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Fusion der Wohnungskonzerne : Vonovia verbessert Angebot für Deutsche-Wohnen-Übernahme

  • Aktualisiert am

Die Zentrale der Wohnungsgesellschaft Deutsche Wohnen SE befindet sich in Berlin. Bild: Christoph Soeder/dpa

53 Euro pro Aktie, einen Euro mehr als bisher – damit will Vonovia zögernde Aktionäre des kleineren Konkurrenten überzeugen. 30 Prozent der Anteile hält der Konzern sowieso schon. Die Behörden werden den neuen Vorstoß wohl nicht blockieren.

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          Deutschlands größter Wohnungsvermieter Vonovia nimmt einen neuen Anlauf zur Übernahme des kleineren Rivalen Deutsche Wohnen. Eine Woche nach der gescheiterten Kaufofferte bietet Vonovia nun insgesamt 19 Milliarden Euro für das Berliner Unternehmen und hat sich im Vorfeld bereits fast 30 Prozent der Anteile gesichert. Die Deutsche-Wohnen-Aktionäre sollen 53 Euro je Aktie erhalten – einen Euro mehr als ihnen Vonovia zuletzt in Aussicht gestellt hatte.

          „Wir haben großzügig gerechnet“, sagte Vonovia-Chef Rolf Buch der Nachrichtenagentur Reuters. Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn und seine Vorstandskollegen sind weiter mit im Boot: Er habe den Eindruck gewonnen, dass viele Aktionäre das Scheitern bedauert hätten. „Wir möchten ihnen die Chance nicht vorenthalten, dem Zusammenschluss zu verbesserten Konditionen zuzustimmen.“ Die Zustimmung des Deutsche-Wohnen-Vorstandes ist notwendig, damit Vonovia vor einem neuen Angebot nicht zwölf Monate warten muss. Das ebenfalls erforderliche Ja der Finanzaufsicht BaFin zur Befreiung von der Sperrfrist dürfte angesichts dessen nur Formsache sein.

          „Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass eine Kombination der beiden Unternehmen strategische, wirtschaftliche und wohnungspolitische Vorteile bringt“, sagte Vonovia-Chef Buch. „Darin werden wir auch von wichtigen Aktionärinnen und Aktionären von Vonovia und der Deutsche Wohnen unterstützt.“ An der Sinnhaftigkeit der Übernahme habe sich nichts geändert, sagte sein Kollege Zahn, der im neuen Konzern Buchs Stellvertreter werden soll.

          Mehr als eine halbe Million Wohnungen

          Den beiden im Leitindex Dax gelisteten Immobilienriesen gehören zusammen 550.000 Wohnungen im Wert von mehr als 80 Milliarden Euro, der größte Teil davon in Deutschland. „Gemeinsam können die beiden Unternehmen die erforderlichen Investitionen in Klimaschutz, bedarfsgerechtes Wohnen und bezahlbaren Wohnraum besser schultern“, teilten beide Vermieter mit. An ihren Zusagen an die Berliner Landespolitik, die die Deutsche Wohnen seit langem kritisch beäugt, wollen die künftigen Partner ebenfalls festhalten.

          Vor einer Woche war Vonovia daran gescheitert, dass der Konzern nur 47,6 Prozent und nicht die erforderlichen 50 Prozent der Deutsche-Wohnen-Aktien einsammeln konnte. Viele Hedgefonds hatten auf einen späteren Beherrschungsvertrag mit einer höheren Abfindung spekuliert und ihre Aktien deshalb zurückgehalten. Das will Vonovia nun verhindern. „Wir werden in den nächsten drei Jahren keinen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag schließen“, sagte Buch zu Reuters. „Damit ist die Spekulation raus.“ Wer seine Aktien schneller abgibt und nicht bis zum Ende pokert, soll sein Geld eher bekommen. An der 50-Prozent-Hürde hält das Unternehmen aus Bochum aber fest.

          Anteil ausgebaut

          Der neue Versuch – der insgesamt dritte – kommt nicht überraschend. Vonovia hat sich seit dem Scheitern über den Markt bereits weitere Anteile an Deutsche Wohnen gesichert. Sie kommt inzwischen auf fast 30 Prozent und glaubt deshalb nun, leichter zum Ziel zu kommen. Die Deutsche Wohnen hat auch einen Großteil der eigenen Aktien an Vonovia abgetreten.

          Vonovia hat auch schon einen Plan für die Refinanzierung der Transaktion: Von den 20 Milliarden Euro, die man sich als Kredit für die Übernahme gesichert habe, sollten acht Milliarden über eine Kapitalerhöhung abgelöst werden.

          Das Portfolio von Vonovia umfasste nach Angaben des Kartellamtes Ende März in Deutschland insgesamt rund 354.000 eigene Wohneinheiten. Die Deutsche Wohnen besitzt rund 155.000 Mietwohnungen, etwa 70 Prozent davon in Berlin.

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