https://www.faz.net/-gqe-9dfqb

Partnerschaft : Neue Liebe, altes Haus

Dem neuen Bewohner kann es schwer fallen, sich in der neuen Wohnung zuhause zu fühlen, wenn er keine Mitsprache bei der Einrichtung hat. Bild: Imago

Ins gemachte Nest des neuen Partners zu ziehen ist emotional heikel. Und rechtlich leider auch.

          5 Min.

          Als Sofie Keller bei ihrem Lebensgefährten einzog, war er seit einem Jahr verwitwet und lebte mit seinem kleinen Sohn in einer Dreizimmerwohnung in München. „Am Anfang habe ich mir nicht so viele Gedanken darüber gemacht, wie es sein würde, in die Wohnung zu ziehen, die meine Vorgängerin eingerichtet hat. Vielleicht habe ich die Frage auch verdrängt“, berichtet Keller. Es schien dem Paar die einzig mögliche Lösung: Die Wohnung lag zentral, war für Münchner Verhältnisse bezahlbar, und außerdem waren sowohl sein Arbeitsplatz als auch der Kindergarten direkt um die Ecke.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In der Wohnung hatte sich seit dem Tod der Ehefrau nicht viel verändert: Ihre Mützen lagen noch auf der Hutablage, an der Wand hingen die Bilder, die sie ausgesucht hatte, und im Regal standen ihre Bücher. „Ich habe mich gefühlt wie im falschen Film, so als müsste ich in ein Leben schlüpfen, das nicht meins ist“, erinnert sich Keller. Sie habe sich in der Wohnung total unwohl gefühlt, aber auch ohnmächtig, etwas zu verändern: „Ich wollte nicht die böse Stiefmutter spielen, die alle Spuren ihrer Vorgängerin auslöscht.“ Es schien ihr ungerecht, die Erinnerungen an die Mutter aus dem Alltag des Kindes zu tilgen, nur um sich selbst besser zu fühlen. Ihr Lebensgefährte hatte nicht viel Verständnis für ihre Situation, meinte, wie eine Wohnung aussehe, sei doch bloß die Oberfläche. „Aber ich fand es schrecklich.“

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            Sonntagszeitung plus

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Finale der Vendée Globe : Die große Angst vor dem kleinen Fehler

          Bei der Vendée-Globe-Regatta geht es eng zu wie noch nie. Auch der Deutsche Boris Herrmann hat Chancen auf den Sieg. Auf den letzten Seemeilen spielt die Psyche eine große Rolle – und vielleicht auch alte Zeitgutschriften.

          Lernen im Homeschooling : Das Leben fühlt sich nicht echt an

          Im Homeschooling leiden besonders die Grundschüler, die mit dem selbständigen Lernen oft heillos überfordert sind. Auch Eltern und Lehrer kommen an ihre Grenzen. Psychologen raten, den Druck rauszunehmen.

          Noch härterer Lockdown? : Zero Covid ist auch keine Lösung

          Neben Virologen fordern auch einige Ökonomen, Corona mit einem noch härteren Lockdown auszumerzen. Doch die Psychologie könnte ihnen einen Strich durch die Rechnung machen.