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Nachhaltiges Bauen : Die Macht der Zertifizierung

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Er soll sogar ein Zertifikat in Gold bekommen: In Frankfurt entsteht gerade der Tower 185 (vorne auf dieser Computersimulation) Bild: CHM Christoph Mäckler Architekten

Vor wenigen Wochen ist das Gütesiegel der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen auf den Markt gekommen. Nun muss es seine Qualität auch international beweisen.

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          Die Immobilienwirtschaft befindet sich im Umbruch. Nachdem in den vergangenen Jahren die negativen Folgen der ungezügelten Bauaktivitäten auf der Welt weitgehend ausgeblendet wurden, wächst inzwischen die Bereitschaft, sich mit der Nachhaltigkeit von Gebäuden und der Umweltverträglichkeit des Bauens auseinanderzusetzen.

          Zum einen hängt das mit der zunehmenden Sensibilisierung für den Erhalt unseres Lebensraums zusammen, zum anderen aber auch mit dem schwierigeren Marktumfeld. Da der Wettbewerb um Investoren und Mieter wieder härter geworden ist, rücken die Höhe der Betriebskosten und die Frage nach der Werthaltigkeit eines Gebäudes wieder stärker in den Blickpunkt.

          Dieser Bewusstseinswandel wird auf der Mipim, einer der größten Immobilienmessen der Welt, die vom 10. bis 13. März in Cannes stattfindet, eines der zentralen Themen sein. Schließlich zählen die Forderungen nach einem sorgfältigeren Umgang mit Ressourcen, einer Verringerung des Kohlendioxidausstoßes von Gebäuden und der Schaffung lebenswerter und die Gesundheit fördernder Immobilien zu den anstehenden Aufgaben, die nur zusammen mit der Immobilienwirtschaft zu lösen sind.

          Zeitenwende

          Auch in Deutschland steht man am Beginn einer Zeitenwende. Während Immobilieneigentümer, Investoren und Projektentwickler im vergangenen Jahr noch recht lustlos über „energieeffiziente Gebäude“ diskutierten und vor allem die nicht auf den Mieter abzuwälzenden Kosten fürchteten, hat sich das Bild inzwischen in vielen Unternehmen gewandelt. Schließlich haben die Märkte in Amerika und Australien gezeigt, dass sich mit Nachhaltigkeit durchaus Geld verdienen lässt. Nun gilt es, Versäumtes nachzuholen. Gerade für die deutsche Bau- und Immobilienwirtschaft bietet dieser Markt ein gutes Betätigungsfeld, da die Bauqualität hierzulande hoch und damit beispielhaft für viele andere Länder ist.

          Der Zertifizierung von Gebäuden kommt dabei nach Ansicht von Fachleuten eine Schlüsselrolle zu. Zahlreiche Marktteilnehmer gehen davon aus, dass schon in naher Zukunft die Nachfrage nach energieeffizienten Gebäuden steigen wird und nichtzertifizierte Gebäude mit einem Abschlag gehandelt werden. Das Anfang des Jahres eingeführte Gütesiegel der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) könnte vor diesem Hintergrund nicht nur den deutschen Markt verändern, sondern auch zum Exportschlager werden.

          Zum Nutzen der Umwelt

          Davon würden nach Ansicht von Werner Sobek, Präsident der DGNB und Professor an der Universität Stuttgart, die gesamte Immobilienwirtschaft und zugleich die Umwelt profitieren. Jetzt kommt es nur darauf an, das Gütesiegel möglichst international zu positionieren und seine Qualitäten entsprechend zu vermarkten. Schließlich sind schon andere Zertifikate wie zum Beispiel der amerikanische LEED-Standard auf dem Markt.

          „In Deutschland wurde das Thema vergleichsweise spät aufgegriffen. Dadurch konnten wir aber auch aus den Fehlern der anderen Zertifizierungssysteme lernen“, schildert Sobek die Entwicklung des Gütesiegels. Es ist auf Initiative von Fachleuten der Bau- und Immobilienbranche in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bauen und Stadtentwicklung entstanden und basiert auf einem modularen System mit derzeit 51 Kriterien. „Der Vorteil ist, dass die Kriterien relativ zueinander mit einer auf den jeweiligen Bauwerks- und Nutzungstyp sowie die Region abgestimmten Bewertungsregel gewichtet werden.“ Dadurch sei das System auch in Ländern mit ganz anderen klimatischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten anwendbar, erläutert Sobek.

          Ein System der zweiten Generation

          „Uns geht es bei dem Zertifikat nicht um ein gutes Papier, sondern um gute Gebäude. Daher haben wir auch kein Punktesammelsystem, sondern ein auf wissenschaftlich abgesichertem Boden stehendes, von Praktikern mitgeprägtes Zertifizierungssystem der zweiten Generation geschaffen. Es deckt alle relevanten Felder des nachhaltigen Bauens ab und zeichnet herausragende Gebäude in den Kategorien Gold, Silber und Bronze aus“, sagt Sobek.

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