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Hightech Zuhause : Smart Home für Oma

Schon wieder die Butter vergessen. Da hätte der Kühlschrank doch mal wirklich mitdenken können. Bild: F1online

Das Hightech-Zuhause ist noch die Ausnahme. Es könnte eine größere Rolle spielen - vor allem mit dem Blick auf das Wohnen im Alter.

          6 Min.

          Smart Homes. Mal ehrlich, wer denkt schon an alte, hilfsbedürftige Menschen, wenn es um Gebäude geht, deren Haustechnik digital vernetzt ist? An betagte Seniorinnen, die per Tablet ihren Bluthochdruckwert an den Hausarzt schicken? Vielmehr dürften die meisten das clevere Zuhause, in dem Sensoren Raumtemperatur und Verschattung regeln, sich die Waschmaschine von unterwegs per Smartphone starten lässt oder in dem die Heizung rechtzeitig vor Rückkehr der Bewohner hochfährt, mit der Avantgarde der Digitalisierung assoziieren. Mit Technikfreaks. Noch sind die Super-Hightech-Bauten selten und die Vorbehalte (nicht nur zu Unrecht) groß. Soll man allen Ernstes sein Leben in die Hand schlauer Haustechnik legen? Ist das nicht zu teuer, viel zu kompliziert? Und vor allem verrückt, wenn es ums Wohnen im Alter geht?

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sabine Brückner-Zahneisen findet das nicht. Die Bambergerin bewohnt selbst seit gut drei Jahren ein Smart Home. Ihr Arbeitgeber, das kirchliche Wohnungsunternehmen Joseph-Stiftung, hatte ein smartes Gebäude in Modulbauweise errichten lassen. Brückner-Zahneisen, Geschäftsführerin der stiftungseigenen Sophia living network GmbH, die smarte Gebäudetechnik vor allem für ältere Menschen anbietet, und ihr Mann zogen ein. Testhalber. „Eine gute Gelegenheit, die Produkte im Alltag selbst auszuprobieren“, sagt die Sozialpädagogin, die sich als nur mäßig technikaffin beschreibt.

          Nun lebt das Ehepaar mit automatischer Energie- und Heizungssteuerung, einem System, das die Raumtemperatur und die Luftfeuchtigkeit erfasst. Es gibt Rauch- und Bewegungssensoren am Herd, Wassersensoren gegen Überflutung, Kameras innen und außen und, und, und. Lieblingsfunktion der Hausherrin ist die „Alles-Aus“-Anzeige. Wann immer die Smart-Home-Bewohnerin das Haus verlässt, fällt ihr prüfender Blick auf das Display. Das zeigt ihr an, ob auch wirklich alle Lichter ausgeschaltet und alle Fenster geschlossen sind, keine Steckdose unnötig unter Strom steht.

          Probewohnen im intelligenten Haus

          Die Joseph-Stiftung errichtete das Smart Home jedoch nicht nur, damit die Geschäftsführerin der „Sophia“ intelligente Haustechnologie aus eigener Erfahrung kennenlernen kann. Vielmehr war das Wohnungsunternehmen über Jahre Teilnehmer des europaweiten Forschungsprogramms I-stay@home, an dem sich 15 Wohnungsgesellschaften aus fünf Ländern beteiligten. Sie alle trieb die Frage um, welche smarten Assistenzsysteme hilfreich sind, damit alte Menschen in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben können.

          Werde da nicht zwischenmenschlicher Kontakt zugunsten „kalter Technik“ geopfert, lautet die gängige rhetorische Frage, wenn vom Hightech-Wohnen für Senioren die Rede ist. Viktor Grinewitschus, Professor für Energiemanagement in der Immobilienwirtschaft von der EBZ Business School in Bochum, seufzt, wenn er mit einem solchen Einwand konfrontiert wird. Der Ingenieur war am EU-Forschungsprogramm beteiligt. Bei smarten Assistenzsystemen gehe es nicht „um die volle technische Dröhnung“, sondern um eine Kombination aus Technik und Dienstleistung, stellt er klar. „Eine smarte Wohnung ist in erster Linie das Zuhause eines Menschen, aber sie erkennt eben auch, wenn der Bewohner Probleme hat, und sendet entsprechende Signale nach außen.“

          Sabine Brückner-Zahneisen weist darauf hin, dass man auf unterschiedliche Weise smart wohnen könne. Für fitte Menschen reiche ein internes System. In dieser Variante empfängt nur der Bewohner akustische oder visuelle Signale, etwa wenn er vergessen hat, Geräte abzuschalten, und steuert seine Haustechnik übers Smartphone oder Tablet. In einer zweiten Stufe werden Nachrichten nach draußen gesendet, etwa an Verwandte und Nachbarn. Dies kann bei alleinstehenden, gesundheitlich stark beeinträchtigten Menschen sinnvoll sein.

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