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Passivhäuser : Probewohnen in Großschönau

In Passivhäusern wird am Thermostat oft nur der Partyknopf gebraucht Bild:

Es gibt Häuser, die fast ohne Heizung auskommen. Viele deutsche Familien wohnen seit Jahren in Passivhäusern. Anderen ist das Risiko jedoch zu groß. Wie es sich in diesen energiesparenden Wohlfühl-Gebäuden leben lässt, können Interessierte nun in einer Siedlung in Österreich testen.

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          Als Urlaubsziel ist Österreich bei den Deutschen beliebt. Seit einigen Jahren kommen sie auch verstärkt zum Broterwerb ins Nachbarland - und nunmehr sogar zum Probewohnen. Denn im Waldviertel in Niederösterreich gibt es seit einem halben Jahr eine Passivhaussiedlung, in der Interessenten Technik und Raumklima dieses Gebäudetyps testen können.

          Michaela Seiser
          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Auf dem „Sonnenplatz“ in Großschönau im Bezirk Gmünd sind sechs unterschiedliche, sonnendurchflutete „Wohlfühlhäuser“ aufgestellt, die ohne aktive Heizung, sondern mit Alternativenergie funktionieren. Im Wesentlichen reicht die passive Nutzung der vorhandenen Wärme aus der Sonneneinstrahlung durch die Fenster sowie der Wärmeabgabe von Geräten und Bewohnern aus, um das Gebäude während der Heizperiode auf angenehmen Innentemperaturen zu halten. Jeder Hausbauer kann hier modernste Bautechnik buchstäblich hautnah erleben.

          200 Euro für drei Tage Probewohnen

          Wohnangebote gibt es gestaffelt von drei Tagen bis zu einer Woche ab 200 Euro (für drei Tage). Inzwischen haben mehr als 400 Familien das Angebot genutzt, berichtet Michaela Mraz, Sprecherin der Sonnenplatz Großschönau GmbH. Hilfreich dürfte sein, dass das Waldviertel durch sein kontinental geprägtes Klima, sowohl was die Jahres- als auch was die Tageszeiten anbelangt, starke Temperaturschwankungen anbietet - also ideale Verhältnisse, um ein Haus ohne Heizung auf seine Funktion und Behaglichkeit zu testen.

          Die deutsche Version eines Passivhauses: Preisgekröntes Haus in Aschaffenburg
          Die deutsche Version eines Passivhauses: Preisgekröntes Haus in Aschaffenburg : Bild: F.A.Z./Rainer Wohlfahrt

          Die Räumlichkeiten weisen einen höchstmöglichen Verbrauch von 15 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr auf und damit 90 Prozent weniger als ein herkömmliches Haus. Am Areal des Dorfes finden sich auch ein Naturbadeteich, viele Kinderspielgeräte und naturnah gestaltete Schaugärten.

          Gute Erfahrungen am Gefrierpunkt

          Thomas Wieck aus Völklingen im Saarland kam mit seiner Frau im Oktober hierher, nachdem er einen Fernsehbericht über dieses Projekt gesehen hatte. Seine Erfahrung mit dem Probewohnen bei einer Außentemperatur von null Grad war gut. Er findet es klasse, wie er sagt, und orientiert sich an dieser Idee. „Am Anfang haben wir uns gedacht: So ein Humbug. Jetzt sind wir aber überzeugt. Wir glauben, dass in zehn Jahren die Energiepreise so anziehen, dass man sich das traditionelle Wohnen nicht mehr leisten kann.“

          Nach langer Suche haben die Wiecks einen Architekten gefunden, der sich beim Passivhausbau auskennt. Jetzt wollen sie ein Haus mit 160 Quadratmeter bauen. Kostenvoranschlag dafür ist eine viertel Million Euro. Damit kostet ein Passivhaus etwa um 10 bis 20 Prozent mehr als ein herkömmliches Haus. Doch das lohnt, wie ein Blick auf die Energieersparnis zeigt: Die Heizkosten für einen Quadratmeter Wohnfläche belaufen sich im Monat auf 1 Euro und damit ein Zehntel der in einem herkömmlichen Haus anfallenden Aufwendungen. Dabei kommt das innovative Gebäude im Sommer und im Winter ohne separate Heizung oder Klimaanlage aus und bietet dennoch eine behagliche Temperatur.

          Keine Wärmeverluste und optimierte Wärmegewinnung

          Erreicht werden diese Werte durch zwei Grundprinzipien: die Vermeidung von Wärmeverlusten durch eine gut gedämmte Gebäudehülle mit Dämmstärken zwischen 25 und 40 Zentimeter und Fenster mit Dreifachverglasung. Außerdem wird die Wärmegewinnung optimiert. Fenster öffnen ist nicht mehr notwendig, denn das Belüftungssysten bringt ständig staub- und pollenfreie Frischluft ins Haus.

          Auch Robert Schön, der in Poppenricht zwischen Regensburg und Nürnberg lebt, hat im Herbst ein Wochenende auf dem Sonnenplatz verbracht. „Wenn man das dort unten gesehen hat, wie das funktioniert und wie einfach, kann man nicht verstehen, dass man noch normal baut. Denn die erreichen mit minimaler Technik ein höchstmögliches Ergebnis.“

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