.

          Im Milieu des jungen, akademisch gebildeten Mittelstands dürfte die Zustimmung deutlich höher ausfallen. Denn diese Gruppe gilt laut Müller als treibende Kraft eines Phänomens, das seit ein paar Jahren überall in den Großstädten auftaucht. Doch sie ist nicht die einzige, die ihm Schwung verleiht. Tomatenpflanzen in Tetrapaks ziehen, gemeinsam handwerkern und manchmal sogar imkern - das lockt Jung und Alt, Einheimische und Migranten, Hartz-IV-Empfänger und Besserverdiener.

          Begehrt: Gärten in der Stadt

          Um die 250 Nachbarschaftsgärten sind hiezulande auf Parkhausdecks, Brachen, toten Plätzen binnen weniger Jahre entstanden. Die Bewohner holen die Natur zurück und verwandeln den Stadtraum in ein Experimentierfeld. „Diese Gärten entstehen aus dem Nichts“, sagt Müller. Gegärtnert wird in Containern, Tonnen, Kisten. Ständig kommen neue Initiativen hinzu. Hochburg der Bewegung ist Berlin. Dort liegt auch der längst international bekannte „Prinzessinnengarten“, der 2009 medial Furore machte und den Gemeinschaftsgärten in der Betonwüste einen enormen Boom bescherte. Im Rhein-Main-Gebiet etwa, bisher ein weißer Fleck auf der Landkarte des Urban Gardening in Deutschland, laufen dieses Jahr gleich mehrere Initiativen.

          Das Teilen spielt laut Müller eine zentrale Rolle. „Es geht nicht nur allein ums Anpflanzen, die Gründe fürs Mitmachen sind unterschiedlich“, stellt sie klar. Gemeinsam ist den Stadtgärtnern demnach, dass sie nicht nur Naturerfahrung sammeln, sondern auch voneinander lernen wollen - und nebenbei ein neues Verständnis von Urbanität entwickeln.

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