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Häuslebauer : Handgestrickte Verträge

  • -Aktualisiert am

Bild: Andreas Weishaupt

80 Prozent aller privaten Bauvorhaben enden mit Streit. Schützen können sich Bauherren vor solchen Szenarien am besten durch gute Planung. Denn Rechtsschutz gibt es nicht.

          Selten sind sich Versicherungswirtschaft und Verbraucherschützer so einig wie beim Thema Streit am Bau. „Ein riesiges Problemfeld“, stöhnt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. „Schwierig für Bauherren“, räumt auch Christian Lübke vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ein.

          Die Liste der möglichen Streitpunkte ist lang: Verzögerungen in der Fertigstellung, unvorhersehbare Ereignisse, (vermeintlicher) Pfusch, Finanzierungslücken und dergleichen mehr. Kaum eine andere Lebenssituation birgt so viel Konfliktstoff wie das Hochziehen eines Hauses. Trotzdem – oder gerade deswegen ist es für private Bauherren praktisch nicht möglich, für die Wahrung der eigenen Interessen Rechtsschutz zu bekommen.

          Nur sehr alte Policen, die vor 1975 abgeschlossen wurden, beinhalten ihn mitunter noch, erläutert Rudnik. Je später allerdings der Vertrag abgeschlossen wurde, umso umfassender ist der Ausschluss. Selbst Vertragskonflikte fallen darunter, nämlich dann wenn das Bauen ursächlich für den Streit ist. Häuslebauer genießen also auch keinen Schutz, wenn es Streit um andere Versicherungsleistungen am Bau gibt: beispielsweise mit der Bauherren-Haftpflicht oder Feuer-Rohbau-Versicherung, weil diese Ansprüche nicht anerkennen wollen. Das ist keineswegs selten der Fall. Das größte Problem aber besteht darin, dass sich viele Rechtsschutzversicherte überhaupt nicht mit den Feinheiten ihrer Police beschäftigen. Sie gehen einfach von einer Deckung aus – und lassen sich so vorschnell auf kostenintensive Auseinandersetzungen ein.

          Sechsstellige Streitwerte sind die Regel

          Kenner der Materie schätzen, dass rund 80 Prozent aller Bauvorhaben im Streit enden. Exakte Zahlen gibt es nicht. Fest steht jedoch, dass Gewährleistungsfragen, Finanzierungslücken wegen Verzögerungen oder Insolvenzen von Bauunternehmen und komplizierte Kapitalanlagekonstrukte die negative Hitliste anführen.

          Doch worum es sich auch immer dreht, es geht richtig zur Sache, und nicht selten wird die Schuldfrage zwischen den beteiligten Baufirmen, Bauträgern und/oder Architekten hin und her geschoben. „Zoff ums Eigenheim“, hebt Karl Peter Roth, Bereichsleiter Sonderschaden bei der HUK Coburg, hervor, „ist fast immer langwierig und immer teuer.“ Feuchtigkeitsschäden beispielsweise werden schnell so elementar, dass das ganze Haus wieder abgerissen werden muss. Sechsstellige Streitwerte sind die Regel.

          Das bedeutet: Wären diese Prozesse in der klassischen Rechtsschutzpolice enthalten, würden die Beiträge unbezahlbar, sagt Roth. Ein solcher Einschluss wäre zudem auch nicht gerecht, weil nur ein wenige Versicherte bauen, nennt der Versicherungsfachmann ein Argument gegen einen Versicherungsschutz dieser Art. Eine spezielle Bau-Rechtsschutzversicherung anzubieten ist aber ebenfalls nicht finanzierbar. Weil vorhersehbar ist, wann ein solcher Versicherungsfall eintreten kann, würden Betroffene sich erst kurz vor Baubeginn absichern und damit die eigene finanzielle Belastung gering und das Risiko für den Versicherer hoch halten.

          Durch Mediation in wenigen Tagen geregelt

          Dennoch gibt es inzwischen Versicherer, die sich offensiv mit der Frage auseinandersetzen, ob ein solch umfassender Ausschluss nötig ist, wie GDV-Mann Lüebke erläutert. Zudem werde an neuen Konzepten gefeilt, mit denen sie Kunden mit Bauambitionen zumindest ein Stückchen entgegenkommen können. Möglich wäre zum Beispiel, dass Bauherren bei Konflikten zumindest kostenlose Beratung oder Mediation in Anspruch nehmen könnten.

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