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Städtebau : London wächst in den Himmel

Bauboom in London: Die steigenden Immobilienpreise machen vor allem jungen Familien zu schaffen Bild: Getty

Die steigenden Immobilienpreise geben der Stadt ein neues Gesicht: Hunderte Wohntürme sollen gebaut werden. Der Widerstand wächst - vor allem weil die Wohnungsnot sich dadurch kaum verringern wird.

          „Ich bin ja nicht grundsätzlich gegen Hochhäuser“, versichert Claire-Louise Leyland. Aber nicht an diesem Ort, sagt die Stadträtin im Londoner Bezirk Camden und überreicht eines ihrer Flugblätter. Ein Immobilieninvestor will im feinen Belsize Park einen 80 Meter hohen Apartmentturm hinstellen. Viele Anwohner hätten sich deshalb besorgt an sie gewandt, sagt die Kommunalpolitikerin Leyland: Wird der weithin sichtbare Bau nicht seinen Schatten auf die benachbarte Grünanlage werfen und das angrenzende denkmalgeschützte Altbauviertel verschandeln?

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Über Hochhäuser wird dieses Frühjahr in vielen Ecken von London gestritten. Nie zuvor waren in Europas größter Stadt so viele neue Wohntürme geplant wie heute. Nach einer Erhebung der Denkfabrik New London Architecture sind im Stadtgebiet der Metropole rund 230 Gebäude mit mehr als 20 Stockwerken in der Planung oder bereits im Bau. Viele von ihnen sollen weit über hundert Meter in den Himmel ragen – und wenn sie alle realisiert werden, wird sich das Stadtbild von London so sehr verändern wie seit Jahrhunderten nicht mehr.

          Die Investoren hoffen auf ein Milliardengeschäft

          Der Großteil der Hochhäuser soll nicht Büros, sondern dringend benötigte zusätzliche Wohnungen beherbergen. Die britische Hauptstadt, deren Silhouette, abgesehen vom Bankenviertel, bisher weitgehend flach ist, wächst in den Himmel. Das sei angesichts knapper und extrem teurer Grundstücke die einzige Möglichkeit, um mehr zentrumsnahen Wohnraum zu schaffen, sagen die Planer. Die Investoren hoffen angesichts himmelhoher Immobilienpreise auf ein Milliardengeschäft.

          Doch die neue Bauwut ist eben auch hoch umstritten. „Londons Skyline ist außer Kontrolle“, schrieben kürzlich mehr als 70 prominente Gegner in einem offenen Brief. Sie wettern gegen ein stadtplanerisches Vakuum und einen allein von kommerziellen Interessen getriebenen chaotischen Wolkenkratzer-Wildwuchs. Die Türme seien keine Antwort auf den Bedarf an Wohnraum in der Stadt, sondern dienten nur dazu, den Renditehunger internationaler Investoren zu befriedigen. „Ein kurzfristiges finanzielles Phänomen wird die Stadtansicht für immer verändern“, warnen die Hochhausgegner. Zu den Unterzeichnern der Streitschrift zählen der Bildhauer Anish Kapoor, der Architekt David Chipperfield und der frühere Innenminister Kenneth Baker.

          Londons Wohnungsnot ist ein nationales Problem

          Auf Computeranimationen kann man schon heute sehen, wie sich der Blick auf die Stadt wandeln wird. Am Südufer der Themse, im Bezirk Vauxhall, gleich gegenüber der Nobelviertel Chelsea und Pimlico, wollen Immobilieninvestoren ein wahres Gebirge von Hochhäusern hochziehen. Die Riesen aus Stahl und Glas werden bis zu 180 Meter in den Himmel ragen. Allein hier und im angrenzenden Baugebiet Nine Elms sollen auf früheren Gewerbeflächen mehr als 18.000 Wohnungen entstehen. Im zentral gelegenen Bezirk Southwark wird derweil in wenigen Jahren eine weitere Gruppe von Türmen der nahe gelegenen historischen Kathedrale von St. Paul’s optisch Konkurrenz machen.

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