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Naturstein : Mit jedem Jahr edler

  • -Aktualisiert am

Kein Fall für Dampfreiniger: Natursteine werden durch falsche Behandlung rauh und matt. Bild: www.jonastone.de

Natursteine zieren nicht nur Gärten. Auch in Innenräumen setzt der Werkstoff individuelle Akzente. Gebrauchsspuren machen ihn erst richtig interessant. Als Klassiker gilt Granit. Im Trend indes liegt Kalkstein.

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          Er hat wohlklingende Namen wie „Nero Michelangelo“, „Napoleon Bordeaux“ oder „Parana Rosato“. Allergiker haben mit ihm keinerlei Probleme, er ist meist stark abriebfest und nicht brennbar: Der Einsatz von Naturstein in Wohnräumen hat viele praktische Vorteile, zudem aber auch ästhetische. Denn mittlerweile können Steinmetze dank moderner Technik beinahe jeden Wunsch, was Farbe und Struktur der Steine oder deren Ausarbeitung und Gestaltung betrifft, erfüllen.

          Damit trifft der Einsatz von Naturstein in Haus und Garten nach Meinung des Bundesinnungsverbandes des Deutschen Steinmetz-, Stein- und Holzbildhauerhandwerks perfekt den dem „Menschen innewohnenden Wunsch, etwas zu besitzen oder zu nutzen, was sonst niemand hat“: Dieses Gefühl der Einzigartigkeit könne beim Innenausbau von Bauwerken nicht „mit millionenfach reproduzierbaren Fliesen vermittelt werden, sondern einzig und allein durch die Verwendung von Original-Naturstein, der im Steinbruch gebrochen und dann meisterhaft verarbeitet wird“, wirbt der Verband für das Material, das so alt ist wie die Welt.

          Klassiker Granit

          Ein weiterer Vorteil: Natursteine sind vergleichsweise leicht zu reinigen oder zu pflegen. Zwar gibt es durchaus Steine, die empfindlich sind wie Holz. Dementsprechend müssen verschüttete Flüssigkeiten rasch entfernt werden. Doch generell gilt der Grundsatz: „Kann man mit einem Messer das Gestein ankratzen, sollte er gepflegt werden, kann man es nicht, braucht er nur gereinigt zu werden“, sagt Herbert Fahrenkrog, Berater bei der Magna Naturstein GmbH.

          Viele Natursteine wie Kalkstein zeigen nach einiger Zeit
Gebrauchsspuren. Das mache sie interessant, sagen die Fans.

          Einer der verbauten Klassiker in Deutschland ist Granit. Der Stein entsteht, wenn die magmatische Gesteinsschmelze in Tiefen von mehr als fünf Kilometer langsam erstarrt. Das Farbspektrum reicht von hellem Grau bis bläulich, rot und gelblich: Nur schwarz kann er nicht sein - dann sind es sogenannte Basalte oder Gabbros, aber keine Granite. Granit wird klassischerweise vor allem als Pflaster- und Bordstein, seltener auch als Grabstein genutzt. Doch in den vergangenen zwanzig Jahren wurde der Stein durch die Herstellung künstlicher Diamanten, die die Bearbeitung preiswerter machte, erschwinglich und fand somit immer öfter auch den Weg zum Beispiel in deutsche Küchen. „Granit ist vergleichsweise robust“, nennt Willy Hafner, Chefredakteur der Fachzeitschrift „Stein“, einen Vorteil des Materials etwa für Küchen. „Gerade polierte Oberflächen sind bei Arbeitsplatten gut zu reinigen.“

          Allerdings findet er persönlich den Stein zu glatt - und Gebrauchsspuren in der Küche eigentlich charmant: „Wenn in Italien eine schöne Marmorplatte einen Rotwein- oder Olivenölfleck hat, heißt das Ambiente. Nördlich der Alpen ist es eine Schande.“ Granit in der Küche findet der gelernte Steinmetz daher inzwischen ein bisschen langweilig.

          Kalkstein liegt im Trend

          Im Trend liegen unterdessen auch Kalksteine aus Deutschland, Frankreich oder der Türkei. Der Stein ist leicht zu schleifen und äußerst variabel; das betrifft sowohl seine Entstehung als auch seine Eigenschaften und das Aussehen. Allerdings ist er vergleichsweise empfindlich - zumindest für deutsche Gemüter. Auf die Frage, welche Kalkstein-Oberfläche denn die beste im Innenbereich ist, gibt Herbert Fahrenkrog dementsprechend eine Antwort mit Interpretationsspielraum: „Eine, mit der der Kunde leben kann.“ Denn generell gilt: Jede Kalkstein-Oberfläche zeigt im Gebrauch früher oder später Nutzungsspuren. „Hier ist in der Beratung aber weder Schönfärberei noch Schwarzmalerei erforderlich“, fordert Fahrenkrog. „Kalkstein gewinnt erst im Alter - wie ein guter Wein.“

          Sogar im Bad kann Kalkstein somit zum Einsatz kommen - und tut es immer öfter. Denn in den vergangenen Jahren stieg das Bad der Deutschen von der Nasszelle der 1960er Jahre zum heimischen Wellness-Wohlfühlbereich „mit Flatscreen und Kühlschrank“ auf, wie es Willy Hafner ausdrückt. „Naturstein als Material wirkt edel und ist darüber hinaus sinnlich und poetisch“, schwärmt der Autor des Buchs „Leben mit Naturstein: Bäder“. Neben den ästhetischen Vorzügen erzeuge Naturstein außerdem eine angenehme Raumatmosphäre, und das Bad habe eine viel höhere Wertanmutung. Zudem sei Naturstein wesentlich hygienischer und ökologischer als andere Baustoffe, heißt es da. Allerdings ist nicht jeder Stein für den „Dauernassbereich“ geeignet: Wer den falschen Naturstein in der Dusche einsetzt, wird nicht lange Freude an ihm haben.

          Steine aus Europa

          Der Steinmetz-Verband wirbt überdies auch damit, dass der Werkstoff besonders im Vergleich zu Keramikfliesen energiesparend gewonnen wird und gut entsorgt werden kann. Ein Schatten fällt allerdings auf die Branche, und das hängt mit der Globalisierung zusammen: Immer wieder gibt es Berichte von Kinder- und Sklavenarbeit in den Steinbrüchen außerhalb Europas. „Deshalb sollten Verbraucher darauf achten, dass ihr Naturstein aus Europa stammt“, rät Fahrenkrog. „Preislich macht das in den meisten Fällen keinen Unterschied, und die Qualität ist in aller Regel ohnehin deutlich besser.“

          So bleibt Naturstein schön

          Sand und Schmutz

          Sand und grober Dreck unter Schuhen wirken wie grobes Schleifpapier und beschädigen den Naturstein. Schmutz, der draußen bleibt, stört innen also nicht. Sand unter Abdeckungen bei Baustellen ist schlimmer als gar keine Abdeckung. Daher sind zum Schutz luftdurchlässige Materialien wie Nadelfilz in der Umbau- und Einzugsphase sinnvoll. Generell vermeiden Schutzmatten Kratzer auf polierten Naturstein-Böden, zum Beispiel bei Bürostühlen. Stuhlbeine sollten mit Filzpolstern versehen werden.

          Reinigung oder Pflege? Grundsätzlich gilt: Unterschiedliche Gesteine und Oberflächen benötigen auch unterschiedliche Reinigung, deshalb am besten Rat beim Reinigungsfachmann einholen. Für die einfache Pflege empfiehlt sich spezielle Edelsteinseife für Naturstein. Dampfreiniger können die Oberfläche rauh und matt werden lassen. Kalksteine und Marmore sollten pflegend gereinigt werden: Die älteste Methode mit einer klassischen Steinseife fördert auch die (erwünschte) Patinierung. Granite und andere Hartgesteine benötigen keine Pflege. Hier reichen sogenannte Alkoholreiniger oder andere rückstandfreie Mittel. Spülmittel sind grundsätzlich nicht für Naturstein geeignet. Alle Reinigungsmittel sind im Übrigen Kaltwasserprodukte: Warmes Wasser lässt die Inhaltsstoffe der Mittel verdampfen.

          Feuchtigkeit und Flecken

          Nässe zieht Schmutz an und kann Rückstände hinterlassen. Im Außenbereich fördert Feuchtigkeit die Bildung von Moosen und Algen. Die im Bad üblicherweise benutzten sauren oder hochalkalischen Reinigungsmittel können die Oberfläche angreifen. Auch Imprägniermittel schützen nicht hundertprozentig vor „Säurefraß“ bei Marmor oder Kalkstein. Säurehaltige Flüssigkeiten wie Wein oder Essig oder hautneutrale Produkte können zu rauhen Oberflächen führen. Aber auch hochalkalische Produkte sind in der Lage, Granite anzugreifen. Im Zweifelsfall den Hersteller fragen, ob sein Mittel für den jeweiligen Stein freigegeben worden ist. (wim.)

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