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Preise : Wertloses vom Lande

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Raumplaner fordert Abrisse in den Dörfern

„Es wird in den kommenden Jahren einen deutlichen Überschuss an relativ großen Einfamilienhäusern aus den sechziger, siebziger und auch achtziger Jahren geben“, erwartet der Experte. Und diese Immobilien werden nicht nur mit einer generell geringer werdenden Nachfrage konfrontiert, sondern auch mit einer fehlenden Marktakzeptanz. Denn gerade Häuser auf dem Land sind zu einem großen Teil für größere Familien zugeschnitten.

Raumplaner Muschwitz fordert denn auch - analog zu Stadtumbauprogrammen -, ein „Landumbauprogramm“ vorzubereiten, um auf die Entwicklung zu reagieren und sie steuern zu können. „Wir werden bald nicht daran vorbeikommen, auch Dörfer zurückzubauen und Häuser abzureißen“, erwartet Muschwitz. Mancherorts sei dies auch schon geschehen, doch insgesamt seien sich die Verantwortlichen und viele Fachleute des Ausmaßes dieser Herausforderung nicht bewusst.

Selbst ganze Dörfer werden aufgegeben müssen

„Ich will nicht polarisieren“, stellt Muschwitz klar, doch sei mittelfristig damit zu rechnen, dass ganze Dörfer aufgegeben werden müssen. Der Trierer Wissenschaftler macht die Rechnung auf: Solange in einem Dorf auch nur ein Mensch lebe, müsse die Grundversorgung mit Strom, Telekommunikation und Wasser sowie Abwasser gewährleistet werden. In solchen Fällen sei dann ernsthaft zu überlegen, ob die betroffene Person nicht umgesiedelt werden sollte. Hierfür bedürfe es aber eines Programms, das finanzielle und konkrete Hilfen für die Betroffenen bereithält.

Unterdessen lässt ein Makler wie Dieter Illges ein anderes Phänomen hoffen, dass es zumindest in den kommenden Jahren noch eine gewisse Nachfrage nach Immobilien auf dem Land geben wird: Immer mehr Engländer und Menschen aus den Benelux-Staaten erwerben Häuser in Eifel, Hunsrück und vor allem an der Mittel- und Untermosel.

Der Flughafen Hahn lockt Briten an

Illges und Kollegen haben dafür eine Erklärung parat: Die Preise sind mancherorts inzwischen so niedrig, dass vor allem Briten und Holländer auf Schnäppchenjagd gehen. Und was die Interessenten von der Insel anbelangt, sorgt der Billigflieger-Airport Frankfurt-Hahn für zusätzliche Nachfrage. Denn Königreich und Hunsrück liegen gerade mal eine Flugstunde voneinander entfernt.

Auch Borler profitiert schon von der Nachfrage nach Feriendomizilen. Bei Preislagen zwischen 30.000 und 75.000 Euro seien die Häuser in seinem Ort ja auch „mehr als erschwinglich“, meint Bürgermeister Peter Franke. Und überhaupt: Er könne nicht ausschließen, dass es in 20 oder 30 Jahren nur noch Ferienhäuser in Borler geben wird.

Einstweilen hat Franke die Hoffnung doch noch nicht aufgegeben. Erst kürzlich habe man das Dorf komplett auf Vordermann gebracht. Doch auf die Frage, was es denn an Nahversorgungs-, Freizeit- oder gar Arbeitsangeboten in Borler gibt, räumt Franke offen ein: „Hier ist eigentlich nichts mehr.“

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