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Trockenmauer : „Natursteine sind uralte Schönheiten“

  • -Aktualisiert am

Ingrid Schegk Bild: privat

Das alte Handwerk des Trockenmauerns kommt in heutigen Naturgärten wieder zum Vorschein. Die Landschaftsarchitektin Ingrid Schegk ist eine Expertin auf diesem Gebiet. Sie lehrt an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf im Fach Baukonstruktion.

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          Viele Garten- und Landschaftsbauer arbeiten heute nach uraltem Muster. Sie schichten Stein auf Stein und bauen Trockenmauern. Sind das mittlerweile die echten Maurer?

          Der Landschaftsbau hat sich zu einer Disziplin entwickelt, die bautechnische und gärtnerische Arbeiten verbindet. Dafür ist das Trockenmauern ein gutes Beispiel. Außerdem ist diese Bauweise besonders nachhaltig, wenn lokale Steine verwendet werden, die nur gespalten sind. Man spricht von einer Schwergewichtsmauer, weil nur das Gewicht und die Reibung der Steine im Verband für die Standsicherheit sorgen. Das ist die ökologisch günstigste Art zu bauen.

          Einfach nur Steine übereinander stapeln, ohne Mörtel - das klingt trotzdem nach dem Spiel mit Bauklötzchen. Kann das auf Dauer halten?

          Wie gut das hält, zeigen viele süddeutsche Weinberge. Dort stehen 100 Jahre alte Trockenmauern, die das Gelände terrassieren. Da können sich Gartenbesitzer und ihre Landschaftsbauer vieles abgucken. Bis zu einer Höhe von maximal zwei Metern kann ich eine Abstützung am Hang als Trockenmauer bauen. Bis zu dieser Grenze ist sie laut Bauordnung der meisten Bundesländer genehmigungsfrei. So leicht wie mit Bauklötzen geht das allerdings nicht. Zwei Dinge sind wichtig, damit die Stützmauer dem Erddruck standhält: Sie muss schwer, also dick genug sein, und die Steine müssen sorgfältig vermauert werden. Ein statischer Trick ist die Neigung gegen den Hang. Mindestens zehn Prozent sind ein übliches Maß.

          Und das funktioniert alles wirklich mit nur grob behauenen Steinen?

          Bei freistehenden Mauern, zum Beispiel Weideabgrenzungen, schichtete man früher sogar Findlinge ganz unbearbeitet aufeinander. Auch so etwas ist heute wieder zu sehen. Die Bewegung zum Naturgarten hat das hervorgebracht. Ein wenig anders ist es bei Stützmauern: Da spalteten die Handwerker die Steine auch früher schon und bearbeiteten sie so, dass sie besser aufeinanderliegen - aber nur soweit notwendig. Keinesfalls müssen sie so exakt werden, wie man es von gesägten Steinen oder Kunststeinen kennt.

          Was kann eine Trockenmauer denn nun besser als eine vermörtelte Steinmauer, oder sogar eine aus Beton?

          Sie kommt ohne starres Fundament aus, ohne Gründung in große Tiefen. Das macht die Mauer flexibel. Kleine Bewegungen des Bodens kann sie durch ihre offenen Fugen ausgleichen. Das ist eine geniale Technik. Wenn ich dagegen eine Betonwand habe und es gibt eine Frostsenkung im Boden, dann bekommt sie einen Riss und ist untauglich. Eine Trockenmauer senkt sich mit und bleibt intakt. Wenn sie richtig gebaut ist, ist sie außerdem selbst entwässernd. Es ist keine Drainageleitung nötig.

          Neuartige Gitterkästen, die mit Schotter gefüllt sind, sollen das genauso können. Auch für sie wird damit geworben, dass sie so pflegeleicht seien.

          Das stimmt. Ursprünglich waren diese Gabionen eine reine Technologie von Ingenieuren, um zum Beispiel Uferböschungen an Gewässern zu sichern. Jetzt ziehen die Drahtschotterkästen auch in den Hausgarten ein. Das Metallgitter hält die Steine zusammen. Daher sind sie kostengünstig und teilweise sogar im Baumarkt zu kaufen. Es gibt auch kleinere Formate für jedermann: eine Mode.

          Echte Natursteinmauern sind mehr als das?

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