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Teurer Hauskauf : Die Maklerkosten werden jetzt geteilt

  • -Aktualisiert am

Halbes Leid? Die Maklerprovision teilen sich Verkäufe und Käufer jetzt in Deutschland. Bild: dpa

Ein Immobilienkauf bringt viele Ausgaben mit sich. Kurz vor Weihnachten ändert sich nun, wie der Makler bezahlt wird. Ist das Eigenheim damit günstiger zu bekommen?

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          Wer ein Haus oder eine Wohnung kauft, stöhnt oft über die hohen Nebenkosten. In weiten Teilen Deutschlands sind die Immobilienpreise schon weit angestiegen, doch für den Erwerb fällt mehr an als nur der Kaufpreis. Der Staat möchte mit der Grunderwerbsteuer an dem Geschäft teilhaben, der Notar soll den Kauf beurkunden, und auch ein Makler will bezahlt werden, wenn dieser eine Immobilie vermittelt. Das läppert sich schnell. Die Nebenkosten belaufen sich je nach Region und Einzelfall wie in Brandenburg auf bis zu 15 Prozent. Für eine Immobilie mit einem Kaufpreis von 200.000 Euro zahlt der Käufer mitunter fast 30.000 Euro zusätzlich, wovon rund die Hälfte an den Makler geht.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für einen Teil davon ist nun etwas Hilfe in Sicht. Vom 23. Dezember an zahlt der Käufer eines Einfamilienhauses oder einer Eigentumswohnung nicht mehr als der Verkäufer, der den Makler beauftragt hat, für dessen Vermittlung. In sechs Bundesländern hatte bislang nur der Käufer die Courtage gezahlt, die mehrere tausend Euro ausmachen kann. Der Spitzenwert für die Maklerprovision von 7,14 Prozent wird fällig in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und dem Saarland sowie in Teilen von Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Thüringen. Nun gilt bundesweit, dass sich beide Parteien die Hälfte der Provision teilen. Damit rechnen viele Immobilienkäufer nun mit niedrigeren Nebenkosten, während Verkäufer sich hieran fest beteiligen und Makler mehr in den Fokus geraten. Doch ob ein Eigenheim damit wirklich günstiger wird, dazu finden sich verschiedene Ansichten.

          Der Druck auf die Makler steigt

          Günter Vornholz, Professor für Immobilienökonomie an der Bochumer EBZ Business School, lobt die einheitliche Regel: Die Bezahlung geht nicht mehr zu Lasten einer Seite und schützt die Käufer besser als bisher vor hohen Kosten. Er erwartet noch einen anderen Wandel. „Gute Makler werden weiter gute Geschäfte machen“, sagt Vornholz. Doch kommt immer mehr Bewegung in die Vermittler, wofür vor allem auch die Konkurrenz durch Online-Plattformen sorgt.

          Neben klassischen Maklern vor Ort bemühen sich verstärkt Internetportale darum, Häuser und Wohnungen zu vermitteln. Dazu zählt Felix Jahn, der Gründer und Geschäftsführer des Online-Vermittlers McMakler. Der Angreifer auf dem Immobilienmarkt erwartet durch die Provisionsteilung, dass die Verkäufer mehr als bisher auf den Service der Makler achten. Der Wettbewerb richte sich damit stärker nach deren Qualitäten und werde so die Branche professionalisieren. Für die Käufer rechnet er mit einer Entlastung, wenn sich die Provision halbiert. „Dadurch sinken die Kaufnebenkosten, und den Immobilienkäufern steht mehr Eigenkapital zur Verfügung, was sich positiv auf ihre Kreditfähigkeit gegenüber den Banken auswirkt“, sagt Jahn.

          Im Angebot: Ein Wohnhaus in Köpernitz steht zum Verkauf.
          Im Angebot: Ein Wohnhaus in Köpernitz steht zum Verkauf. : Bild: dpa

          Einerseits ist Eva Raabe von der Verbraucherzentrale Hessen über die hälftige Aufteilung zufrieden. In angespannten Immobilienmärkten sieht sie schon länger, wie wenig Auswahl die Käufer haben und deshalb die Provision akzeptieren müssen. „Die Zeiten, in denen man über die Maklercourtage handeln konnte, sind zwanzig Jahre vorbei“, sagt die Kasseler Beraterin. Neue Häuser werden heute rasch verkauft, ohne auf die Nebenkosten zu achten. Wenn der Verkäufer stets für die Maklerprovision mitzahlt, wird dieser eher mit dem Vermittler über dessen Lohn verhandeln. Aus dieser Sichtweise wäre besser gewesen, wenn der Verkäufer den Makler nach dem Bestellerprinzip komplett bezahlt. Andererseits befürchtet Raabe, dass der Verkäufer seine Maklerausgaben auf den Kaufpreis aufschlägt und so auf den Neubesitzer überwälzen könnte.

          Hier bekommt der Makler weniger

          Das betrifft die sechs Bundesländer Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen und teilweise Niedersachsen, in denen bisher der Käufer die Maklerprovision zahlt. Wer hier vom 23. Dezember an ein Haus oder eine Wohnung zum Kaufpreis von 300 000 Euro erwirbt, zahlt für den Makler dann rund zehntausend Euro weniger. Diese Summe übernimmt stattdessen der Verkäufer. Wenn dieser nun versucht, den Kaufpreis zu erhöhen, steigt die Belastung für den Hauskäufer an anderer Stelle.

          Gegen diese Rechnung richtet sich Christian Osthus, Justitiar des Bundesverbandes der Immobilienberater, Makler, Verwalter und Sachverständigen (IVD). Sein Argument ist, dass der Verkäufer auch bisher schon ein Interesse daran hat, möglichst hoch zu verkaufen. „Warum soll man das künftig aufschlagen, wenn man das bisher noch nicht gemacht hat?“

          Ohne Folgen wird die Aufteilung aber kaum bleiben – vor allem nicht für die Makler. „Wer bisher als einziges Argument hatte, kostenfrei für den Verkäufer zu arbeiten, muss den Verkäufer jetzt überzeugen und über die Provision verhandeln“, sagt Osthus. Der Makler konnte bisher sagen, dass er sich um alles kümmert. Aber was dieser genau gemacht hat, wusste der Verkäufer oftmals eben nicht. Wenn er selbst auch die Provision zahlt, interessiert ihn das mehr als bisher.

          Was der Makler alles macht

          Osthus hofft darauf, dass dadurch auch die Arbeit des Maklers in einem besseren Licht erscheint: „Wer sich auf das Wagnis eingelassen hat, eine Immobilie ohne Makler zu verkaufen, weiß, was er an einem Makler hat.“ Das Immobiliengeschäft sei mittlerweile technisch und rechtlich kompliziert. Wenn das Haus noch umgebaut, saniert oder erweitert werden soll, könne der Makler stopp sagen, falls das Gebiet im Bebauungsplan liegt, und erläutern, was dadurch noch möglich ist und was nicht. Zudem wisse ein Vermittler, was ein Interessent benötigt, um den Immobilienkauf zu finanzieren.

          „Die Aufteilung der Maklerprovision führt zu mehr Wettbewerb und zu einer Professionalisierung der Branche – und das ist sehr gut“, sagt Osthus. Auch das ist für Immobilienkäufer neben preislichen Vorteilen nicht schlecht.

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