https://www.faz.net/-gqe-6z5v7

Trockenmauer : „Natursteine sind uralte Schönheiten“

  • -Aktualisiert am

Ingrid Schegk Bild: privat

Das alte Handwerk des Trockenmauerns kommt in heutigen Naturgärten wieder zum Vorschein. Die Landschaftsarchitektin Ingrid Schegk ist eine Expertin auf diesem Gebiet. Sie lehrt an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf im Fach Baukonstruktion.

          Viele Garten- und Landschaftsbauer arbeiten heute nach uraltem Muster. Sie schichten Stein auf Stein und bauen Trockenmauern. Sind das mittlerweile die echten Maurer?

          Der Landschaftsbau hat sich zu einer Disziplin entwickelt, die bautechnische und gärtnerische Arbeiten verbindet. Dafür ist das Trockenmauern ein gutes Beispiel. Außerdem ist diese Bauweise besonders nachhaltig, wenn lokale Steine verwendet werden, die nur gespalten sind. Man spricht von einer Schwergewichtsmauer, weil nur das Gewicht und die Reibung der Steine im Verband für die Standsicherheit sorgen. Das ist die ökologisch günstigste Art zu bauen.

          Einfach nur Steine übereinander stapeln, ohne Mörtel - das klingt trotzdem nach dem Spiel mit Bauklötzchen. Kann das auf Dauer halten?

          Wie gut das hält, zeigen viele süddeutsche Weinberge. Dort stehen 100 Jahre alte Trockenmauern, die das Gelände terrassieren. Da können sich Gartenbesitzer und ihre Landschaftsbauer vieles abgucken. Bis zu einer Höhe von maximal zwei Metern kann ich eine Abstützung am Hang als Trockenmauer bauen. Bis zu dieser Grenze ist sie laut Bauordnung der meisten Bundesländer genehmigungsfrei. So leicht wie mit Bauklötzen geht das allerdings nicht. Zwei Dinge sind wichtig, damit die Stützmauer dem Erddruck standhält: Sie muss schwer, also dick genug sein, und die Steine müssen sorgfältig vermauert werden. Ein statischer Trick ist die Neigung gegen den Hang. Mindestens zehn Prozent sind ein übliches Maß.

          Und das funktioniert alles wirklich mit nur grob behauenen Steinen?

          Bei freistehenden Mauern, zum Beispiel Weideabgrenzungen, schichtete man früher sogar Findlinge ganz unbearbeitet aufeinander. Auch so etwas ist heute wieder zu sehen. Die Bewegung zum Naturgarten hat das hervorgebracht. Ein wenig anders ist es bei Stützmauern: Da spalteten die Handwerker die Steine auch früher schon und bearbeiteten sie so, dass sie besser aufeinanderliegen - aber nur soweit notwendig. Keinesfalls müssen sie so exakt werden, wie man es von gesägten Steinen oder Kunststeinen kennt.

          Was kann eine Trockenmauer denn nun besser als eine vermörtelte Steinmauer, oder sogar eine aus Beton?

          Sie kommt ohne starres Fundament aus, ohne Gründung in große Tiefen. Das macht die Mauer flexibel. Kleine Bewegungen des Bodens kann sie durch ihre offenen Fugen ausgleichen. Das ist eine geniale Technik. Wenn ich dagegen eine Betonwand habe und es gibt eine Frostsenkung im Boden, dann bekommt sie einen Riss und ist untauglich. Eine Trockenmauer senkt sich mit und bleibt intakt. Wenn sie richtig gebaut ist, ist sie außerdem selbst entwässernd. Es ist keine Drainageleitung nötig.

          Neuartige Gitterkästen, die mit Schotter gefüllt sind, sollen das genauso können. Auch für sie wird damit geworben, dass sie so pflegeleicht seien.

          Das stimmt. Ursprünglich waren diese Gabionen eine reine Technologie von Ingenieuren, um zum Beispiel Uferböschungen an Gewässern zu sichern. Jetzt ziehen die Drahtschotterkästen auch in den Hausgarten ein. Das Metallgitter hält die Steine zusammen. Daher sind sie kostengünstig und teilweise sogar im Baumarkt zu kaufen. Es gibt auch kleinere Formate für jedermann: eine Mode.

          Echte Natursteinmauern sind mehr als das?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ihr Europawahlkampf für die SPD gestaltet sich schwer: Katarina Barley

          Barleys zäher Wahlkampf : Im Netz unten durch, sonst kaum beachtet

          Die SPD hat für die Europawahl eine sympathische Kandidatin aufgestellt. In den Umfragen hilft das aber nicht. Warum hat es Katarina Barley trotz ihrer sympathischen und kompetenten Art so schwer?

          Kurz’ Zögern : Gefangen in der Ibiza-Falle

          Lange wartete Österreichs Kanzler, bis er sich zum Video von FPÖ-Chef Strache äußerte. Dabei war ihm schnell klar, dass sein Vize nicht zu halten ist. Dessen Parteifreund Gudenus soll derweil weiter Kontakt zu der vermeintlichen Oligarchennichte gehalten haben.

          Bürgerschaftswahl in Bremen : Rot-Rot-Grün oder nichts

          In den Umfragen steht die Bremer SPD schlecht da. Jetzt schließt sie ein Bündnis mit der CDU aus. Sie setzt damit die anderen Parteien unter Druck – und könnte so die Karten neu mischen.
          Heiko Maas vor einer Regierungsmaschine auf dem Flughafen in Berlin-Tegel

          Antrittsbesuch in Bulgarien : Maas hat wieder Pech mit seinem Flieger

          Zum dritten Mal in drei Monaten: Heiko Maas hat wieder Ärger mit einem Flieger der deutschen Bundeswehr. Bei seiner Reise nach Bulgarien hatte der deutsche Außenminister mehr als eine Stunde Verspätung, weil ein Triebwerk nicht ansprang.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.