https://www.faz.net/-gz7-12xe5

Immobilienkauf : Der Bauch entscheidet mit

  • -Aktualisiert am

Ein Immobilienkauf ist eine rationale Angelegenheit? Von wegen. Schilder von Immobilienmaklern in Nordengland Bild: Reuters

Kauf und Verkauf von Immobilien basieren zu drei Vierteln auf Fakten und zu einem Viertel auf Intuition. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher an der TU München. Erfahrene Marktakteure bestätigen die Beobachtung. Die Macht der Emotionen steuert sogar Profis.

          2 Min.

          Bauchgefühl spielt im Entscheidungsprozess von professionellen Immobilieninvestoren eine wesentliche Rolle. Das hat ein aufwendiges Forschungsvorhaben an der Technischen Universität München ergeben. Danach fließt bei der überwiegenden Mehrzahl (87 Prozent) das subjektive Gefühl in die Entscheidungsfindung mit ein. Die potentiellen Käufer sind sich dieser eher irrationalen Komponente durchaus bewusst.

          Nur bei knapp einem Fünftel geschieht die Einbeziehung des Bauchgefühls eigentlich ungewollt. Bemerkenswert ist jedoch vor allem der hohe Anteil, den Investoren im Rahmen ihrer Entscheidungsprozesse der Intuition zumessen. Trotz der hohen Summen, um die es bei Immobilientransaktionen geht, liegt er bei immerhin einem Viertel - den Rest machen dann tatsächlich objektivierbare Zahlen und Fakten aus.

          Umfrage der TU München

          Die Angaben basieren auf einer Umfrage, die vom Lehrstuhl für Bauprozessmanagement und Immobilienentwicklung an der Technischen Universität (TU) München durchgeführt wurde. Unter der Federführung von Lehrstuhlinhaber Josef Zimmermann und seinem Doktoranden Stefan Bogenberger soll auf dieser Basis ein Strategiemodell für Investitionsentscheidungen in der Immobilienwirtschaft entstehen. 100 Investoren mit einem Investitionsvolumen von rund 350 Milliarden Euro beantworteten ihren Fragebogen. Von den Ergebnissen zur Bedeutung des Bauchgefühls zeigt sich Bogenberger wenig überrascht: „Der Immobilienmarkt ist nicht so transparent wie beispielsweise das Wertpapiergeschäft - Intuition ist eine Kompensation für fehlende Markttransparenz.“

          Von erfahrenen Akteuren auf dem Immobilienmarkt wird die Bedeutung der subjektiven Wahrnehmung durchaus anerkannt. „Wenn ich mich bei einem Projekt nicht wohl fühle, mache ich es auch nicht, selbst wenn von den Zahlen her alles dafür spricht“, sagt Heinz-Günter Lang vom Frankfurter Projektentwickler Lang & Cie. Für ihn ist das Bauchgefühl eine andere Umschreibung für Berufserfahrung. Auch für Christoph Kahl, Firmengründer und geschäftsführender Gesellschafter der Immobilienfondsgesellschaft Jamestown, gehören Fakten und Bauchgefühl bei einer Investitionsentscheidung zusammen. „Dass man sich nicht nur auf Zahlenmodelle verlassen kann, zeigt gerade die Finanzkrise.“

          Sogar Profis sind betroffen

          Björn Dahler von dem auf Luxuswohnimmobilien spezialisierten Hamburger Maklerhaus Dahler & Company erfreut der durch die Untersuchung erbrachte Nachweis, dass auch professionelle Investoren von Emotionen geleitet werden. Bislang sei dies eher Privatleuten beim Kauf von Wohnimmobilien zugeordnet worden. „Intuition kommt ja auch nicht aus dem Nichts, sondern entsteht durch Information“, sagt Dahler. Er könne sich gut vorstellen, dass institutionelle Investoren eine Entscheidung aus dem Bauch heraus treffen und ihre Entscheidung erst danach durch ein umfangreiches Zahlenwerk untermauern lassen.

          Nach der Beobachtung von Bogenberger, der als Immobilieneinkäufer bei dem Münchener Fondsinitiator Real I.S. auch eine berufliche Nähe zum Forschungsgegenstand vorweisen kann, kommt das Bauchgefühl vor allem am Beginn eines Entscheidungsprozesses zum Tragen - wenn es nämlich darum geht, aus einer Vielzahl angebotener Projekte diejenigen herauszufiltern, die einen näheren Blick wert sind. Im weiteren Prozess könnte dann der erste Eindruck mit Fakten untermauert werden.

          Die subjektive Einschätzung spiele dann allerdings noch einmal vor dem endgültigen Abschluss eine Rolle - aber längst nicht mehr eine so große wie zu Beginn. 77 Prozent der im Rahmen des Forschungsvorhabens Befragten gaben an, dass ihr Bauchgefühl vor allem auf einem umfassenden Erfahrungsschatz basiert. Und 80 Prozent zeigten sich schließlich davon überzeugt, dass ihre intuitiven Entscheidungen im Rückblick auch nach objektiven Maßstäben richtig waren.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Freie Fahrt? Auf Deutschlands Autobahnen wartet die „größte Verwaltungsreform seit Jahrzehnten“.

          Autobahnen : Besser als Google Maps

          Bald übernimmt der Bund Planung, Bau und Betrieb der Autobahnen. Anfang 2020 beginnt ein erster Härtetest: Eine Verwaltung, die sich Jahrzehnte eingespielt hat, wird durcheinandergewirbelt. Wird alles klappen?
          Die Dividenden ersetzen die Zinsen nicht.

          Die Vermögensfrage : Die Dividende ist nicht der neue Zins

          In Zeiten abgeschaffter Zinsen werden neue Anlagemöglichkeiten gesucht und gefunden: die Dividende. Ein guter Tausch? Dividendentitel können ein attraktiver Bestandteil der eigenen Aktienanlagestrategie sein, den Zins aber ersetzen sie nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.