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Die neue Grundsteuer : Für Grundstücksbesitzer ist es Zeit zu handeln

  • -Aktualisiert am

Die Grundsteuer trifft jeden: Unternehmen, privater Eigentümer und auch die Mieter. Bild: D-foto/Axel Haesler

Für die neue Grundsteuer müssen Millionen Grundstücke neu bewertet werden. Viele Unternehmen fühlen sich darauf noch nicht vorbereitet. Sie sollten aber rasch tätig werden, mahnen Fachleute – ebenso wie private Eigentümer.

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          Auf dem Papier ist noch Zeit bis ins Jahr 2025, wenn die Grundsteuer in neuer Form gilt. Doch bis dahin müssen Millionen Grundstücke neu bewertet werden. In der Praxis wird die Zeit also zum Teil jetzt schon knapp.

          Jan Hauser
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Viele Unternehmen fühlen sich allerdings noch längst nicht auf die Grundsteuerreform vorbereitet. Das teilt die Unternehmensberatung KPMG mit, die dazu rund 300 Unternehmen befragt hat. Demnach halten drei von vier Unternehmen die Reform für „komplex“ oder „sehr komplex“. Nur jedes zehnte Unternehmen fühlt sich „gut informiert“. Doch nicht nur sie trifft die neue Grundsteuer – auch private Eigentümer müssen sie zahlen und sich für die Umstellung wappnen.

          Für Immobilienbesitzer sieht Jürgen Lindauer, Director im Bereich Tax von KPMG, schon jetzt dringend die Zeit zum Handeln. Zwar tritt die Grundsteuerreform erst 2025 in Kraft, doch zum 1. Januar 2022 müssen bundesweit rund 36 Millionen Immobilien neu bewertet werden. Ab dem Jahreswechsel geht es los mit der großen Reform für die Grundsteuer. „Denn ab dem 1. Juli nächsten Jahres sind die Feststellungserklärungen für die Grundstückswerte elektronisch einzureichen“, sagt Lindauer. Das bedeute in erster Linie, dass eine große Datenmenge beschafft werden muss. „Diese liegt in vielen Fällen allerdings gar nicht oder nicht im benötigten Format vor.“

          Jeder zahlt Grundsteuer

          Die Grundsteuer ist eine der wichtigsten Steuern der Städte und Gemeinden, über deren Höhe sie selbst bestimmen können. Im Jahr 2019 haben die Kommunen 14 Milliarden Euro durch die Grundsteuer B eingenommen, die für Grundstücke gilt. Das waren 1,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Zunächst zahlt der Grundstückseigentümer dafür. Wenn das Haus vermietet ist, reicht dieser die Ausgaben allerdings an die Mieter weiter. Mit den Einnahmen können die Gemeinden vor Ort die Infrastruktur ausbauen und Kindergärten, Büchereien oder Schwimmbäder betreiben.

          Bislang beruht die Berechnung der Grundsteuer teilweise auf alten Grundstückswerten, die im Westen aus dem Jahr 1964 und im Osten aus dem Jahr 1935 stammen. Durch die alten Werte kommt es zu Ungleichbehandlungen, wie das Bundesverfassungsgericht geurteilt hat. Daraufhin mussten eine neue Bemessungsgrundlage und ein neues Grundsteuergesetz her, das den Bundesländern erlaubt, hiervon abzuweichen.

          Bis Jahresende haben die Länder noch Zeit, um alles unter Dach und Fach zu bringen. Bayern hat gerade seine eigene Grundsteuer beschlossen. Dort zählt nur die Größe des Grundstücks und die Nutzungsart der Fläche, aber nicht etwa die Lage. Auf das Bundesmodell, das den Wert des Grundstücks berücksichtigt, setzen hingegen: Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. Die anderen Bundesländer weichen hiervon ab, haben eigene Modelle erarbeitet oder das Verfahren noch nicht abgeschlossen.

          Ist es jetzt schon zu spät?

          Hans Volkert Volckens, Head of Real Estate and Asset Management bei KPMG, kritisiert, dass die verschiedenen Länderregeln nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Finanzverwaltungen kaum entlasten. „Für viele Unternehmen, deren Grundbesitz sich über verschiedene Bundesländer erstreckt, erschweren die unterschiedlichen Ländermodelle die Situation zusätzlich“, sagt er. Auch sei die Zahl der Mitarbeitenden, die sich in den Unternehmen mit Tätigkeiten rund um die Grundsteuer beschäftigen, überraschend niedrig ist. Für mehr als die Hälfte kümmern sich nur ein bis zwei Personen. „Das ist alarmierend.“

          Nach der Umfrage hat eines von fünf Unternehmen mit der Datensammlung begonnen. Jedes dritte hat nach eigenen Angaben eine solche noch nicht geplant. Volckens sieht die Herausforderungen im Detail. Gerade Betriebe mit größeren Liegenschaften könnten ihre Grundstücke nicht selbst ausmessen, sondern müssten dafür externe Fachleute beschäftigen. Das brauche aber Vorlauf. „Es ist Zeit für mehr Aufmerksamkeit beim Thema Grundsteuer“, sagt er.

          Veränderungen an Grundstücken und Immobilien, die nach dem 1. Januar 2022 erfolgen, müssen den Finanzbehörden innerhalb bestimmter Fristen gemeldet werden. Dazu gehören etwa Umbauten, Ausbauten, Veränderungen der Nutzung und vieles mehr. Lindauer warnt schon vor den Folgen: „Bei den Anzeigen handelt es sich um eine Steuererklärung, so dass jedes Versäumnis schnell unangenehme Folgen haben kann.“ Er erwartet, dass die Aufforderung zur Abgabe regelmäßig durch eine öffentliche Bekanntmachung erfolgen wird – mit einer Frist von mindestens einem Monat. Dadurch könne es eng werden.

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