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Wohnen in Mainz : Lebensfreude, Charme und Schulden

Arm, aber attraktiv: Die Stadt wächst, die Wohnungspreise steigen. Bild: mauritius images

Der Zuzug in die Fastnachtshochburg verändert die Stadt. Bald schon könnte sie werden wie ihr ärgster Konkurrent auf der anderen Rheinseite.

          Mainz ist die schönste Stadt der Welt. Davon sind die meisten Mainzer jedenfalls überzeugt. Hat doch ihre „goldisch“ Landeshauptstadt am Zusammenfluss von Main und Rhein all das, was die wichtigtuerische Nachbarstadt Wiesbaden auf der falschen Rheinseite nicht hat: Charme und Lebensfreude, Originalität und Witz, dazu den großen Johannes Gutenberg, eine Bundesliga-Fußballmannschaft und natürlich einen Dom. In den von Kriegsbomben verschonten Wiesbadener Jugendstilvillen langweilen sich blasierte Tölpel, im gebeutelten Mainz tobt das pralle Leben – das weiß in der Stadt jedes Kind.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Oberbürgermeister Michael Ebling kommt in der Fastnacht schon mal als rosa Flamingo auf die Bühne und beklagt wortgewandt den Landraub der Hessen. Die Maaraue auf der rechten Rheinseite sei die „Krim von Mainz“. Einst Mainzer Stadtgebiet, wurde das beliebte Naherholungsgebiet Ende des Zweiten Weltkriegs von den Alliierten kurzerhand abgetrennt und Hessen zugeschlagen.

          Fastnacht und Fußball prägen das Bild der Stadt nach außen und das Selbstbild vieler Mainzer noch dazu: Als offen, tolerant und lebenslustig sehen sie sich, Tore im Stadion werden mit dem Narhalla-Marsch gefeiert, Schwalben der Gegner ernten das langgezogene fastnachtliche Wehklagen „Ui-Juijui-Juijui-Juiui, Au-Wauwau-Wauwau“.

          Jährlich 2000 neue Mainzer

          In diesem Jahr ist sie besonders kurz, die fünfte Jahreszeit. Wer über die Theodor-Heuss-Brücke den Rhein quert und sich der Stadt nähert, wird schon von einem Fahnenmeer mit den typischen rot-weiß-blau-gelben Fastnachtsfarben empfangen. Stolz wehen sie vor dem Kurfürstlichen Schloss – dort, wo in wenigen Tagen die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ stattfinden wird. „Die Fernsehsitzung“, das muss man wissen, ist das Höchste, was ein Mainzer erreichen kann.

          Dass die Stadt ihr Schloss nur mit Hilfe des Landes sanieren kann, dass zugleich Geld fehlt, um das marode denkmalgeschützte Rathaus auf Vordermann zu bringen oder gar das in die Jahre gekommene Gutenbergmuseum zu erweitern – all das spielt für die Anziehungskraft keine Rolle. 1,3 Milliarden Euro Schulden drücken den Haushalt. Mainz gehört zu den Städten mit der höchsten Verschuldung pro Kopf überhaupt. Trotzdem pulsiert das Leben: Die vielen Feste, die bevorzugte Lage am Rhein, die nahen Weinberge, das wirtschaftskräftige Umland im Rhein-Main-Gebiet, die Universität, die gute medizinische Versorgung – all das zieht immer mehr Menschen an.

          Die Mainzer Innenstadt bei Nacht vom Dom aus

          215.000 Menschen leben zurzeit in Mainz, jährlich ziehen etwa 2000 hinzu. Der Wohnungsmarkt platzt aus allen Nähten. Seit Jahren schon gehört die Stadt zu den teuersten Wohnorten in Deutschland, der Strom der Neubürger und die niedrigen Zinsen heizen den Preisanstieg an. In Neubauten übersteigen die Kaltmieten je Quadratmeter die 13-Euro-Grenze. Für die wenigen aktuell angebotenen Eigentumswohnungen im Verkaufsportal Immobilienscout verlangen die Eigentümer im Schnitt schon fast 4000 Euro.

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