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Stadt, Land, Fluss : Zwischen City-Sound und Blätterrauschen

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125 Quadratmeter Eigentumswohnung, vier Zimmer - , mehr ist für Familie Stock/Pfanner in Frankfurt nicht drin. Bild: dpa

Dörfer schrumpfen und vergreisen. Frankfurt dagegen wächst Jahr für Jahr um die Einwohnerzahl einer Kleinstadt. Die Kluft zwischen Stadt und Land weitet sich. Ein Besuch bei drei Familien zeigt, wie Menschen damit umgehen.

          8 Min.

          Deutschland ist in Bewegung. Jedes Jahr wechseln Hunderttausende ihren Wohnort. Metropolen wie München, Frankfurt und Berlin wirken wie Magnete. Manche Dörfer dagegen veröden. Im Osten wie im Westen. Driftet Deutschland auseinander? Sprechen Städter und Dorfbewohner überhaupt eine Sprache, zum Beispiel wenn sie von Heimat reden? Eine Spurensuche bei drei Familien in drei sehr unterschiedlichen Orten.

          Ein Kuschelsofa steht im Wohnzimmer - bei Familie Wagenrad auf dem Dorf genau wie bei den Pfanners in der Großstadt. Am Esstisch kommen Eltern und Kinder zusammen. Sie diskutieren, lachen und spielen. Viele Rituale gleichen sich zwischen Alpen und Küste. Auch wenn für die einen die Geräusche des Stadtverkehrs zum Heimatgefühl gehören und für die anderen das Rauschen der Blätter.

          Wir starten in Frankfurt am Main. Die Stadt mit ihren mehr als 720.000 Einwohnern wächst: 2015 um mehr als 42 Menschen pro Tag. Jedes Jahr gewinnt die Metropole zahlenmäßig quasi eine Kleinstadt mit 15.000 Einwohnern dazu. Das bringt Probleme. Mietpreise explodieren, Plätze für die Kinderbetreuung werden knapp.

          Ulrike Stock und Daniel Pfanner sind dennoch überzeugte Städter. Wenn die Söhne schlafen, setzen sich die Eltern im Sommer auf die Dachterrasse der Mietwohnung. Sie genießen den Sound der City. „Ich höre lieber die Geräusche der Stadt als Grillenzirpen“, sagt der Professor für Bauingenieurwesen. „Ich liebe das Gefühl, dass ich mitten drin bin.“ Der 44-Jährige hat ein paar Jahre in Paris gelebt, Frankfurt sieht er als „gemütliche kleine Stadt“.

          Seine Ehefrau Ulrike (43) schätzt die kurzen Wege. „Alles ist in zehn Minuten zu erreichen“, rechnet sie vor. Ob es die Schule von Laurens, dem großen Sohn, ist, oder Valentins Kindergarten.

          Die Stadt brummt vor Angeboten

          Wer ihnen am Esstisch gegenübersitzt, erlebt ein entspanntes Paar. Auch wenn der Alltag oft Stress bedeutet: „Es ist anstrengend, den Spagat hinzubekommen zwischen Beruf, Familie und Partnerschaft, dass nichts auf der Strecke bleibt“, sagt Ulrike Stock.

          Wichtig scheint beiden vor allem das Gefühl, dass die Stadt brummt vor Angeboten: Kino, Theater, Hoffeste mit Nachbarn. Selbst wenn sie nicht alles nutzen. In einen Vorort oder aufs Land zu ziehen, „das war nie eine Option“, sagt Daniel Pfanner.

          Die Familie wohnt auf 125 Quadratmetern. Vier Zimmer, eine Glasfront vor der Dachterrasse, offene Küche und gemütliche, grüne Sofas - wie gemacht zum Büchervorlesen. Anfang 2016 sind die vier eingezogen. „Wir hatten großes Glück“, freut sich Daniel Pfanner. Finanziell stellt der Vater mit seinem höheren Einkommen - ganz klassisch - die Familie auf sichere Beine. Ulrike Stock ist Innenarchitektin.

          Glasfront vor der Dachterrasse, offene Küche und gemütliche, grüne Sofas - Familien Stock/Pfanner fühlt sich in Frankfurt wohl.
          Glasfront vor der Dachterrasse, offene Küche und gemütliche, grüne Sofas - Familien Stock/Pfanner fühlt sich in Frankfurt wohl. : Bild: dpa

          In Frankfurt eine bezahlbare Mietwohnung zu ergattern, gelingt nicht jedem. Das Drei-Zimmer-Apartment, in dem die Familie zuvor gewohnt hatte, gehört dem Paar. Es ist noch nicht abbezahlt. Doch mit zwei Kindern wurde das Mini-Kinderzimmer dort zu eng. Eine größere Wohnung zu kaufen, war in Frankfurt finanziell nicht drin. Also haben sie ihr Eigentum vermietet und sind jetzt selbst Mieter.

          Weil das neue Zuhause größer ist, zahlt das Paar drauf. Das Budget gibt das her. Auch Hort- und Kitagebühren - je knapp 200 Euro pro Monat - machen die berufstätigen Eltern nicht arm.

          Junge Familien ziehen häufiger in den Speckgürtel

          Als Heimat sehen die Pfanner/Stocks weniger eine Stadt als vielmehr „unsere kleine Familie“. Ein Platz, wo der Vater sich verortet, ist „dieser Esstisch hier“, sagt Pfanner und streicht übers Holz.

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