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Shoppingcenter : Die Mittelstädte im Visier

Masse: Gleich um die Ecke der historischen Altstadt sollen im Taunusstädtchen Idstein 13000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche unter einem Dach entstehen. Bild: PLS Partner Lebendige Stadt

Heiß ersehnt und hoch umstritten - kaum eine andere Immobilie polarisiert so sehr wie das Shoppingcenter. Das zeigt sich zunehmend auch in kleineren Städten, wo ein Wettrüsten mit Handelsflächen einsetzt.

          An den 19. Oktober vergangenen Jahres erinnert sich Helmut Koprian nur ungern. An jenem Abend schlug dem Shoppingcenterbetreiber in der Stadthalle Idstein der geballte Unmut von mehr als 500 anwesenden Bürgern entgegen. Als Vertreter der Projektentwicklergemeinschaft Partner Lebendige Stadt (PLS) war der Hamburger angereist, um gemeinsam mit dem Bürgermeister der Öffentlichkeit das Vorhaben „Altstadtgalerie“ vorzustellen.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Rund 45 Millionen Euro will PLS im Herzen des hessischen Städtchens investieren. Gebaut werden soll ein Einkaufszentrum mit 13 000 Quadratmetern Verkaufsfläche und 2000 Quadratmetern für Dienstleistungen und Gastronomie. Der Investor versuchte, die Zuhörer mit der Aussicht auf 400 neue Arbeitsplätze für sein Vorhaben zu begeistern. Er beschwor die sich bietende Chance für die Stadt - und stieß unter den Anwesenden im Saal auf viel Skepsis bis hin zu offener Ablehnung.

          Klasse: Idstein hat jede Menge historischer Bausubstanz zu bieten

          Im Laufe des Abends sahen sich der Investor und der Bürgermeister in der Stadthalle unter anderem mit der Forderung konfrontiert, die Bürger sollten in die Planung einbezogen werden und mitreden dürfen. Deutschland sei aber keine Basisdemokratie, antwortet Koprian dieser Tage am Telefon auf die Frage, ob der Wunsch denn nicht verständlich sei. Die Stadtverordnetenversammlung habe schließlich sein Unternehmen per Beschluss in einer öffentlichen Sitzung mit der Entwicklung beauftragt. Seit 30 Jahren ist der Shoppingcentermanager im Geschäft: Bis 2004 war er für den Marktführer ECE aktiv. Seine Koprian iQ GmbH habe derzeit acht Einkaufszentren im Management, berichtet er - zwei im Bau, fünf in der Entwicklung. „Aber so etwas wie in Idstein habe ich noch nicht erlebt.“

          Reichlich Zündstoff

          Dabei bieten Vorhaben dieser Art im ganzen Land Zündstoff für Auseinandersetzungen. In jüngster Zeit geht kaum noch ein Projekt dieser Art über die Bühne, ohne dass es in der Öffentlichkeit heiß diskutiert wird. Fronten innerhalb der Städte tun sich auf, wenn großflächige Einkaufszentren in eigentlich kleinteiligen Stadtstrukturen etabliert werden sollen. Da nach Angaben der EHI Retail Institute GmbH, die den Markt beobachtet, mehr als 80 Prozent der neuen Zentren mittlerweile in innerstädtischen Vierteln entstehen, gibt es also reichlich Konfliktpotential.

          Zwar war der Bau eines Einkaufszentrums auch früher schon ein Politikum. Ein noch relativ junges Phänomen ist es aber, dass die Auseinandersetzung über Wohl und Wehe einer solchen Ansiedlung nicht mehr nur mit den Parteien im Rathaus und dem lokalen Einzelhandel ausgefochten wird. Im ganzen Land schalten sich Bürger direkt in die Diskussion ein - ganz gleich, ob sie dafür oder dagegen sind. Der Austausch über die sozialen Netzwerke befördert dies.

          In etwa 80 Prozent der Städte werde heute eine lebhafte Debatte geführt, schätzt der Dortmunder Stadtplaner Rolf Junker, einer der Mitautoren der vom Land Nordrhein-Westfalen herausgebenen Anleitung für Kommunen „Zum Umgang mit großen Einkaufscentern“. Besonders der scheinbar omnipräsente Marktführer ECE, der im In- und Ausland 137 Center führt, kann ein Lied davon singen.

          Wo die ECE antritt, ist die Bürgerinitiative nicht fern

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