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Preise : Wertloses vom Lande

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Vielerorts ist er schon längst im Gange, zumal in Regionen, die zu den „Abwanderungsverlierern“ zählen. Jungen Menschen und Familien bleibt angesichts fehlender Arbeitsmöglichkeiten keine Wahl als abzuwandern. Pendeln lohnt nicht - meist sind die Entfernungen zu weit, das Benzin zu teuer und die Pendlerpauschale gekürzt.

Dieter Illges weiß ein Lied hiervon zu singen. Der Immobilienmakler arbeitet von Hundheim im Hunsrück aus. Das 150-Einwohner-Dorf liegt zwischen Mainz, Trier und Koblenz. Doch von jeder der drei Großstädte liegt Hundheim derart weit entfernt, dass das Modell „hier leben und dort arbeiten“ für die wenigsten Berufstätigen in Frage kommt.

Viel Angebot, kaum Nachfrage im Hunsrück

„Wir haben hier seit Jahren einen klassischen Käufermarkt“, beschreibt Illges die Situation. Einem deutlichen Überhang beim Angebot stehe eine geringer werdende Nachfrage gegenüber. „Viele Objekte, wenig Interessenten“, bringt der Makler die Marktlage auf den Punkt. Doch wie Kollege Schick ist Illges davon überzeugt, dass sich für fast alle Immobilien über kurz oder lang ein Käufer findet.

Voraussetzung sei, dass sie zunächst von ihren oft „völlig unrealistischen Preisvorstellungen Abschied nehmen“. Der Makler berichtet von einer Hunsrück-Immobilie, die er vor kurzem vermitteln konnte: Anfangs hatten die Besitzer des Hauses noch 245.000 Euro verlangt, nach zwei Jahren gaben sie sich dann mit 175.000 Euro zufrieden - fast 30 Prozent weniger als zunächst geplant.

Oft müssen Verkäufer Dumpingangeboten nachgeben

Solche hohen Preisabschläge sind keine Seltenheit, erläutert der Fachmann, zumal die potentiellen Nachfrager das „Spiel“ längst raus hätten: Wenn über mehrere Monate ein Objekt im Internet angeboten wird und langsam, aber stetig günstiger wird, scheuten sich interessierte Käufer aus Ballungsgebieten oft nicht, „Dumpingpreise“ zu bieten.

Und weil gerade in Scheidungsfällen irgendwann die Banken auf der Matte stehen, müssen viele Verkäufer wohl oder übel nachgeben. Denn nicht selten ist das Feld der Interessenten derart überschaubar, dass die Besitzer der Immobilien froh sein können, wenn sich überhaupt jemand für ihr Objekt interessiert.

Der Energiepass wird den Preisdruck erhöhen

Zum Positiven dürfte sich wenig verändern, gibt sich der Makler überzeugt und verweist auf neue Belastungen für ältere Immobilien hin. So werde die Einführung des Energiepasses zu „einem weiteren Preisdruck“ führen, prognostiziert er. Denn der größte Teil der Häuser auf dem Land weise einen enormen energetischen Sanierungsbedarf auf. Die Konsequenz: Potentielle Käufer werden die veranschlagten Kosten für Dämmung und andere Maßnahmen künftig mit einkalkulieren, weshalb der Verkäufer mit noch weniger Erlös rechnen kann.

Auch Muschwitz rechnet mit einer weiteren Verschärfung der Situation. Dafür sprächen nahezu alle Rahmenbedingungen und Trends. Nicht nur, dass die Gesellschaft altert und deshalb viele Immobilien frei werden, auch die Tendenz zu mehr Singlehaushalten und kürzeren Beziehungslaufzeiten - hohe Scheidungsraten - sowie der Fakt, dass Arbeitsverträge eine immer kürzere Laufzeit haben und Jobperspektiven immer unsicherer werden, sorgten dafür, dass die Nachfrage nach Immobilien im ländlichen Raum immer weiter abnehmen wird.

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