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Singapurs „Garden by the Bay“ : Der Tropenübungsplatz

Supertrees: Die neuen Wahrzeichen im „Garden by the bay“ sind schon von fern zu erkennen Bild: GARDENS BY THE BAY

Singapur ist die grünste Metropole Asiens. Nun steckt sie Milliarden in die Anlage weiterer Gärten. Denn Grün zieht Talente an. Und wird damit zum Wirtschaftsfaktor.

          Dr. Tan W Kiat liebt Orchideen, seinen grauen Porsche Boxster und alles, was grünt. Einem Buddha nicht unähnlich tritt er mit gewisser Leibesfülle und einem Lächeln Freund und Feind gegenüber. Sein Programm ist so grün, dass die Grünen in Deutschland dagegen erblassen. Tan hat sich auf die Fahnen geschrieben, einen ganzen Stadtstaat geregelt überwuchern zu lassen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Singapur, die Finanzmetropole in Südostasien, soll zu einer grün-bunten Insel werden. Sicher, hier in den Tropen sprießt alles schnell. Singapur aber ordnet, regelt, fördert den Wuchs: von der Gartenstadt will die Metropole nun zur Stadt im Garten werden. „Ein solches Denken setzt eine Umkehr voraus: In der Regel kämpfen die Menschen in den Tropen gegen den Wuchs - wir aber fördern ihn massiv“, sagt Tan. Jahrelang leitete er Nparks, das Grünflächenamt Singapurs, nun verantwortet er den Bau der botanischen Gärten Gardens by the Bay.

          Neu ist der Trend nicht. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg verspricht, die Stadt solle die „greenest greatest city of the world“ werden. Singapur arbeitet schon seit Dekaden mit Akribie an seiner Begrünung. „Singapur war schon grün, bevor ‚grün‘ zum Modewort wurde. 40 Jahre bevor die anderen anfingen, über Bäume zu reden, haben wir sie gepflanzt. Wir haben eine hohe Lebensqualität immer wertgeschätzt, nun würdigen sie auch andere. Solche Werte machen Standorte aus und unterscheiden sie“, sagt Mah Bow Tan, Singapurs früherer Minister für nationale Entwicklung.

          Schon der Gründervater plante die tropische Gartenstadt

          Die Wurzeln des Plans reichen zurück auf die Überlegungen des Gründers und Übervaters des Stadtstaates, des weltweit geachteten Vordenkers und Freund Helmut Schmidts, Lee Kuan Yew. In seiner Biographie widmet er dem Begrünungsprogramm seiner Stadt ein eigenes Kapitel. „Um die Standards der Ersten Welt in der Region der Dritten Welt zu erreichen, haben wir uns entschieden, Singapur in eine tropische Gartenstadt zu verwandeln“, blickt er zurück auf die sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, als Singapur unabhängig wurde.

          „Jedes Mal, wenn ich nach ein paar Wochen im Ausland zurückkehre und entlang von Bäumen, Palmen, und auf Straßen gesäumt von Sträuchern und Stauden vom Flugplatz in die Stadt fahre, bekomme ich gute Laune.“ Doch geht es „LKY“ nicht um seine Laune: „Die Begrünung ist das kosteneffizienteste Projekt, das ich jemals begonnen habe.“

          Längst wissen sie am Finanzplatz: Grün und Geld gehen prima zusammen. Und deshalb gilt seit 2011 die Parole: Aus der „Gartenstadt“ soll eine „Stadt im Garten“ werden. Natürlich haben die „Preußen Asiens“ zuvor den spitzen Bleistift angesetzt. „Wir sind nicht Dubai: Wir sagen dem Architekten nicht, Geld spielt keine Rolle“, stellt Mah klar. So haben die Unternehmensberatungen Ernst & Young und Deloitte Studien verfasst, die Singapur bis heute unter Verschluss hält. In ihnen steht, um wie viel Prozent ein neuer großer Botanischer Garten den Wert des umliegenden Landes steigen lasse. Von 10 bis 30 Prozent Wertzuwachs ist die Rede.

          Ein integraler Bestandteil des Finanzbezirks

          Am 28. Juni wird nun der erste der drei Gardens by the Bay eröffnet werden. Das grün-bunte Trio erstreckt sich auf gut 100 Hektar an den Ufern einer künstlichen Bucht, mitten im neuen Zentrum der Stadt, unter Bankentürmen und Hotels. Die Gardens by the Bay sind das Vorzeigeprojekt, mit dem Singapur der Welt kundtut, in welche Richtung das Wachstum gehen soll: Welcher andere Standort würde heute knapp eine Milliarde Singapur Dollar (625 Millionen Euro) allein in den Bau des ersten Gartens pumpen?

          „Das hier ist prime-land, Singapur hat es dem Meer abgerungen vor Dekaden. Heute zählt der Boden hier zum Teuersten, was in Singapur zu haben ist“, berichtet Gartenbauer Tan. Er beschreibt die Gardens by the Bay als integralen Bestandteil des Finanzbezirks. „Aber er ist nicht nur für die Banker gedacht, sondern für alle Menschen in Singapur. Uns geht es einzig und allein darum, was so ein Garten unserer Nation zurückgibt.“

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