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Energiepolitik : Wohnungen zu Kraftwerken

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Häuser sollen mehr Energie erzeugen als verbrauchen: Solarthermische Anlagen auf dem Dach lassen sich immerhin mit einer Öl-Brennwertheizung kombinieren Bild: obs

Neubauten sollen künftig zu kleinen Kraftwerken. Dazu haben die Umweltminister von Bund und Ländern ein Konzept beschlossen. Doch die Wohnungswirtschaft lehnt diese Pläne ab. Das Ziel ließe sich erreichen, aber die Kosten seien viel zu hoch.

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          Die Umweltminister von Bund und Ländern haben einem Konzept der Landesregierung von Rheinland-Pfalz zugestimmt, nach dem Wohnungen zu Kraftwerken werden sollen. In einer Pressemitteilung der Landesregierung in Mainz heißt es: „Ein solcher ,Energie-Gewinn-Standard' im Neubau würde es von 2020 an ermöglichen, 40 Prozent des gesamten deutschen Endenergieverbrauchs - der bisher vor allem auf fossilen Energieträgern beruht - durch Energieeinsparung sowie die Nutzung erneuerbarer Energien zu ersetzen.“

          Die von der Bundesregierung geplante Verbesserung der Gebäudeenergiestandards bis 2020 sei der hierfür notwendige Schritt. Eine frühzeitige Festlegung der Energieeinsparverordnung oder zumindest eine Absichtserklärung zu den vorgeschlagenen Energiestandards, so die Begründung der Initiative aus Rheinland-Pfalz, wäre für die Akteure am Bau behilflich und zum Vorteil für Bauherren und Mieter.

          Kritik aus der Wohnungswirtschaft

          Das aber wird von der Wohnungswirtschaft als weltfremd bezeichnet. Die Politiker hätten kein Augenmaß für Angemessenheit von Ökologie und Ökonomie. Rudolf Ridinger, Direktor des Verbandes der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft, bezeichnet die Pläne als Vermögensvernichtungsprogramm.

          Das Ganze dann auch noch als sinnvolle Maßnahme an Investoren verkaufen zu wollen stelle jegliche Logik auf den Kopf. Energie-Gewinnhaus bedeute, dass jeder Neubau mehr Energie erzeugen solle, als für das Wohnen verbraucht wird: Aus Wohngebäude würden kleine Kraftwerke.

          Das sei im Zweifelsfall sogar machbar, aber wer soll das bezahlen? Außerdem übersehen die Politiker die technischen Probleme, denn schon die kleinste Wärmebrücke führe dazu, dass dieses Ziel verfehlt werde. Die Pläne seien fatal, es gebe keine Serienreife für solche Projekte. Wer sich darauf einlasse, riskiere sein Vermögen. Der Wohnungsbau - ohnehin auf einem Rekordtief - würde gänzlich am Boden liegen. Schon jetzt würden die politischen Vorgaben der Energieeinsparverordnung vom kommenden Jahr an die Grenzen der Wirtschaftlichkeit testen und zum Teil schon darüber hinausgehen.

          Der Energiebedarf ist zu hoch

          In der Wohnungswirtschaft besteht Einigkeit mit der Politik, dass der Energiebedarf gedrosselt werden muss. Schon heute, so Ridinger, gebe es in der Wohnungswirtschaft faktisch keine Investition mehr ohne energetische Komponente. Die Politiker aber machten einen großen Fehler, wenn sie aus Pilotprojekten auf Serienreife schlössen.

          Wesentlich zielführender und effizienter ist seiner Ansicht nach eine Forcierung von Investitionen auf breiter Front und nicht nur im Spitzenbereich. Der Einsatz von 100.000 Euro bringe größere Energieeinspareffekte, wenn man diese Investitionen auf mehrere bestehende Gebäude verteile und ein 20-Liter-Haus auf ein 10-Liter-Niveau herabschleuse, statt ein einzelnes Gebäude im Energieverbrauch je Quadratmeter Wohnfläche und Jahr weit unter dieses Niveau bringen zu wollen - auf 7 oder gar 3 Liter Heizölequivalent.

          Die Pläne der Politiker bergen seines Erachtens die Gefahr, das das Geld weder im Bestand noch im Neubau eingesetzt werde. Zu einer ehrlichen Politik gehöre auch eine Antwort auf die Frage, wer das bezahlen soll. Beim Wohnen werde es nicht ohne Änderung des Mietrechts gehen. Davor aber schreckten die Politiker zurück. Da trauten sie sich nicht heran.

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