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Peking : Der dynamischste Büromarkt der Welt

Enger zusammenrücken: In der chinesischen Hauptstadt wird Bürofläche immer teurer. Bild: dapd

In Peking gehen die Büromieten derzeit steil nach oben. Der Markt in der chinesischen Hauptstadt hat die Krise nach den Olympischen Sommerspielen 2008 hinter sich gelassen.

          In keiner anderen Stadt der Welt steigen die Büromieten derart rasant wie in der chinesischen Hauptstadt Peking. Das geht aus dem aktuellen Stand des Global Office Index hervor, der von dem internationalen Maklerhaus Jones Lang LaSalle (JLL) ermittelt wird. Er bildet die Entwicklung in den besten Lagen von 81 Metropolen ab. Danach stiegen die Büromieten in Peking im Jahresverlauf bis Ende 2011 um 51 Prozent an. Die Durchschnittsmiete soll inzwischen 293 Yuan (36 Euro) pro Quadratmeter im Monat betragen. Hinter der chinesischen Hauptstadt folgen in der Auflistung Jakarta, Moskau, Perth, das amerikanische Silicon Valley, São Paulo und Schanghai als wachstumsstarke Märkte mit einem überdurchschnittlichen Anstieg. Global legten die Büromieten nur um 6 Prozent zu.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Unter den 20 Städten mit dem stärksten Anstieg finden sich insgesamt vier chinesische Ballungsräume. Neben Peking und Schanghai sind das noch Hongkong auf dem 15. Rang und Guangzhou (Kanton) auf dem 16. Rang. Das Ergebnis überrascht insoweit, als viele Fachleute in China eigentlich vor einer Spekulationsblase am Immobilienmarkt warnen, die sich in steigendem Leerstand niederschlägt. Deshalb sollten die Mieten nicht annähernd so rasant steigen wie die Kaufpreise. "Das mag für Wohngebäude gelten, bei Büros sehen wir das aber keineswegs", schränkt Eric Hirsch, der Nationale Direktor von JLL in Peking, diese Sichtweise ein. Der Leerstand von Büroflächen gehe zurück. Deshalb stiegen die Mieten signifikant an.

          Vorsichtig optimistisch

          Auch für das laufende Jahr zeigt sich Hirsch für den Büromarkt vorsichtig optimistisch. Da die Wirtschaft in China schneller wachse als andernorts, nehme der Flächenbedarf von Unternehmen weiter zu. Gleichzeitig würden, zumindest in Peking, vergleichsweise wenig neue Gebäude fertiggestellt, so dass das Angebot knapp bleibe. Dennoch gebe es Risiken, die man im Blick behalten müsse, etwa wenn die Krisen in Europa oder Amerika auf Fernost durchschlagen sollten. "Peking ist eine sehr internationale Stadt geworden", stellt Hirsch fest. "Auf dem Büroimmobilienmarkt wird viel davon abhängen, was anderswo in der Welt passiert."

          Dass auch Asien nicht immun gegen die Verwerfungen auf anderen Kontinenten ist, zeigte sich im letzten Quartal 2011. Die Büromieten legten in diesem Zeitraum im Vergleich zum Vorquartal nur noch etwas stärker zu als der Weltdurchschnitt. Demgegenüber stiegen sie im zuvor arg gebeutelten Amerika überproportional an. Unter den 20 Städten, in denen die Mieten fielen, stammten immerhin 11 aus dem Asien-Pazifik-Raum, darunter Hongkong an viertletzter Stelle mit einem Minus von 4,5 Prozent. Peking allerdings konnte seine Spitzenstellung mit einem Plus von 9,4 Prozent behaupten. Hirsch sieht das Potential der chinesischen Hauptstadt weiterhin als hoch an. Obwohl sich der Bestand seit 2004 verdoppelt habe, verfüge Peking nur über ein Viertel der Bürofläche von New York. Derzeit seien es etwa 10 bis 12 Millionen Quadratmeter.

          Flächenschwemme nach Olympia

          Gut für Mieter und weniger gut für Vermieter sowie Investoren war die Zeit nach den Olympischen Spielen 2008 in der Stadt. Wegen der vielen neuen Gebäude und wegen übertriebener Preissteigerungen vor Olympia stagnierten beziehungsweise fielen die Mietpreise nach dem Großereignis. Der Leerstand soll zeitweise auf 15 Prozent angestiegen sein. Ende vergangenen Jahres waren es dann nur noch 9,1 Prozent. Bei JLL spricht man diesbezüglich von einem "Allzeit-Tiefstand". 2010 und 2011 kamen in Peking Schätzungen zufolge jeweils etwa 750 000 Quadratmeter Bürofläche neu auf den Markt. Für das laufende Jahr sind derzeit 420 000 Quadratmeter absehbar.

          Einen Anstieg der Mieten gab es im vergangenen Jahr auch für Einzelhandelsflächen in Peking. Die Geschäfte mussten nach Angaben von JLL Ende des Jahres monatlich 701 Yuan (85 Euro) je Quadratmeter zahlen, 12 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Größe der neu fertiggestellten Flächen halbierte sich fast im Jahresverlauf auf 140 000 Quadratmeter. Da viele Vorhaben ins neue Jahr verschoben worden seien, rechnen die Makler für dieses Jahr mit 800 000 Quadratmetern, die neu auf den Markt drängen. Der Leerstand werde deshalb steigen, die Miete weniger stark zunehmen, hieß es.

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