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Preise : Wertloses vom Lande

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Gesetzliche Auflagen wie der Energiepass verstärken noch den Preisdruck: Saarburg, idyllisch an der Saar gelegen Bild: F.A.Z./Helmut Fricke

Eigener Herd ist angeblich Goldes wert. Wer ein Haus auf dem Land besitzt, wird unter Umständen nicht viel dafür bekommen. Manchmal ist eine Immobilie fernab der städtlischen Zentren nicht mehr als einen Euro wert.

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          Borler hat eine Kirche und neun Straßen. Exakt 46 Haushalte zählt der Ort, und neuerdings auch sechs Bauplätze, berichtet der Bürgermeister nicht ohne Stolz. Dass sich alsbald Abnehmer für die frisch erschlossenen Grundstücke finden werden, glaubt aber selbst er nicht. Mag der Quadratmeterpreis auch bei bescheidenen 20 Euro liegen - in Borler will und wird so schnell niemand bauen, macht Peter Franke sich und seinen Mitbürgern keine Illusionen.

          83 Einwohner leben in dem kleinen Dorf der Vulkaneifel im Nordwesten von Rheinland-Pfalz, nicht weit von der Grenze zu Nordrhein-Westfalen gelegen. 83 Borlerer, von denen mehr als ein Drittel das siebzigste Lebensjahr überschritten hat und 15 Bewohner schon jenseits der 80 sind. „Das klingt rekordverdächtig“, flüchtet Franke sich in Sarkasmus.

          Leerstände in dem einst kinderreichen Dorf

          In den dreißiger Jahren war Borler einmal das kinderreichste Dorf Preußens, erfährt man in der Ortschronik; „und ein Musterdorf obendrein“, erfährt man vom Bürgermeister. Inzwischen jedoch droht der Ort auszusterben und etliche Häuser zu verwaisen. „Wir müssen mit Leerständen rechnen“, erwartet Franke.

          Die Briten suchen die Nähe zum Flughafen Frankfurt-Hahn und kaufen deshalb Häuser im Hunsrück

          Wer in Borler oder ähnlich abgelegenen Dörfern eine Immobilie erbt, dürfte wenig Freude an ihr haben. Es sei denn, er zieht selbst ein. Wer die Immobilie verkaufen will, sollte Geduld mitbringen und auf das Geld nicht oder zumindest nicht direkt angewiesen sein. Denn wo die Nachfrage nach Immobilien gegen null tendiert, da nutzt der beste Preis nichts mehr.

          Abseits der Metropolen fällt ein Verkauf schwer

          Von einer „hohen Preiselastizität“, die den Markt im ländlichen Raum kennzeichne, spricht Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverbands Deutschland (IVD). Abseits der Metropolregionen und Ballungsgebiete wie Rhein-Main, Hamburg oder München werde es zwar immer schwieriger, Hauseigentum loszuwerden, doch gebe es für fast jedes Angebot auch einen Käufer, macht Schick den Besitzern Mut. Vorausgesetzt, sie sind bereit, ihre Erlöserwartungen nicht so hoch zu hängen.

          Dass man über den Preis einiges regeln kann, glaubt auch Christian Muschwitz. Der Raumplaner von der Universität Trier nennt auch eine mögliche Preisuntergrenze: „Ich weiß von einigen Immobilien in der Eifel, die für einen Euro den Besitzer gewechselt haben.“

          Die Preise auf dem Land werden weiter sinken

          Das seien zwar stark sanierungsbedürftige Häuser gewesen, die noch dazu meist am Rand von Bundesstraßen gelegen hätten, doch der Trend sei klar: im ländlichen Raum, der immerhin 75 Prozent der Fläche der Bundesrepublik ausmacht, werden die Preise für Immobilien in den kommenden Jahren weiter sinken, erwartet Muschwitz.

          Während Haus- und Wohneigentum in besten Großstadtlagen oder suburbanen Metropolregionen gefragt sein wird und seit Jahren relativ wertstabil sind, droht den Immobilienpreisen in der als „Pampa“ verunglimpften Provinz wie Hunsrück, Nordeifel, dem Emsland oder ganzen Landstrichen Ostdeutschlands der Niedergang.

          Noch nicht einmal das Pendeln lohnt sich

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