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Hotels : „Ein Drehbuch für jedes Haus“

Motel One in Berlin: Die Deutschen schauen bei der Wahl ihres Hotelzimmers angeblich besonders auf den Preis Bild: AP

Für die Investoren sollen Hotels heute mehr bieten als ein Bett und ein Bad. Allerdings hat es Luxus in Deutschland immer noch schwer. Viele Investoren setzen lieber auf moderne Großstadthotels.

          5 Min.

          Für Kai Hollmann sind Hotels wie Geschichten: Je genauer man alle Facetten kennt und weiß, für wen man sie erzählt, umso besser sind sie. Wenn der Hamburger Hotelier eine neue Herberge eröffnen will, unternimmt er deshalb ausgedehnte Streifzüge durch imaginäre Räume. Er denkt sich hinein in sein noch ungebautes Hotel - vom Ein- bis zum Auschecken. Das macht er, bis er weiß, wie das neue Haus sein muss, damit es den Bedürfnissen der Gäste entspricht.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So jedenfalls erzählt Hollmann von seinem jüngsten Projekt „The George“. „Ich habe mir vorgestellt, ich sei als Geschäftsmann Gast in diesem Haus“, sagt der 51 Jahre alte Unternehmer. Von der Tiefgarage über den Empfang, die Bar bis zu den Zimmern sei er gelaufen, habe sich ausgemalt, wie er den Koffer abstelle, das Handy auflade und eine kurze Ruhezeit auf dem Zimmer verbringe. Später habe er dann den inneren Streifzug noch einmal unternommen, in der Rolle des Privatmanns, der mit Frau und Kind anreist.

          Ein 4-Sterne-Hotel in Hamburg-St. Georg

          „The George“ wird im November im Hamburger Stadtteil St. Georg eröffnet. Das 4-Sterne-Haus mit 250 Betten ist ein Neubau, der sich sehr britisch geben soll. Damit alles eine persönliche Note erhält und Flair entfaltet, stiftet Hollmann einzelne Möbel aus seinem privaten Fundus, die die Einrichtung ergänzen werden.

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          Rund 21 Millionen Euro hat er sich das neue Hotel kosten lassen. Jährlich rechnet er mit 40.000 Gästen, die bei Übernachtungspreisen von 145 Euro aufwärts für einen Umsatz um die 6,5 Millionen Euro sorgen sollen. Die Renditeerwartung liegt bei mindestens 7,5 Prozent. „Aber ich träume von 12,5“, gesteht der Hotelier. Mit einem First-Class-Haus individueller Prägung liefert er, was am Markt derzeit angesagt ist, zumindest wenn man nach den Rahmenbedingungen urteilt. Von insgesamt 449 neuen Hotelprojekten, die die Unternehmensberatung Treugast diesen Sommer in Deutschland zählte, entfällt allein die Hälfte auf das 4-Sterne-Segment. Und wer als Privater gegen die mächtigen Konzerne bestehen will, muss mit einem Hotel antreten, das Profil besitzt - und Glück haben, dass es das richtige ist.

          88 Prozent aller Hotel in privater Hand

          „Nur Bett und Bad reichen heute nicht mehr“, stellt Stefanie Heckel vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) fest. Das allerdings hätten hierzulande viele private Hotelbetreiber noch nicht begriffen, klagt die Verbandssprecherin. Die Einzelkämpfer dominieren den Markt: 88 Prozent aller Herbergen sind in privater Hand. Doch die Konkurrenz der Kettenhotellerie setzt ihnen zu.

          Die Gruppen gewinnen zunehmend an Boden und eröffnen Hotels in Serie - in Deutschland vor allem im unteren Preissegment, der sogenannten Budget-Hotellerie. In den zurückliegenden beiden Jahren sind Rekordsummen an Kapital ausländischer Investoren in die Hotelmärkte rund um den Erdball geflossen und auch nach Deutschland. 2007 waren es weltweit fast 14 Milliarden Dollar. Mit reichlich Geld versorgt, sind die Ketten gewachsen. Den privaten Betreibern fehlt dagegen oftmals das Kapital für eine Rundumerneuerung ihres in die Jahre gekommenen Hauses.

          Hotelketten sind anderswo bedeutender

          „Im Vergleich zum Ausland hinkt Deutschland aber noch hinterher“, stellt Dirk Feid von der Treugast-Geschäftsführung mit Blick auf die Macht der Ketten fest. Die Unternehmensberatung ist auf die Interpretation des Marktgeschehens spezialisiert - und schreibt mit ihren Empfehlungen zugleich selbst an der Hotelstory mit. In den Vereinigten Staaten dominierten die Ketten mit einem Anteil von 70 Prozent, berichtet Feid. Bei Investoren weckt das Phantasien.

          So auch bei Hanno Weiß von der Lloyd Fonds AG. Wie Hollmann begeistert auch er sich für Hotelgeschichten. Anders als dieser durchstreift der Experte für Immobilienanlagen aber keine imaginären Räume. Und extra Investitionen wie besonders dicken Teppichen in 5-Sterne-Qualität oder feinen Hotelrestaurants steht er skeptisch bis ablehnend gegenüber. Zumindest beruflich. Weiß favorisiert unaufwendigere Hotelversionen. Am liebsten solche, die sich in hoher Auflage bewährt haben, kostengünstig sind und eine solide Rendite von 6 Prozent über 15 Jahre hinweg versprechen: Ketten wie Motel One.

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