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Wohnwünsche : Auf dem Dorf ist es am schönsten

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In der Realität kämpfen viele Dörfer gegen den Niedergang. Als Sehnsuchtsort taugt das Land offenbar trotzdem. Bild: Getty

Eine Umfrage zu den Wohnwünschen der Deutschen offenbart Differenzen zwischen Alt und Jung. Doch auch Männer und Frauen haben unterschiedliche Vorlieben: Beim Thema „Wohnen in der Kleinstadt“ scheiden sich die Geister.

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          Der Wohnungsmarkt der Großstädte ist zwar überall und andauernd im Gespräch. Der Lieblingswohnort der Deutschen ist jedoch – das Dorf. Das geht aus der jüngsten, bisher noch unveröffentlichten Umfrage hervor, die Kantar Emnid im Auftrag der BHW Bausparkasse erstellt hat. In dieser favorisierten 34 Prozent das Dorf als Lieblingswohnort, nur 13 Prozent nannten das Stadtzentrum. Dorthin zieht es, wenig verwunderlich, nur eine Gruppe verstärkt: junge Erwachsene bis 29 Jahre. Das Dorf hingegen gilt über nahezu alle anderen Altersgruppen hinweg unabhängig von Geschlecht und derzeitigem Wohnort als Ideal. Am überzeugtesten sind offenkundig die Dorfbewohner selbst. Aus der Binnensicht ist „raus aus dem Kaff!“ keine Option. Mehr als die Hälfte von ihnen gab an, dort auch zukünftig leben zu wollen. Zudem erscheint das Landleben vor allem aus der Perspektive der Bewohner von Klein- und Mittelstädten attraktiv. Für Großstadtbewohner ist weit aus seltener Sehnsuchtsort. Für sie heißt der Lieblingswohnort mehrheitlich: Stadtrand.

          Dieser ist mit fast 38 Prozent auch Favorit der ostdeutschen Befragten. Die Begeisterung der Westdeutschen fürs Landleben teilen sie bei Weitem nicht. Das mag am drastischen Niedergang der heimischen Provinz liegen: Zwischen 2003 und 2008 haben dort 64 Prozent der ländlichen Gemeinden mehr als fünf Prozent ihrer Bevölkerung verloren, heißt es in der 2019 vom Berlin Institut veröffentlichten Studie „Die Zukunft der Dörfer“. Der Bevölkerungsschwund werde sich in Ost und West durch die demografische Entwicklung deutlich beschleunigen. Dadurch sehen die Forscher mittelfristig zahlreiche Dörfer in ihrer Existenz gefährdet. Könnte da nicht die „Flucht aufs Land“ angesichts hoher Mieten und Kaufpreise in Groß- und sogenannten Schwarmstädten die Lage stabilisieren?

          Der Bundesverband Deutscher Fertigbau etwa beobachtet ein steigendes Interesse am Dorfleben, denn nur dort lasse sich in der Regel der Traum vom Eigenheim realisieren. Neben der Zielgruppe „junge Familie“ deuten sich auch erste Absatzbewegungen aus der Gruppe der „digitalen Elite“ raus aus de Großstadt an. Der Umzug führt in den meisten Fällen jedoch nur so weit hinaus in die Provinz, wie Krankenhäuser, Schulen, Geschäfte und der Arbeitsplatz noch mit vertretbaren Fahrzeiten erreichbar sind – und im Fall der zweiten, sehr überschaubaren Gruppe ist unsicher, wie lange sie es dort aushält.

          Schaut man sich die Umfrageergebnisse zum bevorzugten Wohnort an, ergibt sich ein weiteres bemerkenswertes Detail: Hegen Männer und Frauen ein etwa gleich starkes Faible fürs Dorf, sieht es bei der Kleinstadt ganz anders aus. Während kleine Städte unter Männern ebenso beliebt sind wie das Dorf, begeistern sich die befragten Frauen nicht annähernd so stark für diese Option.

          Vor dem Hintergrund eines jahrelangen Anstiegs der Wohnungsmieten und Kaufpreise, der teilweise auch die Wohnungsmärkte außerhalb der Ballungszentren erreicht hat, blicken viele Teilnehmer (80 Prozent) der BHW-Umfrage insgesamt optimistisch in die Zukunft, was ihre künftige Wohnsituation angeht. Das mag auf den ersten Blick überraschen. Auf den zweiten jedoch schon weniger, wenn man bedenkt, dass etwa die Hälfte der Deutschen Wohneigentümer ist, Langzeitmieter keine rasanten Mietsteigerungen fürchten müssen und Wohnen außerhalb der Großstädte weitgehend erschwinglich ist. Entsprechend gelassen blicken laut Umfrage besonders Kleinstadtbewohner und die Altersgruppe 50-plus in die Zukunft.

          Für viele der Altersgruppe bis 40 wie auch für Einpersonenhaushalte sind die Wohnkosten eines der wichtigsten Themen. Und während die jungen Erwachsenen als wichtigsten Wohnwunsch mehr Platz nennen (39 Prozent), denkt die Eltern- und Großelterngeneration darüber nach, sich räumlich zu verkleinern.

          Mit ihrem Platzbedarf stellen die Alten die Jungen in den Schatten. Während die meisten der 18 bis 29 Jahre alten Befragten 26 bis 45 Quadratmeter als Wohlfühlgröße pro Kopf nennen (47 Prozent), wünscht die Mehrheit der über Sechzigjährigen 60 Quadratmeter. Der vom Statistischen Bundesamt gegenwärtig ermittelte Durchschnitt pro Kopf liegt bei 45 Quadratmeter. bir.

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