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Fertighaus : Ein Fall für den Architekten

Falunrote Fassade, weiße Rahmen und Giebel: Schwedenhaus im Bullerbü-Stil Bild: Eksjöhus

Bei „Schwedenhaus“ denken die meisten Deutschen an rote Holzhäuser. In Skandinavien selbst liegt dagegen zeitgenössisches Design im Trend - vorgefertigt und in Serie.

          Jan Dahlgrün hat eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was herauskommt, wenn deutsche Hersteller ein Haus im schwedischen Stil bauen: eine bunte Holzbude, die mit dem klassischen Schwedenhaus nur wenig gemein hat. „Da stimmen weder die Proportionen, noch stimmt die Farbe“, urteilt er. Der gebürtige Hannoveraner, selbst Architekt, betreut das Exportgeschäft von Trivselhus - einem schwedischer Fertighausanbieter, der seit mehr als 15 Jahren auch auf dem hiesigen Markt vertreten ist.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Unternehmen zählt nach Angaben des TMF Branchenverbands der holzverarbeitenden Industrie zu den fünf großen schwedischen Fertighausherstellern. Während die deutsche Konkurrenz von der Wirtschafts- und Finanzkrise generell durchaus profitierte, habe sich die Hausproduktion des schwedischen Anbieters nach 2007 fast halbiert, berichtet Dahlgrün. Auch der Absatz in Deutschland ist drastisch gesunken. Das liegt wohl auch daran, dass mit dem Wegfall der Eigenheimzulage vor allem jene Käuferschichten weggebrochen sind, die die Zielgruppe für die sogenannten Ausbauhäuser waren.

          Wohlfühlhäuser aus Småland

          Trivselhus, was so viel wie Wohlfühlhaus heißt, hat seinen Sitz in Småland. Diese Region ist nicht nur in Deutschland durch die bekannten Kinderbücher von Astrid Lindgren für viele zum Synonym für Schweden geworden. Sie gilt als Hochburg des traditionellen Schwedenhausbaus, den man in südlicheren Gefilden oftmals für den skandinavischen Baustil schlechthin hält.

          In Schweden selbst hat sich in den vergangenen Jahren ein zeitgemäßer Stil entwickelt.

          Wenn Dahlgrün von „typisch schwedisch“ spricht, dann meint er: ein Haus mit Sprossenfenstern, häufig mit Erker, vor allem aber mit einer Fassade aus Holzpaneelen, gestrichen in Gutsherrenhaus-Gelb, meist aber in Rot. Genauer in Falunrot. Dieser dunkle Rotton dominiert seit dem 18. Jahrhundert die Häuserwände im ganzen Königreich. Weiße Fensterrahmen, Dachgiebel und Türpfosten sorgen für einen hübschen Kontrast. Solch ein Haus hätten die deutschen Trivselhus-Kunden vor Augen, auch wenn sie dann eine etwas mehr an den heimischen Geschmack angepasste Variante wählten.

          „Mit unserem modernen Hausprogramm dagegen können wir in Deutschland bisher keine Kunden gewinnen; dieses Segment deckt die einheimische Branche ab“, gesteht Dahlgrün. Das bestätigt auch Holger Behr von der Firma Woodskin, einem der Vertriebspartner von Eksjöhus hierzulande. „Wer bei uns kauft, der will ein Bullerbü-Haus“, sagt er. Schon seit fast 50 Jahren liefert der ebenfalls in Småland ansässige Fertighausbauer seine Häuser in Holzrahmenbauweise nach Deutschland, vor allem in den Norden. Zunehmend verzeichne er aber auch ein wachsendes Interesse in den südlichen Bundesländern, berichtet Vertriebspartner Behr.

          „Kubisch, modern“

          In Schweden wie auch in den anderen skandinavischen Ländern sind die altmodischen romantischen Holzhäuser dagegen aus der Mode geraten. „Kubistisch, modern, das ist gefragt“, beschreibt Dahlgrün die Kundenwünsche in Schweden, Norwegen und Dänemark. Kein Wunder, dass sich Anbieter wie Trivselhus und Eksjöhus auf dem skandinavischen Markt mit ganz anderen Hausmodellen als in Deutschland zu profilieren suchen. Der Baustoff Holz ist in Zeiten des umweltverträglichen Bauens allerdings nach wie vor hoch im Kurs - und in Skandinavien überdies reichlich vorhanden. Die klassische Holzpaneelen-Fassade gibt es denn auch in einer zeitgenössischen Variante, zum Beispiel horizontal statt vertikal angebracht, und mit einem schwarzen oder anthrazitgrauen Anstrich versehen.

          Seit etwa zehn Jahren verzeichnen die Fertighausunternehmen eine sich verändernde Nachfrage. „Im Holzfertigbau ist etwas anderes möglich als das, was wir in der Vergangenheit gemacht haben“, sagt Bo Arnström von Arkitekthus. Das Unternehmen aus Stockholm ist im Fertighaussegment nicht nur ein Neuling, sondern auch ein Nischenanbieter. Seit 2005 am Markt, hat Arkitekthus, der Name spricht für sich, ausschließlich Holzfertighäuser im Programm, die namhafte schwedische Architekten wie Thomas Sandell, Tham & Videgård Arkitekter, Gert Wingårdh und das Trio Claesson Koivisto Rune entworfen haben.

          Das Haus als Kunstwerk

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