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Hausbesitzer in spe : Mehr Rechte fürs Bauen

Baustelle in Darmstadt Bild: dpa

Wer ein Eigenheim baut, braucht starke Nerven: Doch vielleicht haben Bauherren schon bald weniger Sorgen. Was steht im neuen Gesetz?

          Bei den einen werden zu billige Materialien verbaut, bei anderen pfuscht der Handwerker, die Baufirma geht insolvent, oder der Einzugstermin platzt: Wer ein Eigenheim baut, braucht starke Nerven, denn bei den wenigsten Hausbesitzern in spe geht die Bauphase völlig reibungslos vonstatten. Mutiert die ersehnte Traumimmobilie langsam zum Albtraum, drohen neben Streit und Ärger zusätzliche Kosten, die unter Umständen ganze Existenzen gefährden.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Doch vielleicht schlafen private Bauherren bald etwas ruhiger: Von diesem Jahr an ist das im Bürgerlichen Gesetzbuch festgeschriebene, neue Bauvertragsrecht in Kraft getreten. Es spricht ihnen mehr Rechte bei Neubau oder erheblichem Umbau einer Bestandsimmobilie zu und schützt sie so besser vor Mängeln. Für Verträge, die vom 1. Januar an geschlossen wurden, haben Hausbauer nun Anspruch auf eine detaillierte, verständliche Baubeschreibung, die Baufirmen rechtzeitig vor Vertragsabschluss kostenlos aushändigen müssen. Vorher wurde diese von Schlüsselfertigbauern und Bauträgern oft vage gehalten. Einzige Ausnahme: Der Kunde hat einen eigenen Architekten und überlässt diesem die Planung.

          14 Tage Widerrufsfrist

          Die Baubeschreibung muss jetzt beispielsweise Informationen zu Haustyp und Bauweise, Art und Umfang der Leistungen, Gebäudedaten zu Fläche und Grundriss sowie Angaben zur Baukonstruktion enthalten. Hier hat der Bauträger auch verbindliche Aussagen dazu zu machen, bis wann das Gebäude fertiggestellt ist beziehungsweise wie lange die Bauzeit dauert. Hält die Baufirma den Termin nicht ein, muss sie Schadenersatz leisten.

          Ebenso sind die Firmen dazu verpflichtet, vor Baubeginn und zur Fertigstellung sämtliche Unterlagen und Pläne herauszugeben, die private Bauherren brauchen, etwa für Anträge auf einen Förderkredit oder als Nachweis gegenüber Behörden. Dazu gehören etwa Schriebe, die belegen, dass das Gebäude die Landesbauordnung und Energievorgaben einhält sowie dass die Statik stimmt.

          Neu ist ebenfalls, dass Kunden einen Bauvertrag, der nicht vom Notar beurkundet wurde, jetzt innerhalb von 14 Tagen widerrufen können – wurden sie nicht ordnungsgemäß über ihr Widerrufsrecht informiert, währt die Frist sogar ein Jahr länger. Je später der Rücktritt jedoch geltend gemacht wird, desto mehr Kosten entstehen hierbei. Auch später dürfen die Auftraggeber den Bauvertrag noch kündigen, wenn sie einen wichtigen Grund dafür haben – etwa weil die Baufirma Insolvenz anmeldet. Nachdem der Bauherr davon erfahren hat, ist die Kündigung innerhalb einer angemessenen Frist möglich. In diesem Fall müssen beide Parteien gemeinsam den aktuellen Leistungsstand ermitteln. Das Unternehmen darf dem Kunden nur die Leistungen berechnen, die es bis zur Kündigung tatsächlich erbracht hat – auf den Rest der Vertragssumme muss es verzichten. Den Termin sollte der Bauherr keinesfalls versäumen. Ansonsten kann die Baufirma den Gebäudezustand allein feststellen, und der Bauherr bleibt auf seinen Mängeln sitzen.

          Neue Pflichten, aber auch Vorteile für Baufirmen

          Darüber hinaus können Auftraggeber dank des neuen Anordnungsrechts vereinbarte Leistungen selbst in einer späten Bauphase noch einmal ändern. Natürlich kosten diese Wünsche extra, und die Verhandlung der Frage, wie viel mehr die Handwerker dafür berechnen dürfen, birgt neues Streitpotential. Außerdem regelt das Bauvertragsrecht die Abschlagszahlungen an Schlüsselfertiganbieter neu: Kunden dürfen künftig als letzte Rate mindestens 10 Prozent vom Werklohn einbehalten, damit sie bei Mängeln noch ein Druckmittel in der Hand haben – vorher waren es oft nur 5 Prozent.

          Das neue Gesetz bringt neben neuen Pflichten, aber auch Vorteile für Baufirmen, etwa bei der Bauabnahme: Setzt die Firma dem Kunden hierzu einen Termin und regt dieser sich nicht oder verweigert die Abnahme, ohne einen Mangel zu nennen, gilt das Gebäude als abgenommen – selbst wenn noch gravierende Mängel bestehen. Will der Bauherr nicht in diese Falle geraten, muss er sich aktiv äußern; ob der Mangel tatsächlich vorhanden ist und ob es sich um einen wesentlichen oder unwesentlichen handelt, ist dabei unerheblich.

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