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Eigentümergemeinschaft : Hilfe, der Verwalter ist weg!

Bild: Valentine Edelmann

Der Hausverwalter schien alles im Griff zu haben. Bis er von einem auf den anderen Tag für die Wohnungseigentümergemeinschaft nicht mehr zu erreichen war. Und dann?

          Im März war der Hausverwalter, nennen wir ihn einfach Herrn Gerth*, noch da. Leibhaftig erschien er eines Vormittags gemeinsam mit einem Fliesenleger, um die angeschlagenen Treppenstufen zu inspizieren, die von der Straße zum Haus führen - einem Altbau aus der Gründerzeit mit zwölf Wohneinheiten im Besitz von zehn Eigentümern. Das wird jetzt erledigt, versprach Gerth den anwesenden Vertretern der Eigentümergemeinschaft. Um das kleine Loch in der Fassade am Eingang werde er sich auch kümmern. Die Eigentümer nickten in die Kragen ihrer Wintermäntel.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es würde wie immer dauern, das kannten sie schon. Vor knapp zwei Jahren hatten sie Gerth zum Verwalter ihrer WEG, ihrer Wohnungseigentümergemeinschaft, bestellt. Er war ihnen in dieser Rolle gewissermaßen zugefallen, nachdem die vorherige Verwalterin ihr Geschäft samt Mitarbeiter an den Kollegen übergeben hatte. Der war selbst schon seit fast zwei Jahrzehnten in der Branche aktiv. Ein freundlicher, seriös wirkender Typ, Mitglied in mehreren Immobilienverbänden.

          Bequem, aber keine ideale Voraussetzung, um einen Verwalter zu bestellen, urteilt Sandra Weeger-Elsner, Rechtsanwältin und Rechtsberaterin des Verbands „Wohnen im Eigentum“. Grundsätzlich sei es besser, wenn die WEG selbst noch eigene Kandidaten suche und vergleiche. Häufig werde das günstigste Angebot gewählt, doch das sei nicht immer das beste Kriterium, mahnt Weeger-Elsner und rät, sich bei vom Dienstleister betreuten WEGs nach deren Zufriedenheit zu erkundigen. Grundsätzlich empfehle sich ein Verwalter, der sein Büro in der Nähe habe. Gerade bei kleinen Eigentümergemeinschaften wie im vorliegenden Fall sei der Aufwand oft verhältnismäßig hoch, erfahrungsgemäß fördere eine längere Anfahrt die Tatkraft des Verwalters nicht gerade. Vor allem aber haben es Eigentümer schwerer, Einsicht in die Verwaltungsunterlagen zu nehmen, wenn dieser weiter entfernt sein Büro hat. Nach ständiger Rechtsprechung besteht dieses Recht nur in den Geschäftsräumen. Nur in sehr wenigen Fällen muss der Verwalter der WEG die Unterlagen zusenden.

          Am Anfang schien alles zu funktionieren

          Die bisherige Verwaltung war mehr als 40 Kilometer entfernt in einer anderen Stadt ansässig. Auch Gerth hatte dort sein Büro, beteuerte aber, es besser machen zu wollen als seine Vorgängerin: regelmäßig vor Ort nach dem Rechten zu sehen, und gut erreichbar werde er auch sein.

          Im ersten Jahr schien alles im Großen und Ganzen zu funktionieren. Die Abrechnung lag in der ersten Jahreshälfte vor, die Zahlen stimmten, die Eigentümerversammlung fand statt. Im Keller wurde ein Stahlträger eingezogen, um die Decke zu stützen, nachdem ein Gutachter vor einem Absacken des Hauses gewarnt hatte. Zwar hatte es Monate gedauert, bis die Handwerker endlich angerückt waren. Aber immerhin, das Wichtigste war erledigt worden. Anderes blieb liegen. Auch Treppe und Hauswand würden nicht von heute auf morgen in Schuss gebracht werden, das wussten die WEG-Mitglieder. Aber bis zum nächsten Frost war noch reichlich Zeit, und auf der Eigentümerversammlung, die ja in diesem Frühjahr anstand, würden sie nicht nur den neuen Wirtschaftsplan beschließen, sondern der Angelegenheit, wenn nötig, Nachdruck verleihen.

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