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Stadtplanung : Grün erobert die Stadt

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Vision: Berlin als Großstadtdschungel Bild: Coqui Malachowska Coqui

Trister Beton war gestern. In der Stadt von morgen soll es grünen und sprießen. Die Frage ist nur, wie man die Natur in die Stadt holt.

          Ausgerechnet Bielefeld galt als „die Stadt der Zukunft“. Das ist zugegebenermaßen schon eine Weile her: In den sechziger Jahren realisierten Stadtplaner dort, was sie unter organischer Stadtbaukunst verstanden. Mitten auf der grünen Wiese stampften sie eine Großsiedlung für Tausende Einwohner aus dem Boden, die Sennestadt. Sie war die erste autogerechte Stadt der Republik. Tatsächlich schufen Städtebauer seitdem vor allem eines: breite Straßen und viel Platz für den Verkehr. Den Raum dazwischen füllten sie mit hohen Häusern und mächtig viel Beton. Inzwischen mahnen Planer dringend zur Umkehr, und deshalb wird auch in Bielefeld wieder an der Stadt der Zukunft getüftelt. Eine Handvoll Forscher entwirft hier Leitbilder für die Metropolen von morgen. Und wenn es nach ihnen geht, sehen die bald radikal anders aus: schöner, gesünder und „maximal begrünt“. Schon bald soll überall wieder Natur im Einheitsgrau sprießen. Man fragt sich nur, wo soll das herkommen?

          Realität: Vertikale Gärten in Paris

          Unsere Städte wachsen rasant, denn 30 Prozent der Weltbevölkerung werden bis 2030 noch in die Metropolen ziehen, schätzen internationale Studien. Bisher bedeutete städtisches Wachstum stets, dass das Häusermeer weiter ins Umland hinauswucherte und immer größere Flächen zubetoniert wurden. Die Folgen sind beachtlich, warnen Forscher nun rund um den Globus. Denn je mehr Flächen wir versiegeln, desto stärker werden Städte zu Wärmeinseln. In ihnen steigen die Temperaturen im Vergleich zum Umland um bis zu 12 Grad. Auch der Verkehr nimmt zu und damit der Lärm und die Belastung für Bewohner.

          Kurzum, gesund ist das alles längst nicht mehr. Deshalb fordern Politiker, Architekten und Gesundheitswissenschaftler, dass die Städte wieder grüner werden. Nicht zuletzt sähen das auch die Bewohner gern. Befragt man Städter, wie sich ihr Wohnort innerhalb der vergangenen zehn Jahre verändert hat, beklagt jeder dritte, die Zahl der Grünflächen habe abgenommen. Und nur jeder fünfte glaubt, dass es in absehbarer Zeit wieder mehr Grün in seiner Umgebung geben wird.

          Zu wenig Grün, zu viel Beton

          Genau daran aber arbeiten die Stadtentwickler, auch die in Bielefeld. Denn die Zahlen zum Stadtgrün sprechen eine deutliche Sprache: Über Jahre haben zwar etliche Forscher versucht zu belegen, dass zu wenig Grün und zu viel Beton den Menschen auf Dauer krank machen. Abgesehen von eher trivialen Erkenntnissen - wie denjenigen, dass Menschen häufiger an Atemwegserkrankungen und unter dem Lärm leiden, wenn sie an stark befahrenen Straßen leben -, fanden sie aber keine eindeutigen Zusammenhänge.

          Andersherum lassen sich die Effekte sehr wohl nachweisen: „Mehr Grün macht Menschen gesünder, das bestätigten inzwischen zahlreiche Untersuchungen“, sagt Thomas Claßen, Leiter der Forschungsgruppe Stadtlandschaft & Gesundheit der Universität Bielefeld, „sie zeigen, dass mehr Grün in erster Linie auf die Psyche wirkt.“ Menschen, die auf mehr Grün gucken und sich in Gärten und Parks bewegen, sind ausgeglichener, ihre Stimmung hellt sich auf, und sie erholen sich schneller von Stress, „das lässt sich sehr deutlich zeigen“, sagt Claßen.

          Raum für Grün gibt es genug: Zu den spektakulärsten Beispielen zählt die mehr als 2,3 Kilometer lange, stillgelegte  Hochbahntrasse (High Line) im Westen Manhattans.

          Unwiderlegt sei zudem, dass Natur helfe, geistige Erschöpfung zu verarbeiten. Nach einem Tag im Grünen fühlten wir uns zwar körperlich erschöpft, wir blieben aber geistig aufnahmefähig und frisch. Das schaffe sonst keine Umgebung.

          Dazu kämen messbare Auswirkungen auf den Körper: Grün senkt den Blutdruck und mindert das Risiko von Herz-Kreislauf- Erkrankungen und Depressionen, übrigens völlig unabhängig vom sozioökonomischen Status der Probanden, fanden Tests heraus. Bahnbrechend war eine Studie, die belegte, dass Krankenhauspatienten schneller genesen, wenn sie nicht auf Mauern, sondern auf Bäume schauen.Außerdem regt Grün zur Bewegung an.

          Grün zieht Bewohner an

          Stadtbewohner, die an Parks oder Grünachsen leben, legen im Schnitt viel mehr Kilometer zu Fuß oder per Rad zurück, das wirke sich gesundheitlich aus. Zudem fördere Stadtgrün die „soziale Gesundheit“, so nennen Gesundheitsforscher es, wenn Menschen regelmäßig in Parks zum Grillen und Reden Bekannte treffen. „Grünflächen sind vor allem als Begegnungsraum ganz wichtig“, findet Gesundheitswissenschaftler Claßen.

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