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Paris : Rekordmieten für edle Büroräume

In der Nähe des Arc de Triomphe in Paris fühlen sich nicht nur Immobilieninvestoren wohl Bild: dpa

Auf dem Pariser Büroimmobilienmarkt, dem größten des Kontinents, sind nur wenige Anzeichen für eine starke Abschwächung zu entdecken. Und die Banken legen steuerlich begünstigte offene Immobilienfonds nach deutschem Vorbild auf.

          Seit September zahlen die Bank Lehman Brothers und die Technologiefirmen Apple und Orange schon Mieten für ihre neuen Büros - und das nicht zu knapp. 850 Euro im Jahr für den Quadratmeter, niemand anders in Frankreich zahlt so viel. 850 Euro im Jahr macht monatlich gut 70 Euro, das ist mehr als das Doppelte wie in Frankfurts Bankenviertel, dem teuersten Standort für Büronutzer in Deutschland. Fällig sind die Mieten für edle Büros am Place d'Iéna Nummer 7.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hier, mitten im Diplomatenviertel von Paris, biteten sie einen ausschweifenden, bis zu den Ufern der Seine reichenden Garten und eine atemberaubende Sicht auf Eiffelturm und Turm Montparnasse. Bezogen werden kann der 11.700 Quadratmeter große Büroturm von den Mitarbeitern von Lehman, Apple und Orange aber erst im Frühling, wenn das im Jahr 2000 gebaute Gebäude aufwendig renoviert ist.

          2008 bringt eine Beruhigung

          Vorvermietungen sind in Paris kein Einzelfall, weiß Stephan von Barczy von der Immobilienmakler- und Beratungsgesellschaft Jones Lang LaSalle. „Viele Unternehmen wollen schon mit Blick auf das Jahr 2009 mieten. Microsoft zum Beispiel hat sich im Sommer 2007 für 24 Monate im Voraus 5000 Quadratmeter Büroflächen gesichert.“ Zum Jahresbeginn 2008 ist von Barczy allerdings nicht uneingeschränkt positiv gestimmt.

          Schlagkräftige Investoren bescheinigen dem Pariser Immobilienmarkt ein hohes Potential

          Das neue Jahr werde dem Pariser Gewerbeimmobilienmarkt zunächst eine Beruhigung bringen, sagt er voraus. Die Mieten zumindest in zweitklassigen Lagen gingen zurück. Die Klemme einiger Investoren, die wegen der Kreditkrise an den Finanzmärkten ihre Kredite kaum weiterverkaufen könnten, sei spürbar.

          Investoren setzen viel Kapital ein

          Hubert Spechtenhauser, Vorstandssprecher des Immobilienverwalters Commerz Real, hat schon im vierten Quartal weniger Konkurrenz in Bieterverfahren um Gebäude in der französischen Hauptstadt ausgemacht. Im ersten Halbjahr 2007 habe es oft fünf, sechs ernstzunehmende Bieter für einen Büroturm gegeben, jetzt seien es oft nur zwei oder drei, berichtet Spechtenhauser. Finanzinvestoren, die ihre Gebote mit hohem Kreditanteil schnürten, seien augenblicklich nicht am Markt. „Es ist die Zeit der Investoren, die viel Eigenkapital einsetzen - so wie wir.“

          In Frankreich hat Commerz Real, aus Commerz Leasing und Commerz Grundbesitz fusionierter Immobilienfinanzierer im Commerzbank-Konzern, 36 Objekte im Wert von 3,1 Milliarden Euro unter Verwaltung - überwiegend in Paris, darunter das zu Rekordpreisen vermietete Gebäude am Place d'Iéna.

          Der 9,5 Milliarden Euro schwere offene Commerz-Real-Immobilienfonds Hausinvest Europa hat 22 Prozent seines Vermögens in Pariser Büroimmobilien investiert - Tendenz steigend. „Paris ist neben Moskau ein Markt, in dem wir uns grundsätzlich heute besonders wohl fühlen“, sagte Spechtenhauser deutschen Journalisten, die Commerz Real vor kurzem nach Paris eingeladen hatte.

          Große Chancen bei geringem Risiko

          Die positive Anlagesicht auf den Pariser Büromarkt stützt das Analysehaus Feri, das ihm hohes Potential bei geringem Risiko bescheinigt. Allerdings ist die Rendite von 3,6 bis 4,6 Prozent, die Investoren nach Ansicht der Dekabank von ihren zuletzt gegen starke Konkurrenz erworbenen Büroräumen erwarten können, auch eher dürftig. Ein Gebäude in unmittelbarer Nähe des Ostbahnhofs, das bis Frühjahr 2008 kernsaniert wird, scheint diesen Eindruck zu bestätigen.

          Den im 19. Jahrhundert erbauten Komplex mit einer Bürofläche von 16 000 Quadratmetern hat Commerz Real Ende Juni für 139 Millionen Euro gekauft und zu 100 Prozent für 9 Jahre zum anfänglichen Quadratmeterpreis von 420 Euro im Jahr an die französische Eisenbahngesellschaft SNCF vermietet. Als geschlossener Fonds verspricht das Objekt nur dank einiger Hebel wie der Kreditfinanzierung in Schweizer Franken den Anlegern eine Jahresrendite nach Steuern über die Laufzeit bis 2023 von 5,5 Prozent im Jahr.

          Marktgröße, Liquidität und Transparenz sind Pluspunkte

          Eher bescheidene Renditeaussichten sind das eine, Marktgröße, Marktliquidität und Transparenz jedoch in den Augen von Deka-Analystin Daniela Fischer dagegen die großen Pluspunkte von Paris. Gerade im Vergleich zum großen Bruder London schneidet Paris heute gut ab. Der Büromarkt der britischen Metropole, auf dem die Preise im zweiten Halbjahr 2007 zwischen 10 und 20 Prozent gefallen sind, leidet unter der hohen Abhängigkeit von den Banken.

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