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Gartenbau : Wasser sparen im Paradies

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Klare Linien und die Farben Weiß und Grün prägen das Garten-Paradies. Bild: Ferdinand Graf Luckner

Son Muda ist ein Gartenparadies auf Mallorca. Im Osten der Insel hat ein Paar aus der Schweiz 15000 Quadratmeter Ödland zum Grünen gebracht. Aus heimischen Pflanzen zauberten sie eine wassersparende Oase.

          5 Min.

          Ein Garten auf Mallorca ist für Nordeuropäer meist der Traum von Olivenbäumen, Oleander, Lavendelfeldern, Palmen, Agaven – und, unverzichtbar, sattem, grasgrünem Rasen. Bis auf Olivenbäume und einige Palmen gibt es nichts davon in Son Muda. Stattdessen ist hier ein mediterranes Schauspiel ganz anderer Art entstanden. Minimalistisch und streng formal einerseits, voll üppiger Sinnlichkeit andererseits. Eine Abfolge diverser Gartenräume, in denen Schönheit ebenso wichtig ist wie Ökologie und die Schonung von Ressourcen. Und das Ganze konsequent in nur zwei Farben. Weiß und Grün.

          Vor fünfzehn Jahren entdeckten die Schweizer Hélène und Christian Lindgens durch das Golfspiel zunächst Mallorca, später Son Muda, 15000 Quadratmeter flaches, ödes Land, im Osten nahe Felanitx, darauf ein ramponiertes Landhaus. Wunderbar. Denn wo bis auf einige knorrige Olivenbäume das gigantische Nichts war, konnte das Paar komplett neu starten. „Aber wir hatten weder Ahnung vom Gärtnern noch von mediterranen Pflanzen“, gesteht Hélène. Nur das Ziel war klar für die Züricherin und ihren Mann, die beide stressige Berufe haben: „Wir wollten einen Garten, der totale Ruhe ausstrahlt, eine meditative Zuflucht.“

          So entstand Son Muda, eine mediterrane Meditation. Die Grundstruktur ist linear, grafisch, viele Achsen, lange, schmale Gänge, Hecken in diversen Höhen. Mit Stilempfinden und sicherem Gespür für Proportionen strukturierte und modellierte Hélène das riesige Areal. Aus der Kombination von abwechslungsreichem Formschnitt und dem natürlichen Habitus von Bäumen und Sträuchern entstand eine visuelle Balance aus Kultur und Natur auf hohem ästhetischen Niveau.

          Beruhigendes Grün, bezauberndes Weiß

          Askese kann so wohltuend sein: Die vielen Grüntöne beruhigen im heißen Hochsommer, wenn nur wenig blüht. Die Farbe Weiß ist kontemplativ, dazu elegant, „mittags schrecklich, aber abends und nachts bezaubernd“, sagt Hélène. Und trotz des Verzichts auf kräftige Farben ist es mitnichten monoton. Gerade durch die Konzentration auf Grün in seiner immensen Skala bis zu Grau und Silberschattierungen rücken viele Bäume, Sträucher, Pflanzen mehr in den Fokus.

          Mit auf Mallorca heimischen Pflanzen hat sich das Ehepaar einen Ausgleichsort zu ihren stressigen Jobs geschaffen.
          Mit auf Mallorca heimischen Pflanzen hat sich das Ehepaar einen Ausgleichsort zu ihren stressigen Jobs geschaffen. : Bild: Ferdinand Graf Luckner

          Vor allem die einheimischen, trockenheitstoleranten Hungerkünstler: der simple Gamander (Teucrium) mit seinen silbrigen, grau-grünen kleinen Blättern wird zum Ornament geadelt, in parallelen kastenförmigen Formschnittbändern wirkt er von weitem wie eine einzige Fläche. Er fungiert als Hecke, wird zu Kugeln geschnitten, die einen der vielen Sitzplätze rahmen, oder besticht als kunstvoller Knotengarten. Die wuchsfreudigen Myoporum-Sträucher sind Multitalente, ihre kleinen weißen Blüten eine Bienenweide. Die weißen Blüten der immergrünen Myrte duften aromatisch, ebenso die des robusten Ligusters (Ligustrum), beides anspruchslose Universalisten.

          Ein Klassiker ist der immergrüne Mastixstrauch (Pistacia lentiscus), der heiße, trockene Sommer geradezu liebt. Seine ledrigen Blätter lassen sich beliebig scheren, „ein toller Ersatz für Buchsbaum“, sagt Christian. Ideal, da in Son Muda vieles durch Formschnitt zu skulpturalen Elementen – Kegel, Kugeln, Pyramiden – veredelt wird. Und noch im Winter blitzen überall weiße Tupfer: Bougainvillea, Sternjasmin und Bleiwurz (Plumbago).

          Schonender Umgang mit Ressourcen

          Inspiration holte sich das Paar in vielen Gärten in England und Frankreich, vor allem in der Provence. Vom botanischen Garten La Louve in Bonnieux schwärmt es als phantastische Sinfonie in dezenten Grün-Nuancen. Noch mehr hat die beiden der Garten von Olivier Filippi in Mèze beeindruckt. Der Franzose gilt seit Jahren als Guru für Gärtnern fast ohne Wässern. „Der schonende Umgang mit Ressourcen war von Anfang an wichtig für uns“, sagt Christian. „Wir wollten Pflanzen, die mit möglichst wenig Bewässerung auskommen.“

          Auch auf Mallorca gab es da ein Vorbild: bei Pollença schuf in den 1960er Jahren die Schweizerin Heidi Gildemeister ein ökologisches Eden, das die reiche regionale Flora der Insel mit einbezog. Mit ihrem damals geradezu visionären Credo, ein „blühendes Paradies mit wenig Wasser zu schaffen“, gelang ihr ein Glanzstück aus wilder Natur und sanfter Ordnung. In zerklüfteter Berglandschaft vereinte sie mehr als 500 heimische grüne und blühende Schätze, die vor allem resistent gegen Trockenheit sind. „Ihre Schöpfung hat uns begeistert und ermuntert, mit vielen hiesigen Pflanzen unseren Traum vom Paradies umzusetzen, ohne Unmengen von Wasser zu verschwenden.“

          Bäume ragen architektonisch anmutend aus dem Garten heraus.
          Bäume ragen architektonisch anmutend aus dem Garten heraus. : Bild: Ferdinand Graf Luckner

          Schließlich ist Wasser (nicht nur) auf Mallorca ein besonders kostbares Gut. Deshalb gibt es in Son Muda statt pflegeintensivem Rasen – Rosmarin. Ein großes Raster kurzgeschorener formaler Quadrate aus bodendeckendem Kriech-Rosmarin (Rosmarinus officinalis ’Repens‘) in kühlem Grau-Grün. Beschirmt vom silbergrünen Laub zahlreicher Olivenbäume, die in malerischer Pose aus den Quadraten herausragen und dem flachen Areal Dreidimensionalität geben.

          Rosmarin statt Rasen

          Australischer Rosmarin (R. Westringia) wird für Hecken und Formschnitt-Kugeln genutzt, „eine perfekte Buchs-Alternative, wächst schneller, kompakter Wuchs, sieht auch bei großer Hitze prächtig aus“, urteilen die Lindgens. In magischem Dunkelgrün zieht sich als lange Achse ein Gang durch den Garten, der sich mal weitet, dann verengt. Die zwei Meter hohen Zypressen in akkurater Kastenform nennt Hélène ihren „Meditationsgang“. Nichts lenke ab, nur der Himmel.

          Im Garten selbst ziehen Kunstwerke hiesiger zeitgenössischer Künstler die Blicke auf sich, geschickt zwischen Beete und Bäume gesetzt. Für „Flores y Arte“, Blumen und Kunst, öffnen die Lindgens seit einigen Jahren Son Muda für ein Wochenende, dann kommen mehrere hundert Besucher.

          Die grafische Matrix des Gartens wird überall aufgelockert durch legere Silhouetten von charaktervollen Echten Olivenbäumen (Olea europaea), ihren Verwandten in Wildform (Olea silvestris), Erdbeerbäumen (Arbutus unedo) mit herrlich glänzendem immergrünen Laub, nach Honig duftenden Blütenständen und roten Kugelfrüchtchen. Der Johannisbrotbaum (Ceratonia siliqua) bereichert mit bizarrem Wuchs und immergrünen glänzenden Blättern. Der breitkronige Seidenbaum (Albizia) bezaubert mit filigranem, mimosenähnlichem Laub und rosafarbenen Blütenpuscheln, „aber Achtung, sehr invasiv!“. Die Lindgens favorisieren die Sorte ’Summer Chocolate‘ mit purpurrotem Laub, eine Ausnahme in der Grün-Weiß-Sinfonie.

          Das Paradies beginnt im April

          Architektonische Elemente mit typisch mediterranem Flair sind breitkronige Phoenix-Palmen (P. canariensis). Geradezu theatralisch steht am Ende des Infinity-Pools ein Quartett aus Dattelpalmen (P. dactylifera), ihre Wedel spiegeln sich in der Wasserfläche. Eine exquisite Oase, der Traum vom Süden plus ein Quantum Hollywood.

          Die Hoch-Zeit dieses eher puristischen Paradieses beginnt im April, dann wirft sich Son Muda in ein opulentes, rein weißes Gewand. Der Reigen startet mit einer Flut von Schwertlilien (Iris germanica), es folgen Brandkraut (Phlomis), das unkaputtbare und fast ganzjährig blühende Wandelröschen (Lantana), Calla, eine Armada von Schmucklilien (Agapanthus) begleitet als sanft wippende Bordüre die Rosmarin-Raster.

          Der Umwelt zuliebe verzichten die Eigentümer auf wässerungsintensive Gewächse wie Rasen.
          Der Umwelt zuliebe verzichten die Eigentümer auf wässerungsintensive Gewächse wie Rasen. : Bild: Ferdinand Graf Luckner

          Ein flirrender Sommertraum ist im Mai das überschwängliche Feld voller Prachtkerzen (Gaura lindheimeri), über dem Scharen von Schmetterlingen tänzeln. Romantik pur auch der Sitzplatz unter der Pergola mit duftenden, langen Blütentrauben einer Glyzinie. Und dann die Rosen. Auf Mallorca? „Aber ja, die mögen das Klima hier“, erklärt Hélène der staunenden Besucherin, „sie wurzeln tief, kommen gut mit dem verdichteten Boden klar, haben wenig Sternrußtau und keine Schädlinge“. Mehr als 1500 Exemplare in hundert Sorten berauschen, als Strauch-, Kletter- und Ramblerrosen, von ’Aspirin‘ und ’Road-Runner‘ über ’Glamis Castle‘ und ’Seagull‘ bis zu ’Alberic Barbier‘ und ’Bobby James‘, die als Girlanden-Duett eine Mauer rahmen.

          Aus Amateuren werden Garten-Profis

          Mauern setzen Akzente, gleichen Höhenunterschiede aus oder rahmen Beete, alle in dem warmen Farbton des hiesigen Marès-Kalksteins. Im hintersten Bereich wartet noch ein Clou: Geschützt von einer Formschnitthecke aus immergrünem Myoporum, geben sich in großem Kreis sommerblühende Stauden ein weiß-grünes Stelldichein. Auf dem Weg dorthin geht es an wogenden Gräsern vorbei und an einem Versuchsfeld mit salztoleranten Pflanzen, die möglichst komplett ohne Wasser gedeihen, wie Tamarinde, Pinie, Zistrose und diversen Salbei-Sorten.

          Ganz ohne künstliche Beregnung geht es dennoch nicht. Ein ausgeklügeltes System von unterirdischer Tröpfchenbewässerung, Folie – auch gegen den invasiven Klee – und Schichten aus Kies und Ziegelsplitt hilft vielen Pflanzen in der Anfangsphase, doch immer mehr kann darauf verzichtet werden. Aus den Amateuren sind längst Profis geworden. Son Muda ist ihr Lebensmittelpunkt. Die Züricher haben hier ihr neues, zweites Leben begonnen, ihre Gartenbaufirma hat fünfzig Mitarbeiter. Neuen Kunden, die einen mediterranen Garten wünschen, versuchen Lindgens diplomatisch die „Dont’s“ beizubringen: „Verzicht auf Lavendel – die Provence ist nicht auf Meeresebene – Pfingstrosen, Kamelien, Hortensien und Rasen!“ Mehr als alle Worte überzeugt dann meist ihr eigener Garten.

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