https://www.faz.net/-gqe-8stqc

Mobilität in Metropolen : Neue Wege durch die Stadt

  • -Aktualisiert am

Horrende Parkgebühren, Fahrverbote und Citymaut

Manche Stadtverwaltungen greifen zu drastischen Mitteln, etwa zu horrenden Parkgebühren wie Wien, oder zu Fahrverboten oder Einfahrgebühren wie London mit seiner Citymaut. „Mit eindrucksvollem Tempo avancierte die Stadt zum Paradebeispiel für die Verflüssigung von Verkehr“, stellte dazu Verkehrsforscher Fritjof Mietsch in einer Studie für die Friedrich-Ebert-Stiftung fest. „Zugleich lieferte sie ein Lehrbeispiel für uraltes Ökonomenwissen: Von einem Fass muss man nur die letzten Tropfen fernhalten, damit es nicht überläuft.“

Auch Städte wie Stockholm und Singapur erheben eine Maut für die Einfuhr - und fahren gut damit. So mutig muss allerdings erst einmal jemand sein, den Autoverkehr auf diese Weise aus den Innenstädten zu drängen, ohne schon vernünftige Alternativen anzubieten, zum Beispiel in Form eines besser ausgebauten Nahverkehrs. Denn das sei auch der Wermutstropfen in London, sagen die Forscher: Die U-Bahn ist dort seitdem chronisch überfüllt und unzuverlässig.

Dass neue Wege gefunden werden müssen, zeigen Zahlen von Mobilitätsforschern der Technischen Universität München: Zwar bilden Fußgänger, Radfahrer und Bus- oder Bahnfahrer den allergrößten Teil derer, die in den Städten unterwegs sind. Zudem besitzen ein Viertel aller Großstadthaushalte selbst kein Fahrzeug mehr. Doch den mit Abstand meisten Platz in den Metropolen belegen natürlich immer noch die Autos: Allein 90 Prozent des verfügbaren öffentlichen Raumes - abseits der Straßen, die sie ohnehin schon größtenteils belegen - geht für Parkplätze drauf. Jeder Autoabstellplatz verbraucht rund 12 Quadratmeter, auf dem Platz könnte man locker zehn Fahrräder parken oder zwölf Fußgänger.

Auch die Fußgänger bekommen Flanierzonen

Nur drei Prozent Raum dagegen stehen für Fußgängerbereiche und Bänke zur Verfügung, ebenfalls drei Prozent für Bushaltestellen und nur zwei Prozent für spezielle Fahrradabstellplätze. Sind die Verkehrsteilnehmer in Bewegung, fällt die Bilanz noch übermächtiger zugunsten der Autos aus: Ein Auto in langsamer Fahrt braucht 65 Quadratmeter Platz, bei 50 Stundenkilometern sogar schon 140 Quadratmeter, sagt die Statistik. Dieser Raum muss vorgehalten werden. Ein Radler benötigt dagegen maximal 41 Quadratmeter, ein Fußgänger weiterhin rund einen Quadratmeter. Wäre es also nicht längst an der Zeit, den langsameren und Platz sparenderen Verkehrsteilnehmern mehr Raum zu widmen?

An diesem Ziel arbeiten viele Planer, deshalb experimentieren Städte, wie sich die Zahl der Autos zugunsten agilerer Verkehrsmittel künftig zurückdrängen ließe. Kopenhagen hat ausprobiert, was passiert, wenn man allen Nichtautofahrern mehr Platz gibt, Johannesburg ebenfalls. Beide Experimente lassen aufhorchen. Die dänische Hauptstadt ist mit rund 600.000 Einwohnern zwar verhältnismäßig klein im Vergleich mit anderen Großstädten, ihr Stadtzentrum ist aber ebenfalls winzig. Genau diesen Platz beschränkten die Planer nun zusätzlich für Autos, indem sie insgesamt 1000 Kilometer der Straßenfläche umwidmeten.

Weitere Themen

Streit um eine Straße in Frankfurt

F.A.Z.-Leserbriefe : Streit um eine Straße in Frankfurt

Ist es klug, dass die Stadtregierung den Autoverkehr entlang des Mains auf dessen Nordseite versuchsweise verbietet? Kein Thema wird zurzeit in Frankfurt mit größerer Leidenschaft diskutiert. Wie aber sehen es F.A.Z.-Leser? Wir haben nachgefragt.

Drohnen-Angriff sorgt für Ölpreis-Anstieg Video-Seite öffnen

Saudi-Arabien : Drohnen-Angriff sorgt für Ölpreis-Anstieg

Nach den Drohnenangriffen auf zwei Ölanlagen in Saudi-Arabien wird mit einem Anstieg der Ölpreise gerechnet. Die Angriffe verschärfen die angespannte Lage in der Golfregion und führten zum Einbruch der Ölproduktion in Saudi-Arabien.

Topmeldungen

Braunkohlekraftwerk Jänschwalde hinter dem ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord

Details des Klimapakets : Wer hat’s erfunden?

Kommenden Freitag soll das Klimapaket beschlossen werden. Um die entscheidenden Details wird bis zuletzt gerungen: Offen ist vor allem die Frage, wie viel die Tonne CO2 kosten soll.
Der frühere türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu trat am Freitag mit fünf anderen Politikern aus der AKP aus.

Austritte aus der AKP : Rebellion gegen Erdogan

Einige prominente Politiker sind aus der türkischen Regierungspartei AKP ausgetreten, um ihre eigenen Bewegungen zu gründen. Für den türkischen Präsidenten Erdogan könnte es eng werden.
Schild vor dem Trump Hotel in Washington, 21. Dezember 2016

Klage von Hoteliers : Hat Donald Trump die Verfassung gebrochen?

Trump schädige ihr Geschäft, indem er Diplomaten nötige, in seinen Hotels abzusteigen, monieren Gaststättenbetreiber. Damit haben sie vor einem New Yorker Gericht einen Etappensieg errungen. Nun könnte der Surpreme Court den Fall an sich ziehen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.