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Shopping Center : Wachstumsmodell Türkei

  • -Aktualisiert am

Gutes Geschäft: Ansturm zur Eröffnung des „Forum Kayseri“ Bild: Foto UIRE

In Zentralanatolien feiert ein großes Shoppingcenter Eröffnung. Es ist die zweite Gemeinschaftsarbeit eines niederländischen Entwicklers und eines deutschen Investors in dem wirtschaftlich aufstrebenden Land.

          3 Min.

          Außerhalb der Türkei ist die Millionenstadt Kayseri nur wenigen bekannt. Bekannter ist sie eher unter ihrem alten Name: Caesarea, Hauptstadt der römischen Provinz Kappadokien und Sitz frühchristlicher Bischöfe. Wer heutzutage mit dem Flugzeug dorthin reist, kommt auf der Fahrt in die Innenstadt an einem neu erbauten Stadion vorbei. Über diesen Neubau dürften sich nicht nur die zahlreichen Anhänger des örtlichen Klubs Kayserispor gefreut haben, sondern auch der niederländische Projektentwickler Multi Development und die deutsche Immobilienfondsgesellschaft Union Investment Real Estate.

          Mit der neuen Arena wurde das alte Stadion im Zentrum überflüssig - und damit eine große innerstädtische Fläche frei. Die beiden Partner sicherten sich das Grundstück und bestritten die Projektentwicklung von Beginn an gemeinsam - mit Erfolg. Nach knapp vier Jahren Bauzeit feierte kurz vor Weihnachten das neue Shoppingcenter „Forum Kayseri“ Eröffnung. Auf rund 65 000 Quadratmetern Verkaufsfläche bietet es Platz für rund 200 Geschäfte sowie 26 Cafés und Restaurants. Hinzu kommen Parkplätze für 2000 Autos. Unter den internationalen Filialisten der ersten Stunde finden sich in dem zur Eröffnung nahezu komplett vermieteten Komplex unter anderem Media Markt, C&A, Timberland, Migros und Swarovski. In der unmittelbaren Nachbarschaft sollen auf dem insgesamt 150 000 Quadratmeter großen Gelände zudem noch ein Hotel sowie Wohnungen entstehen.

          Die Wiederholungstäter von Kayseri

          Multi und Union Investment sind mit dem Objekt in Kayseri zu Wiederholungstätern geworden. Denn schon vor der rund 250 Millionen Euro schweren Investition brachten sie gemeinsam das „Forum Mersin“ in der gleichnamigen südanatolischen Stadt am Mittelmeer auf einen guten Weg. Die Erfahrung von Multi auf dem türkischen Markt geht aber mittlerweile weit über diese beiden Einkaufszentren hinaus. Seit 2004 hat das niederländische Unternehmen in der Türkei schon zehn Shoppingcenter gebaut. Türkische Objekte machen inzwischen rund ein Fünftel des gesamten Multi-Portfolios aus. Doch diese schon recht umfassende Präsenz reicht der Immobiliengesellschaft noch lange nicht. „Zur zeit sind wir mit sechs weiteren Projektentwicklungen beschäftigt, und nach deren Fertigstellungen dann in allen sieben geographischen Regionen der Türkei vertreten“, sagt Hulusi Belgü, der für das Geschäft von Multi in der Türkei verantwortlich ist.

          Sucht man nach Gründen für das umfassende Engagement, wird man nicht nur in der Historie schnell fündig: Die türkischen Basare können schließlich mit Fug und Recht als Vorläufer aller heutigen Einkaufszentren bezeichnet werden. Es sind vor allem die guten wirtschaftlichen Rahmendaten, die mittlerweile für die Türkei sprechen. 2010 betrug das Wirtschaftswachstum 8,9 Prozent und stieg im ersten Halbjahr 2011 sogar auf 10,2 Prozent - weltweit war das eine der höchsten Steigerungen in diesem Zeitraum. Auch das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt kann sich mit rund 8000 Euro durchaus sehen lassen. Hinzu kommt eine hervorragende demographische Struktur: Von den insgesamt gut 73 Millionen Türken sind die meisten unter oder um die 30 Jahre alt. Dies wiederum fällt zusammen mit einer ausgeprägten Konsumfreudigkeit. Zudem wissen Investoren noch die politische Stabilität im Lande zu schätzen.

          „Das Forum Kayseri steht beispielhaft für unsere Strategie, Core-Objekte in Mittelstädten zu erwerben“, kommentierte Frank Billand, Mitglied der Geschäftsführung von Union Investment Real Estate, den Einstieg in das Großprojekt in der anatolischen Provinz, weit weg von der Metropole Istanbul. „Das gilt nicht nur für die Türkei, sondern auch in anderen Ländern.“ Lars Richter, Direktor der Shoppingcenter-Abteilung bei Union Investment Real Estate, ergänzte am Rande der Eröffnung des neuen türkischen Objekts: „Es hat durchaus seinen Charme, in einer Mittelstadt wie Kayseri die Nummer eins zu sein - gegenüber der Alternative, in der Hauptstadt oder in der größten Metropole als einer unter vielen aufzutauchen.“ Insgesamt hat das Union-Portfolio in der Türkei schon ein Volumen von 452,2 Millionen Euro. „Es macht aus meiner Sicht wenig Sinn, in einem Land nur über ein sogenanntes Leuchtturmprojekt zu verfügen“, sagte Billand. „Auch unter dem Gesichtspunkt Asset Management sind mehrere Investitionen sinnvoller. Deswegen bleiben wir dort, wo wir schon einmal sind, auch weiteren Neuerwerbungen gegenüber aufgeschlossen - wie in der Türkei.“

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