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Hauskauf in Brasilien : Paradies für Globetrotter

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Sein Rat an Interessenten: Erstens niemals etwas unbesehen erwerben. Zweitens kein Kauf ohne umfassende Recherche und Beratung. Ohne gute Landeskenntnisse und juristische Unterstützung, stimmt auch die Brasilianerin Mestrieri-Seidl zu, ist von Käufen unbedingt abzuraten, was jedoch nicht heißt, dass juristisch wasserdichte Käufe nicht möglich seien. Wer sich an große internationale Immobilienagenturen oder spezialisierte Anwaltskanzleien wendet, ob in Brasilien oder in Deutschland, ist in jedem Fall auf der sicheren Seite.

Dass das Interesse an Immobilien im größten Land Südamerikas derzeit eher rückläufig ist, führen die Fachleute auf die unsichere wirtschaftliche Lage zurück. Zwar sind die beliebten Touristengebiete beispielsweise im Nordosten, Canavieiras, Fortaleza oder das Kiterparadies Cumbuco auch bei Käufern gefragt, doch die Zeiten, in denen Deutsche, Österreicher und Osteuropäer, gelockt von der Aussicht auf Reichtum, ganze Kolonien in der Neuen Welt gründeten, sind lange vorbei. Immer wieder erlebt Mestrieri-Seidl sogar, dass deutsche Nachfahren, die Besitztümer in Brasilien erben, wenig Interesse haben. Sie scheuen die Investitionen, die wegen des komplizierten Erb- und Steuerrechts tatsächlich nicht gering sind.

Heute zieht es neben Investoren in touristische Infrastruktur vor allem Globetrotter, ungebundene Paare zwischen 40 und 50 Jahren oder deutsche Männer, die brasilianische Frauen geheiratet haben, nach Brasilien. Man träumt vom erschwinglichen und freien Leben in der Sonne, was aber auch in Brasilien nur möglich ist, „wenn man ein auskömmliches Einkommen hat“, wie Friedhelm Glaser betont.

Auch Fortaleza ist gefragt.
Auch Fortaleza ist gefragt. : Bild: Reuters

Glasers Großeltern wanderten vor dem Zweiten Weltkrieg nach Lateinamerika aus, sein Vater kehrte zwar noch einmal zurück nach Deutschland, lebte aber später wieder in Brasilien. Glaser, der heute im hessischen Haiger wohnt, liebt das Land seiner Kindheit. Aber auch in seine Aufzählung von vielen guten Aspekten schleichen sich rasch Warnungen ein, allen voran die hohe Kriminalitätsrate. In einer Großstadt außerhalb von geschlossenen und bewachten Wohnanlagen, den sogenannten „Condominios“, zu leben, rät er niemandem.

Die Preise sind günstig

Trotz vieler Bedenken heben die Brasilien-Kenner auch eindeutige Pluspunkte hervor, die für einen Kauf sprechen. Dazu gehören auch die derzeit günstigen Preise. Bis vor zwei, drei Jahren oft unangemessen hoch, gehen sie derzeit deutlich nach unten – weil die Wirtschaft schwächelt. In dem Land, in dem soziale Sicherungssysteme fehlen, müssen viele ihre Reserven angreifen – und das bedeutet oftmals, die eigene Immobilien zu verkaufen. Davon profitieren aktuell Kaufinteressenten.

Im Bundesstaat Rio de Janeiro beispielsweise, dem kleinsten Bundesland Brasiliens, das wegen seiner mehr als 600 Kilometer langen Küste bei In- wie Ausländern gleichermaßen beliebt ist, sind 300-Quadratmeter-Grundstücke derzeit schon für 100.000 Real (zirka 20.000 Euro) zu haben, 700 Quadratmeter in Küstennähe gibt es für 300.000 Real. Aber auch Appartements in guter Großstadtlage und in strandnahen Anlagen sind wieder erschwinglich. Wer plant, in Brasilien zu investieren, „der sollte es jetzt tun“, rät Anwalt Stock. In ein, zwei Jahren, ist er sich sicher, werden die Kaufpreise wieder anziehen.

Ebenfalls unschlagbar: Das fast überall milde Klima, die phantastische Natur, die gigantischen Strände. Der größte Pluspunkt aber ist für Friedhelm Glaser „das Leben an sich, das Miteinander“. Die Menschen charakterisiert er im Vergleich zu den Deutschen als offener, kontaktfreudiger, allgemein hilfsbereiter. „Vorurteile“, sagt er, kenne man in Brasilien nicht. Heute lebt und arbeitet der Unternehmer zwar in Deutschland, im Herzen aber ist er Brasilianer geblieben, wie er betont – und darum überlegt er im Moment auch, ein Apartment in Manaus zu erwerben, der Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas. Noch zögert er, auch weil die Familie seine Leidenschaft nicht unbedingt teilt. „Aber schön wäre es schon.“

Hauskauf in Brasilien

Grundsätzlich ist Deutschen der Erwerb von Grundstücken und Immobilien in Brasilien erlaubt. Es gibt aber diverse Gebiete (zum Beispiel landwirtschaftliche Flächen), in denen ein Kauf nicht möglich ist.

  • Vor dem Kauf immer alle rechtlichen und baulichen Rahmenbedingungen prüfen (lassen).
  • Immobilie oder Grundstück immer selbst in Augenschein nehmen.
  • Grundsätzlich erfolgt die Eigentumsübertragung wie in Deutschland durch Eintrag ins Grundbuch. Doch Vorsicht: Trotz Eintrag kann der Kauf unwirksam sein.
  • Die brasilianischen Ersitzungsvorschriften greifen teilweise schon nach zwei Jahren. Daher erworbene Grundstücke nicht unbeaufsichtigt lassen, bei Käufen Verfügbarkeit sicherstellen.
  • Makler brauchen eine Lizenz, diese immer erfragen. Am sichersten sind internationale Immobilienagenturen. Die Courtage trägt der Verkäufer. Sie kann bis zu 6 Prozent des Wertes betragen.
  • Immobilienkäufer brauchen eine brasilianische Steuernummer.
  • Ein Kapitaltransfer nach Brasilien muss bei der Zentralbank registriert werden. Sonst ist der Rücktransfer nach einem eventuellen Verkauf fast unmöglich.
  • Die Nebenkosten für den Erwerb variieren von Gemeinde zu Gemeinde. Im Schnitt liegen sie bei 7 bis 9 Prozent des Verkaufswertes.
  • Beim Verkauf einer Immobilie muss die Wertsteigerung in Brasilien versteuert werden.

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