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Immobilienmesse Mipim : Viele Ideen, wenig Geld

  • -Aktualisiert am

Spielzeugwelt für die Großen: Auf der Mipim werden traditionell Immobilienträume verkauft Bild: AFP

Auf der Immobilienmesse Mipim in Cannes schlägt die Branche ungewohnt leise Töne an. Die Kreditklemme belastet das Geschäft - eine rasche Lösung ist nicht in Sicht.

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          Ganz ohne Glanz geht es nicht an der Croisette. Und so hatte auch die diesjährige Immobilienmesse Mipim in Cannes wieder ihre Stars. Zwar fehlten in den Ausstellungsräumen im und um das Palais des Festivals et des Congrès in dieser Woche die vormals üblichen großen Modelle, mit denen neue Projekte um Aufmerksamkeit warben. Doch die Ideengeber für spektakuläre Bauten waren auch im Jahr der Krise an der Côte d'Azur unterwegs: Stararchitekten wie Zaha Hadid und Thom Mayne vom amerikanischen Büro Morphosis oder Wolf Prix von Coop Himmelb(l)au aus Wien lockten die Besucherscharen an.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mit ihrem Auftritt sorgten sie jedoch nicht nur für etwas Glamour im Messegetümmel - ihre demonstrative Ignoranz hinsichtlich der versiegten Geldströme verbreitete auf eigenwillige Weise auch so etwas wie Zuversicht. Eigentlich komme das allgemein gedrosselte Tempo seiner Arbeitsweise entgegen, meinte etwa der Amerikaner Mayne. Er könne ohnehin höchstens an fünf bis sechs Projekten gleichzeitig arbeiten. Mit der Art und Weise, wie die drei Architekten über ihre Arbeit sprachen, machten sie vor allem deutlich, dass sie etwas besitzen, was vielen anderen Vertretern der Immobilienwirtschaft in diesen Tagen fehlt: jede Menge Ideen und Selbstbewusstsein.

          Ratlosigkeit allerorten

          Abseits solcher Auftritte prägte Verunsicherung das Bild der diesjährigen Mipim. „Viele wissen nicht, was sie machen sollen“, stellte etwa Andreas Schulten von Bulwien Gesa fest. Auch Klaus Franken von Catella machte bei zahlreichen Unternehmen und Fondsanbietern eine gewisse Ratlosigkeit aus. Jene, die in den zurückliegenden Jahren Immobilien zu teuer gekauft hätten, scheuten die Auseinandersetzung mit ihren Beständen. Wer sich wiederum heranwage, müsse nach einer Wertberichtigung mit Preisabschlägen von bis zu 40 Prozent rechnen, meinte Wulff Aengevelt vom gleichnamigen Maklerhaus.

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          „Wir sind momentan von den Tagesnachrichten getrieben. Das ist keine Basis für eine langfristige Investmentstrategie“, sagte Peter Hayes, Analysechef von Pramerica Real Estate Investors, stellvertretend für viele potentielle Immobilieninvestoren. Die Optimisten hoffen, dass das Schlimmste bis 2010 überstanden ist. Kritische Zeitgenossen wie Joe Valente von Allianz Real Estate sprachen dagegen in Cannes von einem „Fünf-bis-zehn-Jahre-Szenario“, da die Auswirkungen der allgemeinen Wirtschaftskrise noch gar nicht richtig abzusehen seien.

          London und Paris im Fokus

          Ihre Aufmerksamkeit richteten Makler wie auch Investoren in diesem Jahr vor allem auf die Gewerbeimmobilienmärkte in London und Paris. „Hier gibt es vereinzelt Chancen innerhalb eines sehr kurzen Zeitfensters wie schon lange nicht mehr“, lautete die Einschätzung.

          Deutschland wurde als vergleichsweise solider Markt wahrgenommen und vor allem von ausländischen Fachleuten dafür gelobt, dass es zu keinen größeren Übertreibungen kam. Dagegen spielten die osteuropäischen Märkte sowie Russland auf der Mipim so gut wie keine Rolle mehr. In den vergangenen Jahren hatten diese Länder noch stark dominiert - russische Unternehmen waren als laute und dominante Sponsoren der Veranstaltung aufgetreten.

          Leise Töne

          In diesem Jahr sind in Cannes die leisen Töne bevorzugt worden: kaum Yachten, keine großen Partys. Im Mittelpunkt standen ernsthafte Gespräche. „Das tut der Mipim richtig gut“, war allenthalben zu hören. Auch die hohe Qualität der Messeorganisation wurde gelobt, was nicht zuletzt daran lag, dass die Besucherzahl geschätzt ein Drittel niedriger lag als im Vorjahr.

          Nachdem in den zurückliegenden vier Jahren der strukturelle Wandel der Immobilienwelt ausgerufen worden war, in der das schnelle Kaufen und Weiterverkaufen im Zentrum stand, heißt nun das Motto: „Vorwärts in die Vergangenheit“. Gute Bestandsimmobilien mit geringem Risiko gelten als Favoriten, Einkaufszentren stehen in der Gunst weit oben, und auch Wohnimmobilien in Ballungszentren versprechen ein sicheres Geschäft.

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