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Angst vor Verdrängung : Der neue Mieterschreck

Geh heim, Heimstaden! Berliner Mieter protestieren gegen den neuen Großinvestor. Bild: Imago

Weder Corona noch Mietendeckel haben ausländischen Großinvestoren den Appetit auf Berliner Wohnungen verdorben – im Gegenteil. Die Hauptstadt hat ein neues Feindbild.

          6 Min.

          Die Berliner Mieterschaft ist in Aufruhr – wieder einmal. Nachdem die Kampagne zur Enteignung der großen Wohnungskonzerne an Schwung verloren hat und die Mieten zumindest bis zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts gedeckelt sind, rufen jetzt die Pläne des schwedischen Wohnungskonzerns Heimstaden Bostad, neuer Großvermieter in der Hauptstadt zu werden, wütende Proteste hervor. Die Schweden planen nicht weniger als den größten Wohnungsdeal des Jahres in Berlin: Das Unternehmen, das der norwegische Milliardär Ivar Tollefsen kontrolliert, ist dabei, in der Hauptstadt knapp 4000 Wohnungen in 130 Mietshäusern für rund 830 Millionen Euro zu kaufen, viele davon in Milieuschutzgebieten, wo die Mieter besonders stark geschützt sind. Schon seit 2018 hat Heimstaden in Berlin in mehreren kleineren Transaktionen rund 1500 Wohnungen erworben.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Während die ersten Deals von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet blieben, sorgte der Kauf von sechzehn Häusern in den Innenstadtbezirken Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg seit Sommer für Protest – nicht zuletzt weil Berliner Bezirkspolitiker wie etwa der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt, die Mieter dazu aufriefen, sich zusammenzuschließen und gegen den neuen Eigentümer zu wehren. Politiker und betroffene Mieter wollen durch den Protest erreichen, dass Heimstaden sogenannte Abwendungsvereinbarungen unterschreibt. Mit diesen würde sich das Unternehmen für zwanzig Jahre verpflichten, die Mietwohnungen nicht in Eigentumswohnungen umzuwandeln.

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