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Ortsmarke (2): Typ Erfurt : Ein Typ, der Schule macht

  • -Aktualisiert am

Bild: Andreas Weishaupt

Berliner Zimmer, Frankfurter Küche, Hamburger Knochen, Typ Erfurt - schon mal gehört? Aber keine Ahnung was das ist? In der Serie „Ortsmarke“ stellen wir diese regionalen Besonderheiten in loser Folge vor.

          1 Min.

          „Typ Erfurt“ ist das Schulgebäude der DDR. Anders als die monotone Riegelform von Schultypen wie „Dresden“, „Halle“ und „Leipzig“ entwickelten die Planer des Baukombinats Erfurt 1966 einen dreiflügeligen, lichtdurchfluteten Plattenbautypus. Er wurde der gängigste Schulbau des Landes.

          Und wie so oft im Osten hat sich auch hier ein Arbeitsbegriff aus der Industrieproduktion erhalten. Viele geburtenstarke Jahrgänge haben in diesem Typenbau gelernt, den Namen kennt jeder. Sieben mal sieben Meter messen die Klassenräume, die im viergeschossigen Haupthaus liegen. Ihm gegenüber liegt ein dreistöckiger Gebäudewürfel mit Fachräumen, dazwischen gibt es einen Verbindungstrakt mit ebenfalls drei Etagen, die auch als Pausenräume genutzt werden.

          Saniert und nicht mehr grau

          Mittlerweile sind die meisten Erfurt-Schulen saniert worden, statt in Grau präsentieren sie sich nun mit hellblauen, ocker- oder senffarbenen Außenverkleidungen. An die 500 Exemplare der verschiedenen Baureihen von 1966, 1969 und 1975 finden sich zwischen Neubrandenburg im Norden und Suhl in Thüringen.

          Gebt mir ein H: Schulhaus „Typ Erfurt”

          Dieser Bildungsbau ist ein typisches Produkt der sechziger Jahre. Seither wurden in Ost und West Schulen gebaut, die H-förmig angelegt waren und dadurch vor allem eines im Überfluss boten: Fenster. Mehr Licht zum Lernen war die Devise. Den Schülern kam das jedoch nicht immer zugute, wie sich heute noch viele erinnern. Im Sommer heizten sich zum Beispiel die nach Süden gerichteten Klassenräume des Erfurt-Typenbaus derart auf, dass ein Unterricht kaum möglich war, und in den anderen Jahreszeiten sorgten die schlecht isolierten Fenster für ein rasches Auskühlen.

          Aus für Typ Halle, Dresden und Leipzig

          Heute soll das eine moderne Gebäudetechnik in den sanierten Bauten ausgleichen. Beliebter als andere DDR-Bautypen sind die Erfurt-Schulen allemal, weil sie nicht so monoton sind wie zum Beispiel die langen Gebäuderiegel der Marke „Gangtyp“. Also: Erfurt bleibt. Die Typologien Dresden, Halle oder Leipzig aber verschwinden.

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