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Immobilienmärkte : Prognosen machen keinen Spaß mehr

  • -Aktualisiert am

Die Projekte, die auf der Mipim vorgestellt wurden, sind bescheidener geworden: Modell eines ökologischen Holzhauses aus Rumänien Bild: Reuters

Projektentwickler, Immobilienmakler und Bauherren verkaufen Träume. Doch der Blick in die Zukunft deprimiert nun viele. Das zeigte sich auch auf der internationalen Immobilienmesse Mipim in Cannes.

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          Es ist ruhig geworden auf den Immobilienmärkten dieser Welt. Eine trügerische Ruhe, die von Unsicherheit geprägt ist. Denn diese Finanz- und Wirtschaftskrise ist in ihrem Ausmaß anders als alles, was selbst langjährige Kenner der Immobilienbranche bisher erlebt haben. Auch auf der Mipim in Cannes, einer der größten Immobilienmessen der Welt, war die Stimmung daher bedrückt.

          Viele Teilnehmer zeigten sich besorgt über die zukünftige Entwicklung auf den Immobilienmärkten, da vielen Investoren ohne Finanzierungen die Hände gebunden sind und die Mieter auf den Büromärkten derzeit zunehmend unentschlossen reagieren. „Die Auswirkungen der Krise reichen bis tief in das Gefüge unserer Volkswirtschaften hinein. Nutzer jedweder Art sind betroffen“, urteilte Nigel Roberts, der für Europa, den Mittleren Osten und Afrika zuständige Researchchef des Immobilienberaters Jones Lang LaSalle (JLL), auf einer Pressekonferenz.

          Liquidität und Vertrauen

          Viele Unternehmen hätten daher ihre Suche nach Büroflächen erst einmal zurückgestellt. Überall zeigt sich eine gewisse Hilflosigkeit. Die Finanzierungsklemme und die Vertrauenskrise innerhalb der Bankenlandschaft bleiben bestehen, obwohl die Zinsen so niedrig sind wie schon lange nicht mehr und die Staaten mit ihren Rettungspaketen viele Milliarden Euro in ihre Wirtschaft pumpen. Statt der allseits erhofften Erlösung wächst derzeit sogar die Angst vor einer galoppierenden Inflation.

          „Liquidität und Vertrauen sind zwei wichtige Voraussetzungen für ein effektives Funktionieren unserer Volkswirtschaften und Immobilienmärkte. In dieser Hinsicht liegt die unmittelbare Zukunft zu einem großen Teil in den Händen unserer Banken und hängt vom Erfolg der Unterstützungsmaßnahmen durch die Regierungen ab“, sagte Roberts.

          Zu den Grundlagen zurück

          Es gelte, einen klaren Blick für die Realität zu bewahren und offen für die Möglichkeiten zu sein, die ein Immobilienmarkt in Zeiten einer schweren Rezession bieten könne, hieß es in Cannes. Schließlich, und auch das wurde auf der Mipim intensiv diskutiert, hat die Rückkehr zu den Grundlagen der Immobilienwirtschaft etwas für sich. Fördert sie doch die Auseinandersetzung mit den wirklich zeitgemäßen Themen. Dazu gehören die Fragen nach der Qualität eines Gebäudes, seinen Lebenszykluskosten, der Umweltverträglichkeit des Bauens, dem Ressourcenverbrauch vor allem in den Ländern des Nahen Ostens und Asiens, der Verringerung des Kohlendioxidausstoßes von Gebäuden oder der Menschenwürdigkeit von Megastädten. Während des Kaufrauschs der vergangenen Jahre standen diese Aspekte vielfach im Hintergrund.

          Für kapitalkräftige Investoren bietet dieser radikal veränderte Markt nun ein gutes Betätigungsfeld. „Dieses Jahr werden Gelegenheiten auftauchen zu Preisen, wie es sie schon lange nicht mehr gegeben hat. Die großen Investmentmärkte in Westeuropa, wo sich die Preisberichtigung am schnellsten vollzieht, werden dabei am stärksten im Fokus der Investorengemeinde stehen“, prognostizierte Tom Horrell, Leiter Europäische Kapitalmärkte bei JLL.

          Neue Zeiten

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