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Schadenersatzanspruch? : Bauherr gegen Architekt

  • -Aktualisiert am

Schadensersatzansprüche gegen Architekten sind jetzt schwerer durchzusetzen. Bild: Karl Dudler Architekten

Der Bauherr muss bei Schadensersatzansprüchen gegen den Architekten strengere Vorgaben beachten. Er sollte schon vorher prüfen, ob und inwieweit eine Aufforderung gegenüber der Planerseite erfolgen muss.

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          Planer erbringen vorwiegend – hinsichtlich der von ihnen geschuldeten Architektenleistungen – keine gegenständlichen, sondern vielmehr geistige Leistungen. Diese schlagen sich zwar in Planunterlagen und Ausschreibungstexten nieder. Vergegenständlicht wird jedoch durch den bauausführenden Unternehmer deren Leistung. Dies führt zu einer zwingenden Abstraktion. Denn dann, wenn sich die geistige Leistung des Architekten im realisierten Bauvorhaben niedergeschlagen hat, kann ein etwaig aufgetretener Mangel, wie etwa eine Fassadendurchfeuchtung, nicht durch das Neuerstellen einer als fehlerhaft erkannten Planung beseitigt werden. Vielmehr bedarf es des Einsatzes des Fassadenbauunternehmens. Dieses muss durch eine korrigierte Ausführung dafür Sorge tragen, dass die Durchfeuchtung abgestellt wird. Für den ohnehin bereits beeinträchtigten Bauherrn stellte sich bisher bei einem Mangel am errichteten Objekt das Geltendmachen von Schadenersatzansprüchen gegenüber dem Planer vor dem vorbezeichneten Hintergrund vereinfacht dar. Da durch die erbrachte geistige Architektenleistung und deren etwaige Korrektur das Baumangel-Problem nicht ohne Weiteres beseitigt werden kann, postulierte die höchstrichterliche Rechtsprechung folglich, dass es daher einer Aufforderung zur Mängelbeseitigung mit einer angemessenen Fristsetzung gegenüber dem Architekten nicht bedürfe. Denn dessen im realisierten Objekt dokumentierte fehlerhafte Leistung könne nicht zu einer Mängelbeseitigung, also zum Abstellen der aufgetretenen Feuchtigkeitssymptome, führen. Folglich stehe direkt dem Bauherrn ein Schadenersatzanspruch gegenüber dem Architekten zu.

          Nunmehr ist jedoch Vorsicht geboten, will der Bauherr mit sämtlichst ihm zustehenden Schadenersatzansprüchen so gegenüber dem Architekten agieren. Denn der beim Bauherrn aufgetretene Schaden – im Bauvorhaben dokumentierend belegt, ob wegen eintretender Durchfeuchtungen, Zugerscheinungen oder sonstiger Symptome – fächert sich in eine Mehrzahl von Schadenspositionen in aller Regel auf. Neben den Aufwendungen für den Einsatz eines ausführenden Unternehmers, der die Mängelbeseitigung am Objekt direkt vornimmt, entstehen auch zumeist größere Aufwendungspositionen für korrigierende Planungen, ausschreibungsnotwendige und Bauüberwachungstätigkeiten, die erst in der Gesamtschau zu einer zielführenden Mängelbeseitigung beitragen.

          Ablesbar war dies erst jüngst bei einem Objekt in der Hamburger HafenCity, an dem sich umfangreiche Mängel hinsichtlich der Fassadenarbeiten zeigten. Der zur Bewertung des aufgetretenen Mangels eingeschaltete Sachverständige führte in seiner gutachterlichen Stellungnahme umfangreich die notwendigen Gewerkeleistungen für den Abriss und die Neuerstellung der Fassade auf. Gleichermaßen gab er umfänglich an, welche Aufwendungen bauherrenseitig notwendig sind, hinsichtlich der begleitenden Sanierungsplanungs-, Ausschreibungs- und hiermit einhergehenden Überwachungstätigkeiten. Einige Hunderttausend Euro schlugen hier zu Buche. Diese Vorgehensweise bildet ein Stellvertreterbeispiel für eine Vielzahl von Fällen ab, die bei gutachterlichen Bewertungen von Gebäudeschäden sich so dokumentierend niederschlagen.

          In einem ähnlich gelagerten Fall hat nunmehr das Oberlandesgericht (OLG) Hamm (Urteil vom 28. Januar 2021, Az. I – 21 U 54/19) jedoch Folgendes herausgestellt: Wenn sich nicht eindeutig aus dem Verhalten der Planerseite ergebe, dass diese nicht zu einer Mängelbeseitigung, bezogen auf deren Leistung, also Planung, Ausschreibung und Bauüberwachung im Rahmen der Sanierung, bereit ist, müsse bauherrenseitig zwingend beachtet werden, dass es zunächst einer Aufforderung zur Mängelbeseitigung der Planerleistungen in angemessener Fristsetzung bedürfe. Erst wenn diese Frist abgelaufen sei, eröffne sich der Weg des Bauherrn zum Schadenersatzanspruch. Folglich können auch erst dann Kosten für eine Sanierungsplanung einschließlich notwendiger Ausschreibung und Bauüberwachung eines Drittarchitekten als Schaden bauherrenseitig geltend gemacht werden.

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