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Minihäuser : Zu Hause im Wohnwürfel

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Flying Spaces: Minihäuser lassen sich fast überall aufstellen
Flying Spaces: Minihäuser lassen sich fast überall aufstellen : Bild: Schwörer Haus

Die meisten sind echte Designerstücke und zeigen das schon von außen. Der Loftcube etwa, das quadratische Minihaus, das Werner Aisslinger erfunden hat, sieht aus, als habe man einen Glaswürfel in einen organisch gerundeten weißen Kunststoffrahmen gepresst. Aisslinger war in Karlsruhe Designprofessor, hat Büroeinrichtungen für den Möbelhersteller Vitra entworfen, und seine Arbeiten stehen im New Yorker MoMa, dem Museum of Modern Art. Aus seiner Feder stammt auch der hölzerne Fincube, der so dicht von dünn geschwungenen Lärchenholzlamellen umrahmt wird, dass er von weitem wie eine Wohlfühlkugel wirkt. Andere Hersteller verblenden Kleinsthäuser mit glänzenden Aluplatten, bestücken sie mit Holzverschalung oder Putzverkleidung und wahlweise mit Flach- oder Satteldach, so dass sie aussehen wie ganz normale Architektenhäuser - die bloß etwas zu klein geraten und noch nicht ausgewachsen sind.

Die Größenangaben der Produzenten kann man wörtlich nehmen: Minihäuser sind tatsächlich ziemlich mini. Zum einen haben die Planer sie als Einpersonenhäuser für die wachsende Singlegesellschaft konzipiert, damit auch Alleinlebende zum Eigenheim kommen. Zum anderen gilt beim Bau die Straßenverkehrsordnung. Wenn die Wohnboxen transportabel sein sollen, dürfen sie nur so groß sein, dass sie noch auf einen Sattelschlepper oder an einen Kran passen. Darum sind bei etlichen Modulhäusern drei Meter Breite das Maximum.

Die Kuben von Aisslinger gehören schon zu den größten unter den Kleinsthäusern mit einer Außenkantenlänge von knapp neun Metern und rund 50 Quadratmetern Wohnfläche. Selbst das XXL-Modul von Smarthouse bringt es auf maximal 55 Quadratmeter, andere Wohnboxen wie der kleinste Legno Cube bieten sogar nur 18 Quadratmeter Raum. Mehrere solcher Module kann man aber aneinandersetzen und stapeln. Der absolute Winzling ist das Micro Compact Home mit 6,5 Quadratmetern Grundfläche. „Sein Bewohner muss sich daran gewöhnen, dass er auf Armeslänge alles erreichen kann“, beschreibt Architekt John Höpfner das Wohngefühl.

An Klaustrophobie sollte man nicht gerade leiden, wenn man sich für das Leben im Kleinsthaus entscheidet. Aber einmal im Schneckenhaus angekommen, wollen viele es gar nicht mehr verlassen. Das Micro Compact Home sollte Münchener Studenten mit Wohnungsnot über die ersten zwei Semester helfen, dann sollten sie ausziehen. Doch einige schafften es trickreich, ihr ganzes Studium darin zu verbringen. „Der Würfel erzieht im positiven Sinne“, hört der Architekt von den Bewohnern, „weil man sehr bewusst mit dem Platz umgehen muss und keinen überflüssigen Ballast anhäuft. Das empfinden viele als Befreiung.“ In manchen Kuben muss man nicht einmal Möbel mitbringen, weil sie mit kompletter Innenausstattung daherkommen.

Loft Cube auf dem Dach der Universal Music in Berlin
Loft Cube auf dem Dach der Universal Music in Berlin : Bild: gemŠ§ Vertrag

Wer die Wohnwürfel betritt, staunt Bauklötze. So kompakt sie äußerlich wirken, durch Panoramafenster schweift der Blick frei nach draußen, oft mit 360 Grad-Rundumsicht. Zudem sind die Innenräume mit Einbaumöbeln oft wahre Ein-Raum-Wunder mit Luxusküchenzeilen und Natursteinbädern.

Das hat freilich seinen Preis: Für 40 voll ausgestattete Quadratmeter Loftcube blättert man 190000 Euro hin, der Grundwürfel kostet 100000 Euro. Ein Legno Cube mit 48 Quadratmetern kostet rund 100000 Euro, die Module von Smarthouse gibt’s zwischen 40000 und 85000 Euro. Das Mikrohaus klingt in der Basisversion preiswert mit 1085 Euro je Quadratmeter. Will man es schlüsselfertig inklusive Bauabwicklung und Fundament, kommen 48 Quadratmeter auf gut 80000 Euro. Schwörers Flying Spaces kosten in der Basisversion mit knapp 50 Quadratmetern um die 90000 Euro. Doch bevor man mit den kleinsten Wohnboxen von rund 17 Quadratmetern anfängt und davon mehrere Module übereinanderstapelt, sollte man sich Rat vom Architekten holen. Oft ist es günstiger, richtig zu bauen. Ausgewachsen ist ein solches Haus dann schon, mitnehmen und in den Weinberg setzen kann man es aber nicht.

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