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Schweizer Wohnungsmarkt : Preisanstieg stößt an Grenzen

  • -Aktualisiert am

Beste Lage Zürichsee Bild: dpa

Nach dem kontinuierlichen Preisaufschwung in den zurückliegenden Jahren ist vielerorts inzwischen von Stagnation die Rede. Ein Grund ist die rege Neubautätigkeit.

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          Überall drehen sich in der Schweiz die Baukräne. Die Schweizer selbst wie auch die vielen ins Land strömenden Ausländer kaufen schon seit geraumer Zeit Immobilien, was das Zeug hält und das Bankkonto hergibt. Allein in den vergangenen zwölf Monaten stiegen die Preise für Häuser und Eigentumswohnungen im Durchschnitt um 4,5 beziehungsweise 4,8 Prozent - bei einer Inflation nahe null. Erleichtert wird der Kauf durch das Finanzierungsverhalten der Banken, die in einem harten Wettbewerb stehen und, so heißt es, bei den Beleihungsgrenzen hier und da schon mal ein Auge zudrücken. Angesichts eines rekordniedrigen Zinsniveaus werden Hypotheken zu Ausverkaufspreisen vergeben.

          Der Preisaufschwung dauert inzwischen schon zwölf Jahre an. Doch jetzt warnt der anerkannte Schweizer Immobilienbewerter Wüest & Partner, dass es so kaum weitergehen dürfte. Der Grund liegt nach Einschätzung der Fachleute an der Ausweitung des Angebots, was den Preisanstieg tendenziell entschleunigen und in manchen Regionen sogar - zumindest für Eigentumswohnungen - beenden dürfte. Mit Blick auf die Wohnungsmieten erwartet Wüest & Partner höchstens noch in Zürich und Genf einen leichten Zuwachs.

          Wirtschaftliche Abkühlung

          Auch die Schweiz fürchtet eine kräftige wirtschaftliche Abkühlung. Mit dem harten Franken könnte sie sogar heftiger ausfallen als in den europäischen Nachbarländern. In Basel bauen das Chemieunternehmen Huntsman und der Pharmakonzern Novartis Hunderte von Stellen ab. Dies werde auf den Wohnungsmarkt drücken, heißt es.

          Hinzu kommen regionale Sonderentwicklungen. Die Abschaffung der günstigen Pauschalbesteuerung für reiche Ausländer im Kanton Zürich dämpft die Nachfrage nach Luxusanwesen. Die Reichen suchen nun lieber einige Kilometer weiter am Zürichsee - im Kanton Schwyz - nach einer standesgemäßen Bleibe.

          Gefragte Lagen

          Allerdings erhalten Eigentümer von Objekten mit Blick auf den Zürichsee weiterhin Flugblätter von Maklern, welche sich für die Immobilie interessieren. Auch zweitklassige Objekte sind gefragt. "Es kann ja nicht sein, dass selbst bescheidene Reihenhäuser in kürzester Zeit plötzlich so viel an Wert zulegen wie zuvor in 20 Jahren", warnt der Finanzierungsspezialist Werner Egli und setzt die Übertreibungen zwischen 15 und 20 Prozent an. Ähnlich äußert sich Ansgar Gmür, Direktor des nationalen Hauseigentümerverbandes, in Bezug auf Mehrfamilienhäuser als Kapitalanlage.

          Das klingt nach einer Preisblase. Doch die Immobilienfachleute von Wüest & Partner wollen davon bislang nichts wissen. Ähnliches ist von der Großbank UBS zu vernehmen, wobei berücksichtigt werden muss, dass sie ein bedeutender Anbieter von Hypothekendarlehen in der Schweiz ist. Ihr jüngster "Immobilienblasenindex" zeigt immerhin einen weiteren Anstieg an. Das Marktbarometer liegt jetzt klar im "Boom-Bereich" und nähert sich bedrohlich dem nächsthöheren "Risiko-Bereich".

          Angst vor Preisblase

          Unmissverständlich äußert sich Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand zu diesem Thema. "Wir müssen um jeden Preis verhindern, dass wir uns nach der Finanzkrise noch eine Immobilienkrise einhandeln", sagte er kürzlich in einem Interview. Viele Angebote mahnen tatsächlich zur Vorsicht. Wer bereit ist, 900 000 Franken (rund 750 000 Euro) für eine Wohnung auszugeben, stellt sich vielleicht ein Objekt am Stadtrand von Zürich vor, nicht aber Objekte in weiter entfernten Orten wie Bachenbülach und Oberrohrdorf, für die ein Hochglanzmagazin für hochwertige Immobilien wirbt. Hochwertig heißt übrigens nicht Luxus - der beginnt bei umgerechnet etwa 2,5 Millionen Euro.

          Stabilisierend auf die Nachfrage kann sich neben der Zuwanderung, der Suche nach einer sicheren Geldanlage und den tiefen Zinsen auch der steigende Flächenbedarf der Immobilieninteressenten auswirken. Waren es 1980 noch 34 Quadratmeter pro Person, so liegt der Wert inzwischen bei 51 Quadratmetern - ein Anstieg von 50 Prozent.

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