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Mobilität in Metropolen : Neue Wege durch die Stadt

Segways, Fahrkapseln, Stehmobile

Warum, fragt Otto-Zimmermann, soll das nicht auch hier klappen? Zumal deutsche Stadtbewohner im Vergleich zu Südafrikanern oder Amerikanern erheblich fahrradaffiner sind und Zweiräder hierzulande anders als in Asien kein Zeichen dafür sind, dass sich jemand nichts Größeres leisten kann. Die Antwort ist ebenso einfach wie erschütternd: Es wird schwer werden, weil viele Deutsche das Auto als Zeichen für Freiheit und Unabhängigkeit sehen. Sie feiern es als Mittel für ihre „Selbstwirksamkeitserfahrung“. So nennt es der Soziologe Hartmut Rosa. Das heißt: Viele wollen lieber das Gefühl haben, selbst am Steuer zu sitzen und Herr der Lage zu sein - auch wenn sie im Stau stecken - als davon abhängig zu sein, wann eine U-Bahn kommt, wie pünktlich sie ist und darin die Kontrolle komplett abzugeben. Für dieses vermeintliche Freiheitsgefühl, das belegen die Umfragen von Verkehrsforschern, nehmen mobile Städter sogar deutlich höhere Kosten in Kauf. Vor allem die technikbegeisterten 30 bis 55 Jahre alten Männer suchen sich ihr Verkehrsmittel weniger danach aus, was sozial erwünscht wäre, sondern nach den Kriterien „Geschwindigkeit“ und „Bequemlichkeit“.

Die Städte könnten aber den Umstieg deutlich befördern, findet Otto-Zimmermann. Sie könnten die Taktung ihrer öffentlichen Verkehrsnetze erhöhen, im zweiten Ausbauschritt auch mit selbst fahrenden U-Bahnen. Sie könnten den Autoverkehr durch den Abbau von Parkplätzen und Geschwindigkeitsbeschränkungen bremsen. Zudem haben viele Städte bewiesen, dass man mit Radschnellwegen ohne Ampeln mehr Pendler aufs Fahrrad bringt. Besonders gut funktionieren würden solche Schnellwege in Städten mit Rasterstruktur, Mannheim wäre also ideal. Auch in Berlin mit seinen vielspurigen Straßen ließen sich leicht ganze Radstreifen abtrennen, die Bestrebungen dafür laufen bereits. In Städten, in denen viele kleine Straßen sternförmig aufs Zentrum zulaufen, wird es dagegen schwerer.

Was bringen selbstfahrende Autos?

Große Hoffnung setzt der Verkehrsforscher auf den gesamten Bereich der kleineren Elektrofahrzeuge, wozu neben eBikes auch die Segways, Fahrkapseln oder Stehmobile mit drei Rädern gehören. Noch sind sie ein seltener Anblick, aber darüber werde in 10 bis 20 Jahren ein Großteil des Stadtverkehrs laufen, prognostiziert Otto-Zimmermann, „solange sie nicht unterdrückt werden durch den Ausbau schneller Autostraßen“.

Oder durch die rasante Verbreitung selbst fahrender Autos, die er eher als „unheilvolle Bewegung“ sieht. Ihre Technik könnte nämlich dazu führen, dass künftig noch mehr Autos über die Straßen rollen, weil durch automatische Abstandsmessung und -bremsung eine noch engere Taktung auch auf den Straßen möglich wäre. Und weil zudem nicht einmal ein Fahrzeuglenker an Bord sein müsste, wenn der Wagen irgendwann wirklich von alleine zum Supermarkt fährt oder die Kinder vom Kindergarten holt. Der Fahrzeugbesitzer könnte in der Zeit sogar im Zweitwagen unterwegs sein.

Noch ist vieles Zukunftsmusik. Eines aber halten Stadtplaner wie Otto-Zimmermann für ausgemacht: „Mit allem, was wir jetzt machen, legen wir fest, wie unser Verkehr in 30 bis 80 Jahren abläuft.“ Die Frage ist: Bekommen die Städte noch mehr vom Gleichen, oder sind sie bereit, neue Wege zu gehen?

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